Wachstumshormon, STH, HGH und Somatropin

„Wachstumshormon”, „STH“, „HGH“, „Somatropin“ – egal wie man diesen Wirkstoff nennt, ihn umgibt immer noch etwas Mystisches. Keiner anderen Substanz wird mehr Muskelwachstum nachgesagt und bei kaum einem anderen Hormon besteht mehr Aufklärungsnot.

Das Wachstumshormon konnte erstmalig in den fünfziger Jahren aus den Hypophysen von verstorbenen Personen isoliert werden. Das medizinische Einsatzgebiet hat sich seitdem nicht verändert, es wurde damals wie heute bei Zwergwuchs verschrieben, einer Krankheit, bei der nicht ausreichend Wachstumshormon gebildet wird und der Körper das Längenwachstum sowie die Muskelentwicklung vorzeitig einstellt. Die Extraktion von Wachstumshormon aus menschlichen Hypophysen musste 1984 aufgegeben werden, als Fälle von Wachstumshormonverwendern bekannt wurden, die an der Creutzfeld-Jakob-Krankheit verstorben sind. Nach einer eingehenden Untersuchung lernte man, dass der tödliche Erreger tatsächlich durch die Behandlung mit infiziertem menschlichem Wachstumshormon weitergegeben wurde.

Doch für weiteren Wachstumshormonnachschub war bereits gesorgt, da zu diesem Zeitpunkt die Wissenschaft schon in der Lage war, das Wachstumshormon gentechnisch auf synthetische Weise herzustellen. Allerdings gab es auch hier Komplikationen. Antikörperreaktionen durch Verunreinigungen und die nicht hundertprozentig identische Aminosäurenstruktur zwischen synthetischem und natürlichem Wachstumshormon stellten die Wissenschaftler anfangs noch vor Rätsel, bis dem weltweit bekannten Pharmaunternehmen „Lilly” kurz darauf der Durchbruch gelang und das erste, dem menschlichen Wachstumshormon identische, Präparat namens „Humatrope” seinen Weg auf den Markt fand. Noch heute zählt Humatrope zu den bekanntesten und am meisten verwendeten Wachstumshormonprodukten.

Doch worum genau handelt es sich beim Wachstumshormon und was bewirkt es? Das Wachstumshormon ist ein natürliches Polypeptidhormon, bestehend aus 191 Aminosäuren, und wird im Hypophysenvorderlappen bei entsprechenden Reizen, wie beispielsweise intensiver Belastung, Schlaf, Stress und niedrigem Blutzuckerspiegel, gebildet. Es zeigt einen positiven Einfluss auf das Muskelwachstum, die Regeneration, die Fettverbrennung, die Gelenke, die Körperkraft und das Zellalter. Nicht zu Unrecht wird es als „Jugendhormon” bezeichnet, schließlich nimmt die natürliche Wachstumshor-monproduktion ab dem zwanzigsten Lebensalter stetig ab. Schätzungsweise verringert sich die körpereigene Wachstumshormonproduktion um jeweils rund 15% innerhalb von zehn Jahren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Großteil aller Sechzigjährigen nur noch rund 25% der natürlichen Menge produziert, was in direkter Verbindung mit körperlichem und geistigem Verfall steht. Deshalb lassen sich immer mehr bekannte Stars in sogenannten „Verjüngungstherapien” („Anti Aging”) das Wachstumshormon injizieren und profitieren von gesteigerter Muskelmasse und Vitalität, verbesserter physischer und psychischer Leistungskraft, erhöhter Libido und sexuellem Interesse, reinerer und strafferer Haut und somit einem jüngeren Aussehen und Körpergefühl. Doch für Sportler ist vorrangig der propagierte muskelauf- und fettabbauende Effekt von Interesse.

Seinen Einzug in die Bodybuildingkreise fand das Wachstumshormon Anfang der achtziger Jahre. Wer sich z.B. die Mühe macht und die Körper der Mr. Olympia-Teilnehmer Ende der siebziger Jahre mit denen der Jahre 1981-1984, also den Anfangsjahren des Wachstumshormons im Profibodybuilding, vergleicht, der wird gewaltige Unterschiede feststellen. Die Bodybuilder der frühen achtziger Jahre waren plötzlich sichtbar schwerer, muskelbepackter sowie erheblich definierter bei weitaus besserer Muskeldichte als ihre Kollegen in den späten Siebzigern. Auffallend ist auch, dass die meisten Profis in den siebziger Jahren nur eine unterdurchschnittliche Bein- und Wadenentwicklung bei mäßiger Muskelteilung hatten, während Anfang der achtziger Jahre volle, gutentwickelte und sauber geteilte Quadrizepse sowie melonenförmige Beinbizepse mehr und mehr auf Profibühnen auftauchten. Dieser, für die damalige Zeit gigantische Entwicklungssprung, hatte nichts mit anabolen Steroiden zu tun, deren Gebrauch reichte ohnehin bis in die fünfziger Jahre zurück, sondern beruhte auf der aufkommenden Verwendung des Wachstumshormons. Selbiger Trend setzte sich dann über die gesamten achtziger Jahre hinweg, die Athleten wurden massiver und massiver bei immer besserer Muskelzeichnung, bis Anfang der neunziger Jahre eine weitere Masseexplosion durch die kombinierte Verwendung von Wachstumshormon und Insulin erfolgte.

