WIE STEROIDE WIRKEN

Der Körper besteht aus vielen millionen Zellen. Alle haben ‘unterschiedliche Funktionen und wachsen unterschiedlich schnell. Da wir nur auf Muskelmasse und Kraft aus sind, wollen wir uns auch nur mit ihnen und ihrer Funktion befassen. Steroide sind komplexe Moleküle, die als Nachrichtenträger, sogenannte Messenger im Blut umher treiben. Sie geben den Muskelzellen den Befehl, entweder mehr Eiweiß (Muskelmasse) anzubauen, oder mehr Kreatinphosphat (Kraftzuwachs) zu 1 produzieren. Hierbei kommt es auf den Typ des verwendeten Steroids an. Die aktiven Messenger treiben in freier Form im Blut, sind also nicht an ein Bluteiweiß gebunden. Inaktive Messenger sind an sogenannte androgenbindende Globuline gebunden und sind somit nicht mehr Zellaktiv. In einer Muskelzelle, genauer, in dem Aminosäurepool um den Zellkern, schwimmen Millionen winzige Steroidrezeptoren. An sie binden sich Steroide, natürliche wie auch künstliche und werden mit ihnen in den Zellkern getragen um ihre Arbeit zu verrichten. Je mehr freie Steroide im Blut vorhanden sind, umso mehr können sich an die Steroidrezeptoren binden. Einige Steroide binden sich sehr stark an die ABGs (androgenbindende Globuline). Meistens sind über 90% der Steroide im Blut an ABGs gebunden. Es gibt auch Steroide die sich nicht an ABGs binden und somiimmer in freier Form im Blut vorliegen. Andere Steroide binden sich so fest an die ABGs, daß andere Steroide nicht mehr gebunden werden können oder sogar durch sie von den Globulinen verdrängt werden und dann wieder in freier Form ins Blut gelangen.

Aber es ist nicht nur entscheident, wieviel freie Steroide im Blut vorliegen, sondern auch ob Steroidmolekül und Steroidrezeptor zusammenpassen. Sie müßen zueinander passen wie eine M8 Schraube und eine M8 Mutter. Ist das nicht der Fall, hat man schlechte Karten. Manche Menschen haben zudem mehr Rezeptoren als andere, ein genetischer Vorteil. Sind die vorhandenen Rezeptoren zu stark beansprucht, schalten sie ab. Auch gibt es Hinweise darauf, daß jüngere Menschen andere Rezeptoren haben als ältere Menschen. Es scheint Individuen mit extrem empfindlichen Rezeptoren zu geben. Bei ihnen wirken auch Mittel, die bei 90% der übrigen Sportler kaum Wirkung zeigen.

Beispiel: Stromba. Über die letzten beiden Jahre habe ich viele jüngere Bodybuilder beobachtet, die sogar mit lediglich 50 mg Stromba gute Erfolge erzielt haben.

Leider gibt es trotz aller Erkenntnisse noch kein perfektes Anabolikum. Die wenigen Anabolika, die sich nicht an ABGs binden, haben leider eine geringe Rezeptorenaffinität. Übertragen auf unsere Schraube/Mutter-Aanalogie bedeutet das: eine M8 Schraube mit einer M10 Mutter verbinden zu wollen: recht hoffnungslos. Die anderen Anabolika, die eine bessere Rezeptorenaffinität besitzen, wirken sehr schwach und blockieren zumeist die Rezeptoren für wirksamere Mittel. Lassen Sie mich nun auf die spezifischen Nachrichten zurückkommen, die die Steroide den Zellen übermitteln. Grundsätzlich sprechen Steroide nicht nur Muskelzellen an. Auch Talgdrüsen, Haut, Haarwurzeln, Blutzellen und Gehirn werden durch sie angeregt. Darauf kommen wir später zurück. Interessant in unserem Zusammenhang sind zwei Dinge, die durch die Anabolika induziert werden: Proteinsynthese und Kreatinphosphatsynthese.

