Insulin

Insulin

Insulin ist ein Polypeptidhormon, das vom menschlichen Körper in der Bauchspeicheldrüse gespeichert wird. Die Bildung von Insulin erfolgt dabei in den Beta-Zellen der Langerhansschen Inseln. Insulin ist in erster Linie für die Nährstoffverteilung im Körper zuständig. Sobald Nahrung aufgenommen wird, scheidet die Bauchspeicheldrüse gespeichertes Insulin aus, das nun die Aufgabe hat, im Blutkreislauf befindliche Nährstoffe an die unterschiedlichen Zielorte, wie Leber, Muskeln, Fettgewebe oder Gehirn zu transportieren. Insulin wirkt dabei blutzuckersenkend.

Ein Insulinmangel im Körper führt zur Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, der häufigsten Stoffwechselerkrankung beim Menschen. In der Schulmedizin wird Insulin bei Diabetes mellitus des Typs I verschrieben, auch „insulinpfiichtiger Diabetes” genannt. Bei dieser Erkrankung ist die Bauchspeicheldrüse des Betroffenen unfähig, selbstständig Insulin zu produzieren, was die exogene Zufuhr, sprich tägliche Insulininjektionen, notwendig macht. Bleibt diese Krankheit unbehandelt, sind schwerste gesundheitsschädliche Überzuckerungen die Folge.

Der Grund, warum Insulin im Bodybuilding angewendet wird, liegt fast ausschließlich am Wachstumshormon. Insulin selbst ist kein Hormon, das allein verabreicht in wunderhafter Muskelzuwächsen resultiert. Vielmehr handelt es sich bei Insulin um einen Aktivator, der die muskelaufbauende Wirkung von anabolen Steroiden, IGF-1 und insbesondere dem Wachstumshormon deutlich heraufsetzt.

In der wissenschaftlichen Literatur findet man eine Vielzahl von Studien, die exakt dokumentieren, weshalb die kombinierte Gabe von Insulin und dem Wachstumshormon einer weitaus stärkeren Effekt hervorruft, als wenn die jeweiliger Hormone getrennt verabreicht werden. Sowohl das Wachstumshormon als auch Insulin erhöhen den Proteingehalt in der Muskulatur, allerdings lässt sich der größte Proteinanstieg im Muskelgewebe erst bei einer kombinierten Anwendung messen.

Wie wir wissen, gelangt ein Großteil des Wachstumshormon- Wirkstoffes nach einer Injektion in die Leber. Die Aufgabe der Leberzellen ist es nun, mit der Produktion von IGF-1 zu beginnen. Hierfür wird jedoch neben Testosteron und Schilddrüsenhormonen auch Insulin benötigt, und zwar in einer ausreichend hohen Menge. Daran hapert es jedoch bei vielen Wachstumshormonverwendern, da ein gesunder Erwachsener täglich etwa nur 50 I.E., d.h. 2mg, Insulin produziert. Diese zur Verfügung stehende Insulinmenge ist leider nicht genug, um eine maximale IGF-1 Produktion nach einer Wachstumshormoninjektion in die Leber zu garantieren. Man kann nicht einfach den Wachstumshormonspiegel im Körper durch Wachstumshormoninjektionen um ein Vielfaches erhönen, und dabei auf eine höchstmögliche IGF-1-Bildung hoffen, wenn nicht gleichzeitig alle anderen notwendigen IGF-1- Simulatoren, Testosteron, Schilddrüsenhormon und insbesondere Insulin mitangehoben werden.

Der Körper ist sich dieser Problematik bewusst, reagiert er doch anfänglich auf Wachstumshormongaben mit einer vermehrten Insulinproduktion. Das Wachstumshormon besitzt nämlich die Eigenschaft, die Bauchspeicheldrüse zur verstärkten Abgabe von Insulin zu veranlassen. Der Insulinspiegel im Blut steigt an und die Leber kann nun mit dem zusätzlichen Insulin die IGF-1 Produktion in Angriff nehmen. Das Problem ist jedoch, dass eine fortwährende Verabreichung des Wachstumshormons zu einer Schädigung der Beta-Zellen in den Langerhansschen Inseln führt und die anfänglich auf Hochtouren laufende Insulinproduktion lässt bald nach. Erfolgt die Wachstumshormonapplikation, nsbesondere bei höheren Dosierungen, lange genug, dann kann die körpereigene Insulinproduktion auf ein besorgnisserregendes Level absinken. Neben ernsten gesundheitlichen Schwierigkeiten, wie das mögliche Entstehen eines hohen Blutzuckerspiegels und daraus resultierenden Diabetes mellitus, schlägt sich dies auch auf die IGF-1 Produktion in der Leber negativ nieder. Darüber hinaus haben wissenschaftliche Studien eindeutig den Nachweis erbracht, dass ein Insulindefizit zu einem Verlust an Wachstumshormonrezeptoren in der Leber führt, was bedeutet, dass ein Teil des injizierten Wachstumshormons mit hoher Wahrscheinlichket von vornherein von der Leber nicht genutzt werden kann.