Im Prinzip kann man sagen, dass das Wachstumshormon zu den stärksten und wirksamsten anabolen und lipolytischen Hormonen zählt, die Bodybuildern zum Muskelauf- und Fettabbau zur Verfügung stehen. Keine anaboles Steroid reicht an das muskelbildende Wirkpotential des Wachstumshormons heran. Egal ob es sich um einen fortgeschrittenen Bodybuilder oder einen Profiathleten handelt, das Wachstumshormon wird das muskuläre Erscheinungsbild des Körpers wie kaum ein anderes Hormon positiv beeinflussen. Wer mit dem Wachstumshormon richtig umzugehen weiß, d.K Bodybuilder, die über die korrekte Anwendung des Wachstumshormons informiert sind, schwärmt von den Resultaten. Wer hingegen das Wachstumshormon verwendet, aber keine so richtige Ahnung hat was er tut, der wird häufig mit enttäuschenden Ergebnissen abgestraft. Der Grund ist, dass das Wachstumshormon ein sehr komplexes Hormon ist und auf verschiedenen Ebenen arbeitet, wobei es jeweils auf die Hilfe eines anderen Hormons angewiesen ist, um seine volle Wirkung zu entfalten. Um dem Leser dies besser verständlich zu machen, und sicherzustellen, dass nach der Lektüre dieses Buches keine Fragen mehr offen sind, wollen wir dieses Kapitel etwas ausführlicher gestalten und dabei in verschiedene: Abschnitte unterteilen:

1.) Wirkungsweise des Wachstumshormons
2.) Muskelaufbauende Effekte des Wachstumshormons
3.) Lipolytische Wirkungen des Wachstumshormons
4.) Wachstumshormon und anabole Steroide
5.) Wachstumshormon und Schilddrüsenhormone
6.) Wachstumshormon und Insulin
7.) Anwendung des Wachstumshormons
8.) Nebenwirkungen des Wachstumshormons

1. Wirkungsweise des Wachstumshormons

Was die Wirkungsweise des Wachstumshormons anbelangt, so wollen wir diese ausschließlich unter bodybuildingspezifischen Gesichtspunkten betrachten. Interessant ist hierbei zu wissen, was im Körper nach einer Injektion des Wachstums-hormons abläuft, denn nur so lernt der Athlet die verschiedenen Ebenen zu verstehen, auf denen das Somatotrope Hormon arbeitet. Während anabole Steroide tief intramuskulär appliziert werden, wird das Wachstumshormon für gewöhnlich subkutan, d.h. mit feinen Insulinnadeln direkt unter die Bauchdecke injiziert. Dies hat den Vorteil, dass der Wirkstoff sehr schnell in die Blutbahn gelangt. Bereits nach nur 10 Minuten lassen sich erhöhte Somatropinwerte im Blut messen, die stetig ansteigen, bis nach 4-6 Stunden die maximalen Blutspiegelwerte erreicht sind. Gleichzeitig aber hat das Somatropin nur eine Halbwertzeit von 20-30 Minuten im Blut, d.h. die jeweilige Menge an Somatropin, die aufgrund einer Wachstumshormoninjektion ins Blut gelant, ist bereits 20-30 Minuten später zu 50% wieder aus dem Blut verschwunden. Der verbliebene Rest kumuliert im Blut, bis nach 4-6 Stunden die schon angesprochenen maximalen Blutspiegelwerte an Somatropin erreicht sind.

Somit stellt sich die Frage, was eigentlich mit den 50% des Somatropins, das innerhalb einer halben Stunde schon wieder aus dem Blut abgebaut ist, passiert. Der größte Teil der im Blut befindlichen Somatropinmoleküle wandert direkt zur Leber, wo diese sich über die reichlich vorhanden Wachstumshormonrezeptoren Eintritt in das Lebergewebe verschaffen. Dort beginnt das Wachstumshormon mit der Bildung von Somatomedinen. Für Bodybuilder ist ausschließlich das Somatomedin C, auch „Insulinähnlicher Wachstümsfaktor 1″ (IGF-1) genannt, interessant, da dieser Stoff letztendlich für den Muskelzuwachs und Fettabbau hauptverantwortlich ist.

Das Problem, das sich die Leber ausgesetzt sieht, ist, dass sie nicht einfach mal so IGF-1 bilden kann, nur weil etwas Wachstumshormon vorhanden ist. Zur Produktion von IGF-1 benötigen die Leberzeden neben dem Wachstumshormon nämlich noch drei weitere Hormone: 1.) Das männliche Sexualhormon Testosteron, 2.) das in der Bauchspeicheldrüse hergestellte Polypeptidhormon Insulin und 3.) das T3-Schilddrüsenhormon Liothyronin.

Bodybuilder, die das Wachstumshormon injizieren, konfrontieren die Leber plötzlich mit einer ungewohnt großen Menge an diesem Hormon. Folglich existieren zwei Möglichkeiten. Entweder der Athlet sorgt dafür, dass der Leber ebenfalls vermehrt Testosteron, Insulin und Liothyronin zur Verfügung steht, so dass die Leberzellen ein Maximum an muskelbildendem IGF-1 produzieren können, oder sie verzichten auf die additive Zufuhr dieser wichtigen Beihormone, und die IGF-1 – Bildung, und dementsprechend der Muskelzuwachs, fallen nicht optimal aus. Selbst die Hersteller von Wachstumshormonpräparaten weisen in ihren Produktbeipackzetteln sowie in den etwas ausführlicheren Fachinformationen darauf hin, dass bei Wachstumshormontherapie der körperliche Bedarf an Anabolika, Androgenen, Insulin und Schilddrüsenhormon steigt. Im Profibodybuilding wird das Wachstumshormon deshalb fast immer in Verbindung mit anabolen/androgenen Steroiden, Insulin sowie einem T3-Schilddrüsenhormon angewendet.

