WINSTROL

In vielen Fällen war und ist Winstrol das Mittel der Wahl zur Leistungssteigerung
in der Leichtathletik. Hinter Nandrolon (Deca Durabolin) und Testosteron
belegt Stanozolol (Winstrol) den dritten Platz in der Hitliste der bei
Dopingtests (aller Sportarten) nachgewiesenen anabolen Steroide.
(Clasing, S. 129ff)

Stanozolol war der Wirkstoff, der sich ungünstigerweise im Urin von Ben
Johnson befand und ihm so die Anerkennung seines Fabel-Weltrekordes und
die Gold-Medaille bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul kostete.
Stanozolol wurde in der Vergangenheit oftmals als unwirksames Steroid
abgetan — wohl aufgrund der Tatsache, daß dieser Wirkstoff bezüglich seines
anabolen Potentials deutlich hinter Testosteron und Dianabol rangiert…
(Häcker, De Marees; S. 54)

In einem großen deutschen Nachrichtenmagazin war von einem Steroid-
Einnahmeschema zu lesen, das angeblich von einem Radrennfahrer des Profi
Teams Deutsche Telekom stammen sollte — unter den aufgelisteten Medikamenten
findet der Leser wiederum Stanozolol; einzunehmen in einer
täglichen Dosierung von 3×1 Tablette ä 5 mg. Um Mißverständnisse von
Anfang an auszuräumen: Winstrol Depot (so der Name der injizierbaren
Variante) ist ein sehr effektives Steroid, das in gewisser Weise eine
Ausnahmestellung unter den anabolen Steroiden innehat. Winstrol Depot
führt zu einer merklichen Kraftsteigerung und zu einer verbesserten
Trainingseinstellung, die dem Athleten ein effektiveres Training ermöglicht,
sowie zu einer beschleunigten Leistungssteigerung. Wie schon von anderen
Steroiden her bekannt, ruft auch Winstrol Depot eine Beschleunigung des
Protein-Metabolismus (Stoffwechsel) hervor und führt somit zu kürzeren
Regenerationszeiten. Dennoch ist dieser Effekt bei Stanozolol verglichen
etwa mit Testosteron-Propionat spürbar geringer. Auf der anderen Seite
kommt es jedoch durch Winstrol zu einer erhöhten Thermogenese (erhöhte
Wärmeproduktion des Körpers), die sich in einer Unterstützung des
Fettabbaus bemerkbar macht.

Die bei anderen Steroiden übliche Neigung zur
Aromatisierung (Umwandlung von Testosteron in Östrogen), die einhergeht
mit einer vermehrten Wassereinlagerung, ist bei Winstrol nicht festzustellen.
Stanozolol ist ein Abkömmling von Dihydrotestosteron und wird nicht zu
Östrogen umgewandelt. Dies hat für den Athleten den Vorteil, daß es nicht
zu einem „Anschwellen” der Beine und zu der ansonsten üblichen vermehrt
auftretenden Wassereinlagerung kommt, die sich insbesondere im Bereich
zwischen Fußknöchel und Wadenkopf-Ansatz bemerkbar macht. Dennoch
kann es durch Winstrol vor allem in höheren Dosierungen zu einer vermehrten
Glykogeneinlagerung in der Muskulatur kommen. Durch diese vermehrte
Glykogeneinlagerung kann es unter Umständen zu einer verminderten
Kapillardurchblutung und der damit einhergehenden verminderten aeroben
Kapazität kommen. Zu empfehlen ist hier eine kohlenhydratreduzierte Diät
(siehe Propionat).

Winstrol Depot verhilft dem Athleten so ganz nebenbei noch zu einem muskulösen
und auch fettfreien Aussehen. Wer die Bilder vom Fabelweltrekord
von Ben Johnson aus den späten 80er Jahren noch in Erinnerung hat, wird
dies bestätigen können. Doch keine Angst — sie werden mit Stanozolol nicht
zum Bodybuilder — auch ihr Gewicht wird nicht ansteigen —
vorausgesetzt das Steroid wird richtig angewendet und die Ernährung
stimmt. Wie bei anderen Steroiden auch, empfiehlt es sich, bei der Einnahme
von Stanozolol die Kohlehydratzufuhr leicht zu drosseln. Neben einigen
anderen Entwicklungen auf dem Medikamentensektor hat die seit 1984
deutlich angestiegene Verbreitung von Stanozolol dazu beigetragen, daß sich
die Leistungen und auch die körperlichen Merkmale der Athleten sichtbar
verändert haben.