Wird hingegen im Verlauf einer Wachstumshormonkur unter Zuhilfenahme von Insulininjektioien für einen ausreichend hohen Insulinspiegel gesorgt, landen Bodybuilder damit gleich eine Reihe von Volltreffern. Das Wichtigste ist natürlich, dass die Leber in der Lage ist, eine maximale Menge an IGF-1 zu produzieren. Gleiches gilt übrigens auch für die Muskelzellen, auch diese können lokal IGF-1 aus Testosteron, Schilddrüsenhormonen, Wachstumshormon und Insulin formen. Messungen des IGF-1 Spiegels im Blut ergaben bei wissenschaftlichen Untersuchungen dann auch folgerichtig, dass die Wachstumshormon-Insulin-Kombination mit deutlich höheren Werten assoziiert ist, als bei getrennter Verabreichung. Weiterhin verbessert Insulin die anabole Wirkung des vom Körper gebildeten IGF-1, indem es die Synthese und Serumkonzentration der IGF-1-Bindungsproteine positiv reguliert. Insulin unterstütz: hierbei die Formierung des wichtigen IGF-1 /IGFBP-3-Komplexes im Blut. IGFBP-3 ist ein Bindungsprotein, das IGF-1 in Blut an sich bindet und so vor einem Abbau schützt. Somit lässt sich eine einfache Bezugskette bilden: Insulin stimuliert den IGF-1/IGFBP-3-Komplex, IGFBP-3 verlängert die Lebenserwartung von IGF-1 im Blut, dies wiederum erhöht die Wirksamkeit von IGF-1. Zu guter Letzt reguliert das Insulin die Zahl der Wachstumshormonrezeptoren in der Leber nach oben und ermöglicht so die Verarbeitung von selbst hohen Wachstumshormondosierungen. Auch hier haben wissenschaftliche Studien den Beweis erbracht, dass die Ausscheidungswerte von Wachstumshormon im Urin bei gleichzeitiger Insulingabe weitaus geringer ausfallen, als bei alleiniger Applikation.
Desweiteren besteht zwischen dem Wachstumshormon und Insulin eine synergistische Wirkung in Bezug auf den Proteinstoffwechsel. Beide Hormone fördern das Eindringen von Aminosäuren in die Muskelzellen, indem sie die Zellmembranpermeabilität, sprich die Durchlässigkeit der Zellwand, heraufsetzen. In der MuskeJzelle selbst stimulieren sowohl Insulin als auch das Wachstumshormon die Proteinsynthese, d.h. der Muskel erfährt ein Dickenwachstum und wächst in die Breite.
Vergleicht man die Wirkung von Insulin und dem Wachstumshormon noch etwas genauer, fällt eine weitere imposante Ähnlichkeit auf. Beide Hormone fördern die Schonung von Protein. Insulin tut dies auf Kosten von Glucose, das Wachstumshormon auf Kosten von Fettsäuren. Im Bodybuildingjargon gesprochen handelt es sich hierbei um eine anti-katabole Wirkung. Insulin schützt den Athleten in Stresssituationen (z.B. Übertraining) oder bei Mangelernährung (z.B. Wettkampfdiät) vor einem Verlust von Muskelgewebe. Der Grund ist, dass Insulin, wie auch das Wachstumshormon, einen Vorgang namens Gluconeogenese hemmt. Die Gluconeogenese ist ein Energiegewinnungsprozess, der in der Leber abläuft und bei dem Protein als Brennstoff verbraucht wird. Eine grauenhafte Verstellung für jeden Bodybuilder. Muskelgewebe wird abgebaut und in der Leber zu Energie verstoffwechselt. Hier verschafft das Hormon Insulin Abhilfe, es verhindert die Gluconeogenese und die Proteinvorräte in der Muskulatur bleiben intakt. Da Insulin (durch die Bereitstellung von Glucose) und das Wachstumshormon (durch die Bereitstellung von Fettsäuren) die Gluconeogenese auf unterschiedlichen Wegen hemmen, ergänzen sich ihre Wirkung bei gleichzeitiger Verabreichung zu einem deutlich größeren proteinschonenden Effekt, als wenn nur eines der beiden Hormone zum Einsatz gelangt.