Wer alles richtig macht, d.h. ausreichend Beihormone bereitstellt, dessen Leber wird im Anschluss an eine Wachstumshormoninjektion eine optimale Menge an IGF-1 bilden und in den Blutkreislauf abgeben. Im Blut wird das IGF-1 sofort an Trägerproteinkomplexe, den sogenannten IGF-Bindungsproteinen (IGFBP), gebunden. Diese Bindungsproteine, von denen es sechs verschiedene gibt, regulieren die Wirkung sowie die Bioverfügbarkeit des IGF. Für unser IGF-1 ist in erster Linie das IGFBP-3 verantwortlich, das ca. 90% aller IGF- 1-Moleküle im Blut an sich bindet. Der Grund, weshalb IGF-1 im Blut an das IGFBP-3 gebunden wird, ist, dass sich die Wirkungsdauer des IGF-1 dadurch erheblich verlängert. Die Halbwertzeit von ungebunden IGF-1 liegt bei nur wenigen Minuten, während dies bei gebundenem IGF-1 immerhin 16 Stunden sind. Interessanterweise reguliert das Hormon Insulin das Bindungsverhalten zwischen IGF-1 und IGFBP-3. Ein niedriger Insulinspiegel führt zu einer reduzierten Zahl an IGFBP-3 im Blut, was bedeutet, dass mehr IGF-1 ungebunden vorliegt und mit dem Insulinrezeptor kreuzreagiert, wodurch die muskelaufbauende Wirkung teilweise verloren geht, da weniger IGF-1-Moleküle für die Muskelzelle zur Verfügung stehen. Im Prinzip kann man sagen, dass Insulin dafür sorgt, dass das IGF-1 nicht seiner insulinähnlichen Wirkung nachkommt, sondern seine wachstumsfördernden, muskelaufbauenden Eigenschaften erfüllt. Ein weiterer Punkt der unterstreicht, weshalb exogenes Insulin für die maximale Wirkung des Wachstumshormons so bedeutsam ist (siehe auch entsprechendes Profil).

Lange Zeit ging man davon aus, dass die Leber der einzige Ort im Körper ist, wo das Wachstumshormon die Bildung von IGF-1 anregt. Mittlerweile weiß man aber, dass auch die Muskelzellen selbst über Wachstumshormonrezeptoren verfügen und an Ort und Stelle IGF-1 bilden. Voraussetzung ist natürlich, dass den Muskelzellen, ähnlich wie den Leberzellen, ausreichend Testosteron, Insulin und Schilddrüsenhormon zur Verfügung stehen. Das wirklich bemerkenswerte und für Bodybuilder phänomenale ist, dass das in der Muskelzelle produzierte IGF-1 nun als Zellwachstums- und vor allem als Zellteilungsfaktor wirkt, und zwar zum einen lokal auf Nachbarzellen (parakrin) und zum anderen direkt auf die eigene Zelle (autokrin). Auf gut deutsch bedeutet dies, dass das in einer Muskelzelle gebildete IGF-1 nicht nur das Wachstum und die Teilung genau dieser Zelle bewirkt, sondern auch der Nachbarzellen. Steroide hingegen führen lediglich zu einem Wachstum der Muskelzelle, nicht aber zu einer Teilung. Näheres erfährt der Leser in dem Abschnitt 2.)

Zu guter Letzt besitzt das Wachstumshormon auch eine direkte, nicht durch IGF-1 vermittelte Wirkung auf die Skelettmuskulatur und die Fettzellen. Wissenschaftliche Studien bescheinigen dem Wachstumshormon einen eigenständigen anabolen und lipolytischen Effekt. Bereits kurz nach einer Wachstumshormoninjektion lässt sich ein gesteigerter Aminosäurentransport in die Muskelzellen beobachten sowie ein erhöhtes Aufkommen an freien Fettsäuren im Blut, ohne dass es zu den für IGF-1 charakteristschen Vorgängen wie z.B. einer vermehrten Glucoseaufnahme kommt. Man nennt dies den sogenannten Soforteffekt des Wachstumshormon, bei dem innerhalb kürzester Zeit anabole Vorgänge ausgelöst werden, die die Proteinsynthese stimulieren. Erst einige Stunden später kommt der zweite, länger andauernde Effekt, der auf der Produktion von IGF-1 beruht. Dieser Zweiteffekt ist dann für die weiteren Wirkungen in der Muskelzelle verantwortlich.

Dem Leser wird im Zuge dieser Ausführungen sicherlich klar geworden sein, dass eine erfolgreiche Wachstumshormonanwendung mehr bedeutet, als das bloße Injizieren dieses Hormons. Dafür ist die Wirkungsweise des somatotropen Hormons viel zu komplex. Ganz entscheidend wird sein, wie weit es dem Anwender gelingt, die Leber- und Muskelzellen zur Produktion von IGF-1 zu stimulieren. Nicht zu Letzt aus diesem Grund wird man langfristig um den gleichzeitigen Einsatz von Testosteroninjektionen, Insulin und Schilddrüsenhormon nicht herum kommen. Im nachfolgenden Abschnitt werden wir uns mit den muskelaufbauenden Effekten des Wachstumshormons auseinandersetzen, d.h. wir lernen die Vorzüge des Wachstumshormons auf den Muskelaufbau kennen.