Für Athleten, die sich für eine medikamentös unterstützte Trainingsgestaltung
entscheiden und vornehmlich an einer Entwicklung der Kraftfähigkeiten
interessiert sind, bietet sich die kombinierte Anwendung von
Winstrol und Wachstumshormonen an. Die meisten Athleten, die Winstrol
verwenden, legen den Anwendungszeitraum ohnehin in die wettkampffreie
Zeit. Problematisch bei der Anwendung von Winstrol ist es, die richtige
Dosierung zu finden. Athleten berichten davon, daß sie bei der Verwendung
von Winstrol vermehrt zu Muskelverhärtungen neigen. Obwohl es durch
Winstrol nicht zu einer sichtbaren Wasserretention kommt, scheint es doch
irgendwo im Bereich der Muskelfascien zu einer vermehrten Einlagerung von
Wasser und Nährstoffen zu kommen. Während die Muskulatur unter
Verwendung von Testosteronestern ein verwässertes Aussehen bekommt,
wird diese unter Stanozolol-Einwirkung optisch härter und definierter ersichtlich: Der Wirkstoff Stanozolol liegt nicht wie ansonsten bei injizierbaren
Steroiden üblich in einer in Öl gelösten Form, sondern in einer wässrigen
Lösung vor. In Öl gelöste Steroide, wie beispielsweise Testosteron Enantat,
weisen meist eine relativ lange Wirkungsdauer auf, die Injektionsintervalle
liegen bei einer Woche und mehr. Winstrol Depot dagegen gelangt schnell
ins Blut und beginnt damit oft schon wenige Stunden nach der Injektion
seine Wirkung zu entfalten. Vor allem Athleten mit einem schnellen
Stoffwechsel bemerken oft schon kurze Zeit nach der Injektion den für
Stanozolol typischen Anstieg der Körpertemperatur. Das Besonders an Winstrol
Depot ist, daß es eine spürbare Stoffwechselaktivierung hervorruft. Dies kann
unter Umständen so weit gehen, daß vor dem Schlafen injiziertes Stanozolol
das Einschlafen verzögert. Stanozolol gehört zur Gruppe der 17-alpha-alkylierten
Steroide und führt daher zu einer vermehrten Leberbelastung.

Auffällig bei Stanozolol ist, daß es beim Abbau des Wirkstoffes zur
Entstehung verschiedenster Metaboliten (Abbauprodukte des Stoffwechsels)
kommt. Nachdem Stanozolol lange Zeit als schwer nachweisbar galt, ist diese
These mittlerweile überholt. Unter den zahlreichen Metaboliten finden sich
naturgemäß auch etliche darunter, die lange Halbwertszeiten aufweisen. So
konnten 7 Tage nach dem Absetzen des Präparats immer noch die beiden
Stanozolol-Metaboliten Hydroxy Stanozolol und Hydroxy Epistanozolol nachgewiesen
werden. Die durch Stanozolol hervorgerufene Leberbelastung steht
deutlich in Abhängigkeit von der Dosierung und macht sich oft in einer
Erhöhung der Leberwerte (GOT, GPT, gGT) bemerkbar. In Anbetracht der
relativ niedrigen Dosierungen, die im Ausdauersport verwendet werden, dürfte
dies in den meisten Fällen kein zu großes Problem darstellen.