Die Proteinsynthese, d.h. der Eiweißaufbau, ist der für uns wichtigste Aspekt. Verbesserte Proteinsynthese bedeutet größeres Muskelvolumen und verbesserte Erholungsfähigkeit. Steroide verbessern auch die Kreatinphosphat-Synthese. Damit eine Muskelzelle Leistung erbringen kann, braucht sie Energie. Die für die Zelle verwertbare Energieform heißt ATP (Adenosin-Triphosphat). ATP wird bei der Energiebereitstellung zu ADP, Adenosin-Diphosphat abgebaut. Aus diesem Abbauprozeß stammt die Energie, die den Muskel dann bewegt. Dies klingt zwar sehr einfach, beinhaltet aber eine Vielzahl von chemischen Prozessen. Zwar interessant, würde es doch den Rahmen des Buches sprengen, alle chemischen Prozesse von der Nahrungsaufnahme bis zur Bereitstellung von ATP in der Muskelzelle zu erklären. Einfach ausgedrückt, Kreatinphosphat ist ein Zwischenprodukt bei der Energiebereitstellung in der Muskelzelle. Hohe GP-Werte (Kreatinphosphatwerte) sorgen für hohe ATP-Werte. Hohe ATP-Werte bedeuten mehr Kraft, jedoch nicht unbedingt mehr Masse der Muskeln. Diese Schritte stehen im direkten Verhältniss zu einander, das Eine ergibt das Andere. Steroide lassen die Muskeln auch mehr Kohlenhydrate und Flüssigkeit speichern. Beide Faktoren erhöhen Kraft und Muskelmasse. Steroide erhöhen die Aufnahmefähigkeit der Zellen für Aminosäuren ohne die sonst notwendige Insulin-Ausschüttung. Ist die Insulinausschüttung vermindert, so werden weniger Kohlenhydrate in die vorhandenen Fettzellen aufgenommen. Von Fettzellen aufgenommene KH werden dort zunächst zu Glycerin und schließlich zu Triglyzeriden umgewandelt. Das Endresultat ist dann eine schöne, pralle Fettzelle. Je weniger Insulin freigesetzt wird, umso besser. Wenngleich Insulin auch ein sehr stark anaboles Hormon ist, kann man davon vor allem wunderbar fett werden.

Nachdem das Steroidmolekül an der Zellmembran seine Nachricht übermittelt hat, wird es vom Blutkreislauf weitergetragen, um an weiteren Zellen zu wirken, bis es in seine Metaboliten abgebaut wird und zusammen mit anderen Abfallrodukten im Urin ausgeschieden wird. Einige Mittel werden in andere Steroide umgewandelt, bevor sie sich mit den Steroidrezeptoren verbinden können. Zum Beispiel wird Teststeron in Dihydrotestosteron umgewandelt. DHT bindet sich einfacher als Testosteron an die Rezeptoren in Muskelzellen, Talgdrüsen und Haarwurzel. Auch andere Steroide können zu DHT umgewandelt werden. Noch ist nicht sicher, ob DHT tatsächlich anaboler wirkt als Testosteron, die Gelehrten streiten sich immer noch. Steroide können auch in Östrogen umgewandelt werden. Diesen Prozeß nennt man Aromatisierung. Da sich Östrogen und Testosteronmolekül im Aufbau sehr gleichen, ist dieser Prozeß für den Körper nicht sehr schwierig.

Einige Steroide, die eine sehr schlechte Rezeptorenaffinität, dh. Aufnahmefähigkeit am Steroidrezeptor aufweisen, werden sogar in ihre ursprünglichen Form im Urin ausgeschieden. Die angesprochene Aromatisierung der Steroide fällt unter die nicht erstrebenswerten Auswirkungen, doch dazu später mehr. Ein Teil der abgebauten Metaboliten wirkt sehr schwach anabol, er wird binnen weniger Tage vom Körper ausgeschieden. Auf der anderen Seite entstehen auch Metoboliten die keinerlei Aktivität I aufweisen, aber für einige Monate im Körper verweilen und dann beim Test nachgewiesen werden können, siehe Deca-Durabolin.

Das erste schwach wirksame Testosteron wurde in den 30er Jahren aus Unmengen Hunde-Urin gewonnen und dann zu Testzwecken anderen Tieren verabreicht. Sicherlich kein Mittel um das man sich geschlagen hätte, In unserer Zeit wird Testostron aus einer Pflanze gewonnen, der mexikanischen Sasparillapflanze (so gesehen könnten sich auch Vegetarier damit anfreunden).

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