2. Muskelaufbauende Effekte des Wachstumshormons.

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ist der erste Schritt, mit dem das Wachstumshormon nach einer Injektion einen Einfluss auf die Muskelzellen zu nehmen beginnt, eine Vergößerung des intramuskulären Zellvolumens. Das bedeutet dass zu Beginn erheblich mehr Wasser in die Muskelzelle diffusiert, was das Muskelzellvolumen vergrößert und so den notwendigen Platz in der Muskelzelle für eine spätere Proteineinlagerung schafft. Studien haben ergeben, dass der Anstieg des Körpergewichts in den ersten beiden Wochen einer Wachstumshormonapplikation fast ausschließlich auf einer Erhöhung des Wassergehalts im Körper beruht. Diese Änderung im Wassergehalt, der eine verstärkte Natrium- retention zu Grunde liegt, ist ein durch das Wachstumshormon und IGF-1 gesteuerter Mechanismus, der anfangs das intramuskuläre Muskelzellvolumen vergrößert und so die Voraussetzungen für die anabolen Vorgänge schafft, die einer längeren Anwendung folgen. Dies erklärt auch, weshalb Wachstumshormonverwender zu Beginn ihrer Kur eine teilweise enorme Wasserspeicherung erfahren.
Wichtig ist jedoch hier bei der Stange zu bleiben und sich davon nicht irritieren zu lassen, da sich die Wasserspeicherung nach den ersten 2-3 Wochen langsam legt und ein echtes Muskelwachstum nach und nach eintritt. Das Ausmaß dieser initialen Wasserspeicherung ist im Übrigen eng mit de’ Höhe der Dosierung verbunden. Informierte Athleten wissen dies, starten mit maximal 2 I.E. pro Tag und erhöhen die Dosis dann langsam über mehrere Tage bis hin zum gewünschten Maximum.
Die sogenannte richtige muskelaufbauencle Wirkung des Wachstumshormons tritt nach ca. 2-3 Anwendungswochen in Kraft, wenn im Körper erhöhte Stickstoffwerte gemessen werden können. Da Stickstoff Protein bzw. Aminosäuren 31 sich bindet, ist der Stickstoffgehalt im menschlichen Organismus ein vorzüglicher Parameter zur Messung der Höhe des im Körper ablaufenden Muskelaufbaus. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass die Stickstoffretention beim Wachstumshormon enorm stark ausgeprägt ist und dabei auf zwei Mechanismen beruht. Zum einen ist dies die anabole Wirkung des Wachstumshormons, wo es zu einem deutlich gesteigerten intrazellulären Transport von Aminosäuren sowie zu einer Stimulierung der Proteinbiosynthese kommt. Wird das Wachstumshormon appliziert, sinkt der Gehalt an Aminosäuren im Blut rapide ab, da diese nun verstärkt aus dem Blut in die Muskelzellen transportiert werden. Inder Muskelzelle selbst aktiviert das Wachstumshormon die Proteinbiosynthese, d.h. die eingeschleusten Aminosäuren werden in kontraktiles Muskelprotein eingebaut.

Eine proteinreiche Ernährung stellt hierbei eine wichtige Grundlage dar, da die anabole, muskelaufbauende Wirkung des Wachstumshormons um so ausgeprägter verläuft, je höher die Proteinzufuhr ist. Bodybuilder, die mit dem Wachstumshormon einen größtmöglichen Muskelzuwachs anstreben, tun gut daran, ihren täglichen Proteinkonsum auf mindestens 300-400 Gramm anzuheben. Eine ideale Faustregel wäre die Zufuhr von 4g Protein pro Kilogramm/ Körpergewicht pro Tag. Ein 90 kg schwerer Athlet sollte demnach täglich mindestens 360g Protein verzehren, wobei der Hauptteil aus tierischen Quellen wie rotem Fleisch, Geflügel, Fisch, Milchprodukten und Eiern zu stammen hat. Der Athlet sollte im Zweifelsfall lieber mehr Protein als zu wenig konsumieren, da ein möglicher Proteinüberschuss vom Wachstumshormon generell in die Muskelzellen umgeleitet wird und nicht als Körperfett deponiert wird. Teilen Sie dabei Ihre Protein- und Gesamtkalorienzufuhr auf sechs, in etwa gleichgroße, Tagesmahlzeiten auf.