Dennoch stehen viele Bodybuilder der Anwendung von Insulin äußerst skeptisch gegenüber. Diese abweisende Haltung gründet sich jedoch meist nicht auf der Furcht vor möglichen schädigenden Nebenwirkungen. Hardcorebodybuilder, die mehrere Steroide, das Wachstumshormon, Schildrüsenhormon, Clenbuterol, Diuretika etc. einnehmen, schrecken wohl kaum der Gesundheit wegen vor Insulin zurück. Velmehr bewegt das Wissen um die antilipolytischen Eigenschaften des Insulins Bodybuilder dazu, die Finger von diesem Hormon zu lassen. Insulin genießt nämlich den zweifelhaften Ruf, den Fettansatz zu forden. Eine absolut korrekte Einschätzung, weiß man doch, dass Insulin die Aufnahme von Glucose in die Fettzelle erhöht und darüber hinaus die Abgabe von freien Fettsäuren aus der Fettzelle hemmt.

Somit können wir das Thema Insulin ad acta legen, denn welcher Bodybuilder möchte sich schon gerne eine dicke Speckschicht anspritzen. Merkwürdig ist nur, dass Insulin quasi von fast allen Profibodybuildern selbst in der Wettkampfvorbereitung eingesetzt wird. Auf der einen Seite soll Insulin den Fettansatz förde’n, anderseits glänzen die Profis am Meisterschaftstag mit einem nahezu fettfreien Äußeren. Klingt ganz nach einem Widerspruch. Ist es aber nicht, denn die entscheidende Rolle spielt hierbei das Wachstumshormon. Dieses Hormon wirkt nämlich, bezogen auf den Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel antagonistisch gegen Insulin. In der Praxis bedeutet dies, dass das Wachstumshormon die Wirkung von Insulin auf das Fettgewebe hemmt. Die Fettzellen entwickeln während einer Wachstumshormongabe eine Resistenz gegenüber Insulin, d.h. das Insulin kann nicht mehr an der Fettzelle andocken, um Glucosemoleküle einzuschleusen. Darüber hinaus inaktiviert das Wachstumshormon einen genetischen Kodex namens Glut-4, der für den Transport von Glucose in die Fettzelle verantwortlich ist. Weiterhin setzt das Wachstumshormon den antilipolytischen, d.h. den Fettabbau blockierenden Effekt von Insulin außer Kraft, was sich durch den hohen Gehalt an freien Fettsäuren im Blut während einer kombinierten Insulin-Wachstumshormon-Gabe belegen lässt. Man kann es auch so formulieren: Die fettabbauende Wirkung des Wachstumshormons kämpft mit dem fettaufbauenden Insulin um die Oberhand in der Fettzelle. Als Sieger geht dabei das Wachstumshormon hervor. Nun wissen Sie, weshalb kein Profibodybuilder Insulin ohne Wachstumshormon injiziert. Sie werden keinen Profibodybuilder finden, der Insulin mit Steroiden kombiniert und dabei auf das Wachstumshormon verzichtet. Eine solche Vorgehensweise würde der fettaufbauenden Wirkung des Insulins buchstäblich Tür und Tor öffnen.