Ein weit größeres Gefahrenpotential bei der Anwendung von Winstrol Depot
stellen Spritzenabszesse dar. Galten früher nur Stromba-lnjektionen (mittlerweile
außer Handel) als gefährlich, so klagen mittlerweile immer mehr
Athleten über das Auftreten von Abszessen durch das Präparat Winstrol
Depot. Abszesse entstehen, wenn Keime durch die Injektion in das
Muskelgewebe gelangen. Tritt nun das Immunsystem nicht sofort auf den
Plan, so kommt es meist zu einer eitrigen Entzündung kommen. Wird diese
nicht rechtzeitig erkannt und von einem Arzt chirurgisch entfernt, so kann es
zur massiven Ausbreitung des Eiterherdes kommen. Meist dauert es dann
einige Tage, bis sich der Abszess bemerkbar macht. Diesen merkt man zuerst
durch einen bei bestimmten Bewegungen auftretenden stechenden Schmerz,
der schon bald zu einem permanentem Druckschmerz wird. Später schwillt
dann das umliegende Gewebe stark an. Findet jetzt immer noch kein chirurgischer
Eingriff statt, so können durch den Eiterherd neben Muskeln, Sehnen
und Gelenke auch Blutgefäße angegriffen werden. Kommt es zum Auftreten
eines Abszesses, so bleibt nur der Gang zum Arzt. Meist muß dann
ein chirurgischer Eingriff vorgenommen werden: Dazu wird eine etwa
5 Millimeter starke Kanüle durch die Haut und das über dem Entzündungsherd
gelegene Muskelgewebe gestochen, durch die das Eitersekret dann
abfließen kann. Es gibt sicher angenehmere Dinge im Leben… Die ganze
Prozedur wird zudem von einer kräftigen Antibiotika-Kur begleitet.
Bleiben Abszesse zu lange unbehandelt, so besteht die Gefahr, daß diese zu
einer Blutvergiftung führen. An dieser Stelle eine Aussage über die Häufigkeit
von Abszessen zu machen, fällt schwer, da man die Problematik gefälschter
Winstrol Ampullen mit einbeziehen muß.

Obwohl Stanozolol in der Medizin vornehmlich als anaboles Steroid gilt,
kann es dennoch zu androgenbedingten Nebenwirkungen kommen. Selbst
in geringen Dosierungen führt das Steroid zu einem Eingriff in den
Hypophysen-Gonaden Regelkreis. Bereits die tägliche Gabe von 10 mg
Stanozolol führt zu einer Unterdrückung der körpereigenen Hormonproduktion.
Die durch anabole Steroide hervorgerufene psychische Beeinflussung
ist bis jetzt leider medizinisch noch nicht näher untersucht, doch zeugen
Erfahrungsberichte von Athleten davon, daß es durchaus zu Verhaltensänderungen
kommen kann. Dies hängt jedoch stark vom Individuum ab:

Während der eine Athlet kaum etwas verspürt, treten beim anderen massive
Stimmungsschwankungen sowie eine spürbare Gereiztheit auf. Neuste
wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen, daß sich auch im Gehirn
Steroidrezeptoren befinden. Viele Athleten berichten davon, daß es durch
die Verwendung von Stanozolol-Injektionen zu einer deutlich spürbaren
Emotionalisierung kommt.

Da Winstrol eine sehr kurze Wirkungsdauer aufweist, gilt es die Substanz
mindestens alle 3 Tage zu injizieren; ein nicht gerade angenehmer Gedanke,
kann es doch durch Winstrol am Tag nach der Injektion zu Schmerzen im
Bereich der Einstichsstelle kommen. Meist tritt dabei am Tag nach der
Injektion das Gefühl eines Muskelkaters auf, was allerdings kein Grund zur
Unruhe oder Angst vor Abszessen sein sollte. (Symptome eines Abszesses
treten meist erst etliche Tage nach der Injektion auf, dann nämlich, wenn
sich ein entsprechender Infektionsherd gebildet hat.)

Zu betonen gilt, daß der Wirkungsverlauf bei allen Steroiden (wie auch bei
allen anderen Wirksubstanzen) stark von der Stoffwechselgeschwindigkeit
abhängig ist. So kann sich bei dem einen Athleten bereits am Tag nach der
Injektion eine gewisse Wirkungsabschwächung einstellen, während der andere
noch am fünften Tag nach der Injektion eine vermehrte Trainingsmotivation,
mehr Energie und eine erhöhte Thermogenese feststellt. Die mitunter sehr
kurze Wirkungsdauer stellt den Ausdauersportler vor das Problem häufiger
Injektionen. Damit bei Injektionsintervallen von 2 Tagen die Wochendosis
nicht zu hoch wird, empfiehlt es sich, jeden zweiten Tag lediglich 0,5 ml
Winstrol Depot zu verwenden.