Der zweite Mechanismus – neben der geschilderten anabolen Wirkung – durch den das Wachstumshormon den Stickstoffgehalt im Körper erhöht und damit Muskeln aufbaut, besteht in einer verminderten Proteolyse. Das Wort Proteolyse ist der von medizinscher Seite verwendete Fachbegriff für Proteinabbau. Man spricht hier auch von der antikatabolen Wirkung des Wachstumshormons, was bedeutet, dass das Wachstumshormon den Abbau von Muskelprotein erschwert bzw. .völlig verhindert. Das Interessante hierbei ist, dass dieser muskelerhaltende Effekt des Wachstumshormons auf Kosten von fettsäuren abläuft. Anstatt in Stressperioden wie einer Diät oder bei zu häufigem und zu intensiven Trainings die notwendige Energie durch den Abbau von Muskelprotein zu gewinnen, veranlasst das Wachstumshormon anstatt dessen die Verbrennung von Körperfett. Es kommt zu einem verstärkten Abbau von freien Fettsäuren in die Blulbdhn, die dann wiederum vom Körper genutzt werden, um sein Energiedefizit auszugleichen, während die Proteinvorräte intakt bleiben. Aus diesem Grund ist das Wachstumshormon in der Diätphase für einen Wettkampf so unentbehrlich. Es baut Körperfett ab wie keine zweite Substanz (DMP einmal außen vorgelassen, siehe hierzu auch entsprechendes Profil) und konserviert hart erarbeitete Muskelmasse bzw. erlaubt oftmals gar den Aufbau von neuem, zusätzlichen Muskelgewebe (siehe dazu auch Abschnitt 3. Lipolytische Wirkungen des Wachstumshormons). Da das Wachstumshormon außerdem den katabolen Effekt von Cortisol auf die Muskelzellen blockiert, verzeiht dieses Hormon auch schlimmste Trainingsfehler. Athleten, die im Training gerne zu viel des Guten tun, werden mit den Wachstumshormon trotzdem weiter Muskeln und Kraft aufbauen, da ein Übertraining der Muskulatur bei einer Wachstumshormongabe kaum auftritt.

Diese beiden beschriebenen Mechanismen des Wachstumshormons, anabole und anti-proteolytische Wirkung, resultieren in einer Hypertrophie der Muskeln, d.h. die Muskelfasern erfahren ein Dickenwachstum. Ein Vorgang, den wir ebenfalls von anabolen Steroiden kennen, wenngleich auch deren hypertrophe Wirkung nicht an die des Wachstumshormon heranreicht. Was das Wachstumshormon jedoch völlig einzigartig macht und von Steroiden klar abhebt, ist seine mitogene, zellteilende Wirkung. Das Wachstumshormon bewirkt nämlich auch eine Zunahme der Muskelmasse durch Anregung der Kernteilung der Muskelzelle mit entsprechender Erhöhung des Gehalts an DNA. Während dem Muskelwachstum bei einer reinen Hypertrophie wie unter Steroiden klare Grenzen gesetzt sind – eine Muskelfaser kann sich nur begrenzt verdicken, da ihr von der Natur aus durch das Verhältnis von Zellgröße und Kerngröße, der sogenannten Kern- Plasma-Relation, enge Grenzen gesetzt sind. Ist die Muskelfaserderart in die Breite hypertrophiert, dass bei einer weiteren Dickenzunahme nicht mehr sämtliche Muskelfaserabschnitte mit Nährstoffen aus dem Blut versorgt werden können, dann ist das Ende des Muskelwachstums erreicht. Selbst eine deutliche Erhöhung der Steroiddosierung vermag daran nichts zu ändern. Die Muskelzelle hat ihre maximale Größe erreicht.

Wird das Wachstumshormon verabreicht, so lässt sich ein Phänomen beobachten, die Muskelzelle beginnt sich zu teilen. Ein Teil der zu dick gewordenen Muskelfaser wird abgespalten, so dass quasi zwei neue, dünnere Muskelfasern entstehen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Hyperplasie, d.h. Vermehrung de’ Muskelfasern. Aus einer großen Muskelzelle werden zwei kleinere. Das Entscheidende ist, dass die beiden neu entstandenen Muskelzellen nun ihrerseits in die Breite wachsen (hypertrophieren) können. Die Grenzen des Muskelwachstums werden somit völlig neu ausgelotet. Fakt ist, dass das Wachstumshormon sowohl eine Hypertrophie als auch Hyperplasie der Muskelzellen hervorruft. Erst bringt das somatotrope Hormon die Zelle zum Wachsen, um dann, bei entsprechender Zellgröße, diese zu teilen und anschließend stimuliert es das Wachstum der beiden neu entstandenen Zellen. Erfolgt die Wachstumshormonanwendung über einen längeren Zeitraum bei ausreichend hoher Dosierung, so wiederholt sich dieses Phänomen mehrfach.

Die mitogene, zellteilende Wirkung des Wachstumshormons wird übrigens durch das IGF-1 vermittelt. In der wissenschaftlichen Literatur wird IGF-1 läufig auch als Mitogen bezeichnet. Ein weiterer Grund, weshalb Bodybuilder bei einer Wachstumshormongabe unbedingt sicherstellen müssen, dass der Körper alle notwendigen Beihormone zur Verfügung hat, um ein Maximum an IGF-1 produzieren zu können.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Wachstumshormon nicht nur das Muskelwachstum während einer Aufbaukur enorm beschleunigt, sondern bei entsprechend langem Gebrauch einen Entwicklungsstand ermöglicht, der mit Steroiden allein auch nicht nur annähernd erreicht werden kann. Das Wachstumshormon ist das einzige Hormon, dass es selbst ektomorphen Athleten, sprich sogenannten Hardgainern, ermöglicht, einen verhältnismäßig massiven Körper aufzubauen, der dann die Chance hat, zumindest bei einer Landesmeisterschaft auf der Bühne zu bestehen. Mesomorphe Körpertypen werden mit dem Wachstumshormon ohne weiteres auf nationales Niveau vordringen können, bei entsprechender Veranlagung sowie der Zugabe von Insulin auch bis in den Profibereich. Wer meint, er könne dies mit dem bloßen Einsatz von anabolen Steroiden schaffen, lebt in einer Traumwelt. Nichts, aber auch gar nichts, kommt an die muskelaufbauende Wirkung des Wachstumshormons heran.