Jeder Bodybuilder, egal auf welchem Leistungsniveau, wird mit einer Kombination aus Steroiden, Wachstumshormon und Insulin im gleichen Zeitraum erheblich mehr Muskelmasse aufbauen können, als wenn nur Steroide und das Wachstumshormon zum Einsatz kommen. Ohne Insulin vermag der IGF-1-Blutspiegel niemals einen solch hohen Wert zu erreichen wie mit Insulin. Und je mehr IGF-1 sich die Muskelzellen ausgesetzt sehen, desto schneller wachsen sie. Vielen Bodybuildern hilft Insulin, ein Leistungs- bzw. Entwicklungsplateau zu durchbrechen. Wer nach jahrelangem Training sowie Steroid- und Wachstumshormongebrauch keine weiteren Fortschritte erzielt und der Meinung ist, er habe sein genetisches Potential ausgeschöpft, der wird sich wundern, was die additive Gabe von Insulin alles bewirken kann. So ist es durchaus keine Seltenheit, wenn Bodybuilder, die erstmals Insulin verwenden und dieses einem existierenden Steroid-Wachstumshormon-Stack hinzufügen, innerhalb von vier Wochen einige kg an soliden Muskeln zulegen. Selbiger Ersteffekt liegt daran, dass Insulin das Eindringen von Glucose in die Muskelzellen erleichtert, wo es dann zur Speicherung von Glykogen kommt. Um 1g Glykogen zu speichern, lagert die Muskelzelle zusätzlich 4g Flüssigkeit (Wasser) ein, mit dem Ergebnis, dass das Muskelzellvolumen steigt. Wessen Körperfettgehall nicht allzu hoch liegt, der darf sich über eine bessere Vaskulariät erfreuen, da das unter der Haut liegende Adernetz sichtbarer zum Vorschein kommt. Im Training kommt es zu einem wahrhaft gigantischen Aufpumpeffekt. Da Glykogen ebenfalls eine wichtige Rolle bei der ATP-Gewinnung im Muskel spielt, verbessert sich die Kraftausdauer. Gleiches gilt für die körperliche Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten. Bei adäquater Kohlenhydratzufuhr füllt Insulin die im Training entleerten Muskelglykogenspeicher rasch wieder auf.

Der Grund, weshalb insbesondere Bodybuilder, die schon über einen längeren Zeitraum das Wachstumshormon injizieren, auf die zusätzliche Gabe von Insulin sehr gut ansprechen, ist neben der verbesserten IGF-1-Bildung zweifelsohne der Einfluss von Insulin auf den Glucosestoffwechsel auf der Muskelzellebene. Wir wissen, dass das Wachstumshormon bezogen auf den Glucosestoffwechsel antagonistisch gegen Insulin wirkt, d.h. im Muskel verringert das Wachstumshormon die Wirkung des Insulins auf die Zelldurchlässigkeit für Glucose und hemmt außerdem die weitere Aufarbeitung der Glucose zu Glykogen. Folglich entwickeln die Insulinrezeptoren an der Muskelzelle durch das Wachstumshormon eine gewisse ünempfindlichkeit (Resistenz) gegenüber Insulin. Die Glucosemoleküle gelangen bei Wachstumshormonverwendern nur noch sehr schwierig und in viel geringerer Zahl in die Muskelzellen als normal. Als Konsequenz zeigt sich der Blutzuckerspiegel erhöht. Der Athlet schafft damit eine diabetische Stoffwechsellage und provoziert das Entstehen eines Typ 2, non dependent diabetes mellitus (NIDDM). Um dieses Problem zu beheben, d.h. die Blutzuckerwerte zu senken, so dass wieder mehr Glucose in die Muskelzellen gelangt, benötigt der Körper eine größere Menge Insulin. In der Schulmedizin weiß man z.B., dass Diabetiker, die das Wachstumshormon verabreicht bekommen, sehr häufig ihre Insulindosis erhöhen müssen, da verschiedene Körperzellen durch das Wachstumshormon eine Insulinresistenz entwickelt haben.

Bodybuilder, die das Wachstumshormon schon seit mehreren Monaten oder gar Jahren regelmäßig injizieren, dürften aller Wahrscheinlichkeit von einer solchen Insulinresistenz betroffen sein. Neben den gesundheutlichen Nachteilen und der nicht optimal ablaufenden IGF-1-Produktion, kann auch die körperliche Leistungsfähigkeit direkt darunter leiden. Die fehlende Glucosezufuhr erlaubt dem Muskel nicht, seine Glyko- genspeicher maximal zu füllen. Insbesondere bei intensiven, kurzzeitigen Belastungsintervallen macht sich dies negativ bemerkbar, was möglicherweise erklärt, weshalb viele Wachstumshormonverwender gerne mit so genannten Pumpübungen, leichten Gewichten und hohen Wiederholungszahlen trainieren. Denn bekanntlich bietet das Wachstumshormon der Muskelzelle hauptsächlich Fettsäuren als Energiequelle, und zwar auf Kosten von Glucose. Fettsäuren sind jedoch bei einem Training von hoher Intensität die weitaus weniger effiziente Energiequelle im Vergleich zu Glucose bzw. Glykogen.