Bekam man vor einigen Jahren die typischen zylinderförmigen Winstrol-
Ampullen der Firma Zambon (Spanien) mit dem plastisch fühlbaren braunen
Aufdruck in die Hand, so konnte man mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen,
daß es sich um originales Winstrol handelte. Doch im Zuge immer
besserer Fälschungen würde sich der Athlet mittlerweile in falscher Sicherheit
wiegen. Etliche orginalgetreu gefälschte Winstrol Ampullen kursieren periodenweise
vermehrt in diversen Schwarzmarkt-Kreisen. Dabei handelt es sich um
Ampullen, die beispielsweise durch einen dickeren Ampullenhals auffallen,
der sich nach Aussagen von Athleten nur schwer ohne vorheriges Anfeilen
abbrechen läßt. Außerdem besitzen gefälschte Ampullen oft einen dunkler
erscheinenden Aufdruck, und sind in Höhe und Breite nicht mit dem Original
identisch. Auch im Ampulleninhalt unterscheidet sich das Original von der
Fälschung.

Originale Winstrol Ampullen enthalten eine wässrige Lösung, die in ihrem
Aussehen stark an Milch erinnert. Der darin enthaltene Wirkstoff beginnt sich
einige Stunden, nachdem die Ampulle in einer steten (stehenden oder
liegenden) Stellung gelagert worden ist, am Boden abzusetzen. Man spricht
davon, daß Winstrol ausfällt. Die Festsubstanz läßt sich aber durch mehrmaliges
kurzes Schütteln oder Rollen der Ampulle wieder problemlos auflösen.
Gefälschte Winstrol Ampullen sind am leichtesten dadurch zu erkennen, daß
sich der abgesetzte Wirkstoff nur schwer wieder auflösen läßt, bzw. daß sich
trotz minutenlangem Schütteln immer noch Flocken in der Lösung befinden.
So bleiben auch beim Aufziehen des Ampulleninhalts noch flockige
Restbestände in der Ampulle zurück. Bei einem Verdacht auf Fälschungen ist
besondere Vorsicht geboten, weiß doch niemand um die Beschaffenheit des
wirklichen Inhalts, bzw. um die Einhaltung von Hygienevorschriften bei der
Produktion. So wurde in Athletenkreisen das vermehrte Auftreten von
Abszessen mit dem zeitweilig in Umlauf befindlichen Winstrol-Fälschungen
in Verbindung gebracht.

Da das von der Firma Winthrop hergestellte Strombaject bereits seit längerem
außer Handel ist, und italienisches Winstrol nur selten auf dem Schwarzmarkt
zu finden ist, bleibt dem Athleten meist nur noch Winstrol der Firma Zambon
aus Spanien.

Mittlerweile jedoch ist der Athlet ausschließlich auf
Schwarzmarktquellen oder den (verbotenen) Eigenimport angewiesen.
Athleten, die Injektionen vermeiden wollen, weichen meist auf die orale Form
von Stanozolol aus. Dabei handelt es sich ähnlich wie bei den meisten anderen
oralen Steroiden um die 17-alpha-alkylierte Form des Wirkstoffes. Obwohl
das Wirkungsprofil der beiden Darreichungsformen im Grunde identisch ist,
gilt es doch zu beachten, daß bei der oralen Variante die Gefahr besteht, daß
ein Teil des Wirkstoffes durch den sog. first pass in der Leber zerstört wird.

So muß der Athlet damit rechnen, daß eine höhere Dosierung verwendet
werden muß, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Winstrol Tabletten sind
mittlerweile ausschließlich in einer Dosierungsstärke von 2 mg erhältlich.
Diese niedrige Dosierungsstärke ermöglicht vor allem Frauen eine genauere
Dosierung, da hier bereits 2 bis 4 mg täglich ausreichend sein dürften. Männer
hingegen verwenden zwischen 4 und 8 mg.

Die Präparate
Wirkstoff: Stanozolol
Zambon (Sp, 1), Winstrol Depot (50 mg/ml)
Sterling Research (GB), Stromba (50 mg/ml)
Zambon (Sp, I), Winstrol (2 mg Tabl.)

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