3. Lipolytische Wirkungen des Wachstumshormons

Die Lipolyse (Fettabbau) war die erste beim Menschen beschriebene und in der wissenschaftlichen Literatur dokumentierte Stoffwechselwirkung des Wachstumshormons. Lange Zeit ging man davon aus, dass Somatropin ausschließlich das Knochenwachstum stimuliert. In den fünfziger Jahren entdeckte man dann, dass das Wachstumshormon auch maßgeblich für die Zusammensetzung des Körpergewebes verantwortlich ist. Das Wachstumshormon ist mit dem Fettgewebe durch eine Reihe von Stoffwechselaktivitäten eng verknüpft, die im Fachjargon Wachstumshormon-Fettzyklus genannt werden. Da die Fettzelle über reichlich Wachstumshormonrezeptoren verfügt, stellt sie eine der Hauptangriffsziele des somatotropen Hormons dar.

Wird das Wachstumshormon injiziert, so gehen die im Blutstrom umherschweifenden Wachstumshormonmoleküle mit den Wachstumshormonrezeptoren der Fettzellen eine Verbindung ein und bilden einen Rezeptor-Molekül-Komplex. Bei dieser Interaktion zwischen Rezeptor und Molekül übermittelt das Wachstumshormonmolekül der Fettzelle die Information, Triglyceride abzubauen. Die in den Fettzellen enthaltenen Triglyceride werden nun in ihre Bestandteile – freie Fettsäuren (FFS) und Glycerol (ein Alkohol) – aufgespalten und in einem Verhältnis von drei FFS-Molekülen zu einem Glycerol-molekül (FFS:Glycerol, 3:1) in den Blutstrom abgegeben. Das Ergebnis zeigt sich in einem Schrumpfen der Fettzelle. Diese Wirkung läuft im übrigen unabhängig von einer IGF-1 Produktion ab, da sie auf dem direkten Wachstumshormoneffekt beruht.
Interessanterweise findet man nach der Gabe von Wachstumshormon ein FFS/Glycerol-Verhältnis von 14:1 im Blut vor.

Diese Tatsache erlaubt den Schluss, dass das somatotrope Hormon nicht nur den Abbau von Fett erwirkt, sondern gleichzeitig auch den Aufbau von Fett, sprich das Wachstum der Fettzelle blockiert. Die Verringerung der Fetteinlagerung im Körper beruht darauf, dass das Wachstumshormon die Aufnahme von im Blutkreislauf befindlichen und aus Nahrungsfetten stammenden Fettsäuren in die Fettzellen verhindert. Auch dieser Punkt verläuft nicht über die IGF-1 Schiene, sondern ist das direkte Resultat des Wachstumshormons.

Die Langzeitanwendung des Wachstumshormons resultiert außerdem in einer erhöhten Resistenz der Fettzellen gegenüber Insulin. Dies bedeutet, dass das Wachstumshormon die Fähigkeit der Fettzellen, auf das Hormon Insulin zu reagieren herabsetzt. Es kommt zu einer Insulinresistenz der Fetttzellen, mit der Folge, dass das Insulin kaum noch Glucosemoleküle aus dem Blutkreislauf in die Fettzellen transportieren kann, um diese dort in Form von Triglyceriden einzulagern. Das Wachstumshormon verhindert somit einen Fettaufbau durch Insulin. Dies erklärt auch, weshalb eine kombinierte Anwendung von Wachstumshormon und Insulin zu keinem Fettaufbau führt, während die isolierte Applikation von Insulin mit teilweise erheblichen Fettaufbauraten verbunden ist.

Bis noch vor knapp einem Jahrzehnt unterlag man der Falschannahme, dass der fettabbauende Effekt des Wachstumshormons ausschließlich auf seiner direkten Wirkung auf die Fettzelle zurückzuführen ist. Heute weiß man hingegen, dass das aus Wachstumshormon gebildete IGF-1 ganz wesentlich zum Fettabbau beiträgt. Aufgrund seiner insulinähnlichen Wirkung kann IGF-1 mit den Insulinrezeptoren der Fettzellen eine Verbindung eingehen und dabei das Andocken von Insulin durch die Blockade der Insulinrezeptoren verhindern. Da IGF-1 in den Fettzellen eine nur knapp 5%ige biologische Wirkung des Insulins besitzt, beschleunigt dies den Fettabbau ungemein. Das potentiell stark fettaufbauende Hormon Insulin wird durch IGF-1 vor den Toren der Fettzellen sprichwörtlich ausgebremst. Ein weiterer Grund, weshalb Bodybuilder, die das Wachstumshormon mit Insulin kombinieren, sich über einen Fettzuwachs überhaupt keine Gedanken machen müssen,

Sehr positiv ist ebenfalls der Fakt zu bewerten, dass die fettabbauende Wirkung des Wachstumshormons bei regelmäßi- 1 ger Anwendung über einen langen Zeitraum erhalten bleibt Neben seinen vielen anderen Vorteilen, ist dieser Aspekt des Wachstumshormons von Bodybuildern speziell in der Aufbauphase hochgeschätzt. Um schnellstmöglich Muskelmasse zu gewinnen, bedarf es einer hyperkalorischen Diät die reich an Protein ist. Während Bodybuilder, die in der Masseperiode ausschließlich anabole Steroide verwenden, oft auch eine nicht unerhebliche Menge an Körperfett zulegen, kommt es unter dem Wachstumshormon zu einem Muskelaufbau ohne gleichzeitigem Fettgewinn.