Wird der Insulinbedarf des Körpers durch die Verabreichung von Insulininjektionen gedeckt, kommt es zu einer Art Überkompensation in den Muskelzellen. Das zusätzliche Insulin treibt die vielen Glucosemoleküle aus dem Blutkreislauf in die Muskelzeilen hinein, und die Glykogenspeicher werden bis zum Bersten gefüllt. Gleichzeitig sinkt der erhöhte Blutzuckerspiegel, was für die Gesundheit und das Wohlbefinden des Athleten enorm wichtig ist, und die IGF-1-Produktion in der Leber sowie in den lokalen Muskelzellen bekommt einen gewaltigen Schub.

Sie sehen, liebe Leser, das Polypeptidhormon Insulin hat Bodybuildern einiges zu bieten, wenn es in Verbindung mit dem Wachstumshormon zum Einsatz kommt. Was für viele Diabetiker den Lebensretter bedeutet, ist im Spitzenbodybuilding tragender Bestandteil einer Medikamentenkombination, die der muskulösen Entwicklung des Körper scheinbar keine Grenzen setzt. Doch je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Während die Anwendung von anabolen Steroiden mittlerweile auch im nicht wettkampforientierten Bodybuilding fest verankert ist – ein paar Metandienontabletten pro Tag sowie zwei Testosteroninjektionen die Woche erfordern wahrhaftig keine großen pharmakologischen Vorkenntnisse – so gestaltet sich die Applikation von Insulin weitaus komplizierter und auch riskanter. Wer im Übereifer ein paar Anabolikatabletten zuviel nimmt, erleidet vielleicht eine Magenverstimmung. Athleten, die sich hingegen bei der Insulindosierung verspekulieren, können das Bewusstsein oder im schlimmsten Fall gar ihr Leben verlieren. Die korrekte Anwendung von Insulin erfordert daher vorausschauende Planung und Disziplin.

Zu allererst sohlte der Athlet wissen, dass Insulin derzeit nur durch Injektionen verabreicht wird (Tests für Insulinsprays zum Inhalieren laufen bereits). Der beste Applikationsweg sind subkutane Injektionen, d.h. das Insulin wird direkt unter die Haut der Bauchdecke gespritzt. Hierbei werden spezielle Insulinnadeln mit einem Durchmesser von 0,45mm und einer Länge von 12mm genommen. Dabei kann man unter verschiedenen Insulinherkunftsarten wählen, denn es gibt sowohl Insulinpräparate tierischer Herkunft, wo das Insulin aus Rinder- und Schweinepankreas gewonnen wird, sowie gentechnisch, mittels rekombinanter DNA-Technologie, produziertes Insulin, das im Fachjargon auch „Insulin Human” genannt wird.
Um die Möglichkeit einer Antikörperbildung auszuschließen, verwenden Bodybuilder ausschließlich gentechnisch hergestelltes Insulin. Darüber hinaus wird bei der Auswahl des passenden Insulinpräparates unter drei verschiedenen Wirkungsdauern unterschieden:

1.) Kurzwirksames Insulin mit einer Wirkungsdauer von maximal 8 Stunden.
2.) Intermediär wirksames Insulin mit einer Wirkungsdauer von maximal 24 Stunden.
3.) Langwirksames Insulin mit einer Wirkungsdauer von maximal 36 Stunden.

Wer z. B. ein kurzwirksames Insulin mit einer Wirkungsdauer von 8 Stunden injiziert, kann nicht davon ausgehen, dass die Wirkung von der ersten bis zur letzten Minute konstant ist.

Aus diesem Grund unterteilt man bei allen Insulinpräparaten die gesamte Wikrungsdauer in drei Phasen, das so genannte Wirkungsprofil. Jeder Insulinkonsument muss mit dem Wirkungsprofil seines Präparates unbedingt vertraut sein, andernfalls lassen sich schwerwiegende Fehler bei der Anwendung kaum vermeiden.