Trotz erheblich gesteigerter Nahrungszufuhr muss sich der Athlet keine Sorgen um seine Bauchmuskeln machen, da die den Fettstoffwechsel anregenden Wirkungen des Wachstumshormon auf seiner Seite stehen. Selbst bei einer kohlenhydratreichen Ernährung in der Massephase kommt es normal zu keinem Fettaufbau, da der mehrmonatige Wachstumshormongebrauch wie besprochen zu einer Insulinresistenz der Fettzellen führt, was den Glucosetransport in die Fettzellen und damit das Fettzellenwachstum verhindert. Im Prinzip schlagen Bodybuilder, die das Wachstumshormon in der Aufbauphase einsetzen, zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen kann von dem außergewöhnlichen anabolen, antiproteolytischen sowie zellteilenden Effekt des Wachstumshormons profitiert werden, und zum anderen erlaubt das Wachstumshormon den Konsum von großen Nahrungsmengen und hohen Kalorienzahlen – beides wichtige Faktoren zum raschen Aufbau von Muskelmasse – ohne dass der Athlet dabei an Körperfett gewinnt.

Resümierend kann man sagen, dass das Wachstumshormon neben DNP die stärkste fettabbauende Substanz ist, die Bodybuildern bislang zur Verfügung steht. In der Wettkampf- vcrbereitung bzw. Diätphase sorgt das Wachstumshormon für eine hohe Verbrennung von Körperfett, ohne dass der Athlet sich in seiner Ernährung groß einschränken muss, gleichzeitig schützt es wie kein zweites Hormon bestehende Muskelmasse vor einem Abbau. Desweiteren ermöglicht das Wachstumshormon die Anwendung von Insulin in der Wettkampfphase, was Athleten erlaubt, mit einem Maximum an Muskelvolumen auf die Bühne zu treten. Heutzutage wird mar keinen Bodybuilder mehr auf nationalem oder professionellen Niveau finden, der nicht das Wachstumshormon in der Dietphase einsetzt. Gleiches gilt für die Masseperiode, hier ist das Wachstumshormon bei ambitionierten Athleten nicht mehr wegzudenken, erlaubt es doch die zusätzliche Verwendung von Insulin sowie die Zufuhr von hohen Kalorien- und Proteinmengen, ohne dass es zu einem Fettaufbau kommt.

4. Wachstumshormon und anabole Steroide

Wer das Wachstumshormon zum Muskelaufbau einsetzt, muss auch anabole Steroide anwenden, daran führt absolut kein Weg vorbei. Das Ausmaß der Bildung von IGF-1 in den Leber-und Muskelzellen nach einer Wachstumshormoninjektion hängt ganz stark von der Höhe der Testosteronkonzen- tration im Blut ab. Damit das somatotrope Hormon seine volle, über IGF-1 gesteuerte Wirkung entfalten kann, muss eine ausreichende Menge an Testosteron bereitstehen. Von allen anabolen/androgenen Steroiden eignet sich hierfür injizierbares Testosteron, entweder in Form eines Depot-Testosterons wie Testosteron Enantat oder als kurzwirksames Testosteron Propionat, am besten. Da injizierbares, synthetisches Testosteron mit dem körpereigenen, natürlichen Testosteron identisch ist, schafft man so ein Milieu im Körper, das die Grundlage für eine optimale Wirksamkeit des Wachstumshormons darstellt. Der menschliche Körper ist über Jahrtausende hinweg an das Zusammenspiel von Wachstumshormon und Testosteron gewöhnt. Wird der Wachstumshormonspiegel durch Injektionen plötzlich erhöht, so ist der natürliche Lauf der Dinge, dass der Körper auch mehr Testosteron benötigt und zwar nichts anderes, nicht Metandienon, Nandrolon oder Oxymetholon, sondern einzig und allein das Testosteron erfüllt alle Kriterien in bester Weise. Testosteron besitzt die optimale androgene Aktivität und ideale Kovertierungsrate zu Östrogen, beides Faktoren, die über die Höhe der IGF-1-Produktion bei Wachstumshormoninjektionen entscheiden. Desweiteren verbessert Testosteron das Bindungsverhalten von IGF-1 mit dem Bindungsprotein IGFBP-3, was die Lebensdauer des IGF-1-Moleküls verlängert und somit dessen Wirkung heraufsetzt.