1.) Zeitpunkt des Wirkungsbeginns
2.) Zeitraum der maximalen Wirkung
3.) Ende der Wirkung

Das oberste Gebot für Bodybuilder, die Insulin injizieren, ist, dass dessen Wirkung kontrollierbar sein muss. Bei Präparaten mit einem langen Wirkungszeitraum gestaltet sich dies deutlich schwieriger als bei den kurzwirksamen Varianten. So bleiben intermediär- und langwirksame Insuline über 24 bzw. 36 Stunden lang im Körper aktiv. Das Riskante an diesen beiden Insulinvarianten ist, dass deren blutzuckersenkender Effekt aufgrund der langen Wirksamkeit auch nachts, wenn Sie schlafen, existiert. Im Gegensatz zum wachen Zusstand können die Symptome einer Unterzuckerung während des Schlafes jedoch nicht bemerkt werden. Aber auch am Tag kann das Weglassen einer Mahlzeit, das zeitliche Verschieben einer Mahlzeit oder eine plötzliche Änderung der Nahrungsauswahl, z.B. mehr Protein und weniger Kohlenhydrate, zu einem erheblichen Blutzuckerabfall mit den klassischen Symptomen einer Hypoglykämie führen.

Vernünftige Athleten verzichten deshalb von vorneherein auf die Applikation eines langwirksamen als auch intermediären Insulins. Sicherlich mag ein langwirksames Insulinpräparat am bequemsten zu handhaben sein, schließlich ist nur eine einzige Injektion pro Tag erforderlich, aber das Risiko, die Kontrolle über die 24-36 Stunden andauernde blutzuckersenkende Wirkung zu verlieren, ist zu groß. Des weiteren sollte beachtet werden, dass intermediär- und langwirksame Insulin nicht den physiologischen Gegebenheiten des Körpers entsprechen, da sie im Organismus unabhängig vom Bedarf über längere Zeiträume als aktives, aber nicht benötigtes Insulin vorhanden sind. Man vermutet deshalb Zusammenhänge zwischen diesen Insulinvarianten und dem verstärkten Auftreten arteriosklerotischer Veränderungen.

Somit bleibt als beste Wahl die Anwendung eines kurzwirksamen Insulins. Deren Effekt kann am einfachsten kontrolliert werden. Zum einen setzt die Wirkung bereits 30 Minuten nach dem Injizieren ein und zum anderen hält die Wirkung höchstens 5-8 Stunden an. Mit dem Bewusstsein, dass der Haupteffekt der meisten kurzwirksamen Insulin in der Zeit von 2-3 Stunden nach dem Wirkungsbeginn auftritt, bleibt die Nahrungsaufnahme leichter planbar. Der Nachteil sind die kürzeren Injektionsintervalle, d.h. der Athlet muss häufiger zur Spritze greifen. In der Regel werden dabei 2 mal täglich je 10-20 I.E. injiziert. Die erste Injektion von 10-20 I.E. erfolgt am frühen Morgen, direkt vor dem Frühstück, Sofort nach dem Frühstück appliziert der Athlet dann das Wachstumshormon. Das Frühstück sollte 800-1200 Kalorien liefern und 150-200g Kohlenhydrate beeinhalten. Zwei Drittel der Konenydrate sollten von komplexer Natur sein, z. B. Haferflocken, während ein Drittel von simplen Kohlehydraten stammt, wie z. B. Bananen, Trockenfrüchte oder, was sich sehr gut eignet, Apfelmus. Die zweite Injektion von wiederum 10-20 I.E. folgt direkt im Anschluss an das Training. Nun gilt es ausschließlich simple, schnell resorbierbare Kohlehydrate zu verzehren, und zwar je nach der Höhe des Körpergewichts des Einzelnen 100-200g. Ein hervorragender Kohlenhydratspender ist das bereits erwähnte Apfelmus oder auch ein kohlenydrathaltiges Sportgetränk, wie das extrem schnell resorbierbare Vitargo-Pulver. Im Anschluss an diese Mahlzeit injiziert der Athlet abermals das Wachstumshormon. 45-60 Minuten später wird dann eine normale proteinreiche Mahlzeit (50-60g) mit komplexen Kohlenhydraten (70-140g) verzehrt, wie z. B. ein Steak mit Reis und Gemüse.

Die Dauer der Insulinanwendung richtet sich nach der Länge der Wachstumshormonkur. Viele Profis bevorzugen dabei ein Schema von 6 Wochen On/2 Wochen Off. Dabei wird ein kurzwirksames Insulin über einen sechswöchigen Zeitraum täglich 2-3 mal injiziert. Anschließend setzt man mit der Insulinkur für 2 Wochen aus, um sicherzugehen, dass die Bauchspeicheldrüse sowie die insulinproduzierenden Langerhansschen Inseln funktionstüchtig bleiben. Das Wachstumshormon wird allerdings auch in der zweiwöchigen insulinfreien Zeit weiter appliziert.

Was die potentiellen Nebenwirkungen einer Insulinanwendung anbelangt, so dürfen diese von keinem Athleten auf die leichte Schulter genommen werden. Man kann die Nebenwirkungen dabei generell in kurzfristige und langfristige unterteilen. Was die kurzfristigen Nebenwirkungen anbelangt, so sind dies Hypoglykämien, d.h. eine Unterzuckerung, die zumeist das Resultat einer Insulinüberdosierung und/oder falschen Ernährung ist. Die Symptome einer Hypoglykämie reichen von Kopfschmerzen, Heißhunger, Unruhe, Schlaflosigkeit, Zittern, Schweißausbrüchen, Atemnot, Verwirrtheit, Krämpfen bis hin zur Bewusstlosigleit. Als Gegenmittel kommt in der Regel die sofortige Einnahme von Zucker (z, B. Schokolade) bzw. Glucose (Dextrosepulver) in Frage. Da das menschliche Gehirn ausschließlich von Zucker, d. h. Glucose lebt, kann es im allerschlimmsten Fall bei einer extrem starken Unterzuckerung zum Gehirntod kommen.

Eine bei Bodybuildern häufig beobachtete Nebenwirkung von Insulininjektionen sind erhebliche Stimmungs- und Energieschwankungen über den Tag. Diese stammen zumeist daher, dass der Athlet die Kohlenhydratzufuhr, sowohl was die Menge als auch die Zusammensetzung der Kohlenhydratträger anbelangt, nicht optimal auf die Insulinapplikation abgestimmt hat. Die logische Konsequenz sind ausgeprägte Blutzuckerschwankungen innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums mit entsprechend negativer Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden.

Interessanterweise ist die Gefahr einer Hypoglykämie bei Insulin erheblich geringer, wenn dieses Hormon zusammen mit dem Wachstumshormon injiziert wird. Das Wachstumshormonwirkt nämlich hyperglykämisch, d.h. blutzuckererhöhend, was bedeutet dass beide Hormone sich in ihrer Wirkung auf den Blutzuckerspiegel etwas ausbalancieren. Dennoch sollte dies nicht als Garantie für das vollständige Ausbleiben einer Unterzuckerung bei Insulininjektionen verstanden werden. Wer Insulin injiziert, sollte vorsichtshalber immer etwas Traubenzucker oder einen Schokoriegel in greifbarer Nahe halten.
Die langfristigen Nebenwirkungen bei Insulin sind zumeist das Resultat eines monate- oder gar jahrelangen Insulinüberschusses im Körper. Insbesondere Depotinsuline, d. h. langwirksame Insuline, scheinen für das Auftreten von erhöhten Blutfettwerten, Arteriosklerose und Herzinfarkten verantwortlich zu sein. Weiterhin führt ein ständiges Insulinüberangebot zu Veränderungen an den kleinsten Gefäßen in der Niere, was die Nierenfunktion allmählich beeinträchtigt. Ähnliches gilt für das Auftreten von Akkomodationsstörungen des Auges. Ein hoher Insulinspiegel im Blut führt zu Veränderungen an den Gefäßen der Netzhaut, was häufig gut sichtbar ist. Es kommt zu einer Netzhautverkrümmung und die Pupille beginnt zu wandern. Dies kann zur Beeinträchtigung des Sehvermögens führen und im schlimmsten Fall gar eine Erblindung hervorrufen.

Die wohl größte Sorge vieler Bodybuilder ist sicherlich, ob man als gesunder Mensch, d.h. Nichtdiabetiker, durch den exogen Gebrauch von Insulin letztendlich das Entstehen eines Diabetes im eigenen Körper heraufbeschwört. Fakt ist, dass ein ständiger Insulinüberschuss (Hyperinsulinämie) eine Insulinresistenz der Insulinrezeptoren an der Zellmembran hervorrufen kann. Es gibt eine Reihe von wissenschaftlich begründeten Anhaltspunkten, die dafür sprechen, dass eine solche Insulinresistenz der Rezeptoren von dauerhafter Natur ist. Das bedeutet, der Athlet hat durch seine Insulinselbstmedikation einen Non-Insulin-Dependent-Diabetes NIDDM des Typ 2, auch Altersdiabetes genannt, geschaffen. Die unangenehme Konsequenz lautet dann, dass orale Antidiabetika eingenommen werden müssen. Aber auch eine permanente Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse kann nicht ausgeschlossen bleiben. Injiziert der Athlet hohe Insulinmengen über einen Zeitraum von mehreren Jahren, wie es im Profibodybuilding gang und gebe ist, so kann dies zu einem Funktionsverlust der Bauchspeicheldrüse führen. Sollte dies der Fall sein, dann hat der Athlet das Stadium eines insulinpflichtigen Diabetes des Typ 1 kreiert, d. h. er muss für den Rest seines Lebens auf Insulininjektionen zurückgreifen. Um diese Gefahr gering zu halten, injizieren erfahrene Bodybuilder das Insulin in dem bereits genannten 6 Wochen On/2 Wochen Off Schema.

Dosierung und Einnahme

Insulin sollte optimalerweise ausschließlich bei einer gleichzeitigen Wachstumshormonanwendung zum Einsatz kommen. Anfänger verwenden weder Insulin noch Wachstumshormon.

Fortgeschrittene Athleten bzw. Hobbybodybuilder, die das Wachstumshormon bereits seit einiger Zeit applizieren, verwenden Insulin nach folgendem Schema: Ein- bis zweimal täglich erfolgt eine Injektion mit einem kurzwirksamen Insulin. Die hierbei verwendete Menge liegt im Bereich zwischen 10 und 20 I.E. Die Anwendung erfolgt in der Regel am Morgen mit dem Frühstück und/oder direkt nach dem Training, jeweils gefolgt von einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit. Bewährt hat sich ein On-/Off-Schema, bei dem Insulin über 6 Wochen verwendet und danach mit der Gabe für 2 Wochen ausgesetzt wird, um die Bauchspeicheldrüse ein wenig zu entlasten. Wichtig ist, dass die Insulininjektion zeitlich mit der Wachstumshormoninjektion überlappt. Des weiteren wird auf die entsprechende Kohlenhydratzufuhr geachtet. Die Länge der Insulinkur richtet sich nach der Dauer der Wachstumshormonanwendung. Zum Masseaufbau werden außerdem noch 500-750mg Testosteron Enantat pro Woche injiziert.

Wettkampfathleten auf nationalem Niveau und insbesondere Profibodybuilder verwenden Insulin regelmäßig in Verbindung mit dem Wachstumshormon. Hier werden 2-3 mal täglich je 10-20 I.E. kurzwirksames Insulin appliziert. Zumeist geschieht dies morgens mit der ersten Tagesmahlzeit sowie nach dem Training in jeweils zeitlicher Nähe mit einer Wachstumshormoninjektion. Nicht selten kommt es noch zu einer dritten Tagesinjektion, insbesondere in der Masseaufbauphase. Hier wird außerdem die wöchentliche Menge von 1000-2000mg Testosteron Enantat oder Cipionat hinzugestackt und das 6 Wochen On/2 Wochen Off Schema angewendet.

Frauen verwenden Insulin nur selten, und wenn, dann ebenfalls nur in Kombination mit dem Wachstumshormon. Da weder das Insulin noch das Wachstumshormon androgen wirken und somit Virilisierungserscheinungen nicht auftreten, bietet sich ambitionierten Bodybuilderinnen hier sicherlich eine interessante Alternative zur puren Verwendung von anabolen/androgenen Steroiden. Wenn zur Wachstumshormon- Insulin-Kombination noch eine kleine Dosis an Steroiden hinzukommt, so hat die Frau einen hochpotenten muskelaufbauenden und fettverbrennenden Medikamentencocktail. 1-2 tägliche Injektionen zu je 5-20 I.E. eines kurzwirksamen Insulins, zusammen mit zwei täglichen Injektion zu je 1 I.E. Wachstumshormon sowie 50-100mg Boldenon Undecylenat die Woche verschaffen Frauen erfahrungsgemäß fantastische Aufbauresultate.

Absetzen

Ein spezielles Absetzprogramm existiert beim Insulin nicht. Lediglich die Auszeiten bei längerfristiger Anwendung werden von Athleten zur Minimierung von späteren Langzeitfolgen eingehalten.

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