Aus diesem Grund lautet eines jeden Bodybuilders oberstes Gebot: Wer das Wachstumshormon appliziert, hat auch Testosteron zu injizieren. Je höher die Wachstumshormondosierung ausgelegt wird, desto mehr Testosteron gilt es zuzuführen. Bodybuilder, die täglich bis zu 4 I.E. Wachstumshormon injizieren, kommen in der Regel mit 500-750mg Testosteron die Woche aus. Tagesdosierungen von 5-8 I.E. sollten in der Aufbauphase mit 750-1000mg Testosteron die Woche kombiniert werden. Wer über 8 I.E. Wachstumshormon pro Tag hinausgeht, nimmt in der Aufbauphase 1500mg oder mehr Testosteron die Woche. Während der Wettkampf- vorbeitung werden diese Testosteronmengen in der Regel zugunsten einer optimalen Regeneration noch erhöht, hier kommt nun allerdings ein starker Aromatasehemmer wie Exemestan hinzu, um eine Wasserspeicherung und einen Fettaufbau in den Problemzonen durch übermäßiges Östrogen zu verhindern.

Hat der Athlet die kombinierte Gabe von Wachstumshormon und Testosteron sichergestellt, so können bei Bedarf weitere anabole Steroide hinzugestackt werden. Wichtig ist jedoch, dass primär Steroidpräparate gewählt werden, die sich selbst als gute IGF-1-Stimulanz erweisen. Zu dieser Gruppe gehören Metandienon, Oxymetholon, Trenbolon und mit Abstrichen auch Nandrolon Decanoat und Boldenon Undecylenat.

Schlechte bzw. untaugliche IGF-1-Stimulanzen sind die Steroide Oxandrolon, Stanozolol und Metenolon. Auch Fluoxy- mesteron und Drostanolon sind keine guten IGF-1-Aktivatoren, diese werden für die Wettkampfvorbereitung aufgespart, in der Muskelaufbau nicht mehr das primäre Ziel darstellt. Darüber hinaus gilt es zu wissen, dass Aromatasehemmer wie z.B. Exemestan, generell die IGF-1-Bildung beeinträchtigen und im Aufbauprogramm nichts verloren haben.

Die meisten erfahrenen Bodybuilder wissen ohnehin, dass der Aufbau von Muskelmasse keine exotischen Hormonkombinationen erfordert. In aller Regel wird in dieser Zeit mit Testosteron Enantat, Nandrolon Decanoat, Metandienon, Wachstumshormon und Insulin gearbeitet. Je nach Höhe der Dosierung sowie bei entsprechend langer Anwendung kommt es zu einem supergigantischen Muskelzuwachs. Profibodybuilder und Athleten auf nationalem Niveau verwenden in der Aufbauphase in den meisten Fällen ein solches Hormonprogramm. Unterschiede gibt es lediglich in der individuell gewählten Dosierung. Es existieren keine Geheimprogramme mit speziellen Präparaten, auf die nur Elitebodybuilder Zugriff haben. Die Formel lautet Testosteron, Wachstumshormon und Insulin.

5. Wachstumshormon und Schilddrüsenhormone

Sämtliche Hersteller von Wachstumshormonpräparaten weisen in ihren Packungsbeilagen darauf hin, dass es unter der Gabe des Wachstumshormons zu einem Bedarfsanstieg an Schilddrüsenhormon im Körper kommt. Wird diesem erhöhten Schild- drüsenhormonbedarf nicht durch die gezielte Zufuhr eines Schilddrüsenhormonpräparates Rechnung getragen, so kann es zu einer Schilddrüsenunterfunktion kommen, was die Wirkung des Wachstumshormons abschwächt. Dass eine Kombination von Wachstumshormon und Schilddrüsenhormon mittel- und langfristig in besseren Muskelaufbauraten sowie einer verstärkten Fettverbrennung mündet, als wenn das somatotrope Hormon ohne ein Schilddrüsenhormon gegeben wird, ist in Hardcorebodybuildingkreisen kein Geheimnis.

Das Problem ist, dass ein hoher Wachstumshormonspiegel im Blut den Hypothalamus dazu veranlasst, das Hormon Soma- tostatin vermehrt freizusetzen. Dieses Somatostatin gelangt dann über den Blutstrom zur Hypophyse und drosselt die körpereigene Freisetzung an Wachstumshormon und leider auch die des schildrüsenhormonstimulierenden Hormons TSH. Das TSH, das normalerweise die Aufgabe hat, die Schilddrüse zur Produktion und Freisetzung der beiden Schilddrüsenhormone T4-Levothyroxin und T3-Liothyronin in einem Verhältnis von 10:1 zu bewegen, entfällt nun teilweise bzw. gar völlig.

Die Schilddrüse gibt in Folge dessen weniger T4 und T3 ab, was einer klassischen Schilddrüsenunterfunktion gleichkommt. Gleichzeitig sinkt der Blutspiegel an T4 und T3 ab, und der Athlet hat nicht mehr ausreichend Schilddrüsenhormone im Blut, um eine maximale IGF-1-Produktion in den Leber- und Muskelzellen sicherzustellen. Denn erinnern wir uns, neben Testosteron und Insulin sind Schilddrüsenhormone für die IGF-1-Bildung nach einer Wachstumshormoninjektion unentbehrlich. Der Genauigkeit halber sei erwähnt, dass es das T3-Liothyronin ist, welches zur IGF-1-Produktion benötigt wird. Das T4-Schilddrüsenhormon hat nur eine geringe biologische Aktivität und dient dem Körper hauptsächlich zur Konvertierung in das stärkere und aktivere T3.

Dies erklärt auch, weshalb nur ein T3-Schilddrüsenhormorpräparat für die Anwendung beim Wachstumshormon in Frage kommt. Das T4 muss erst in T3 vom Körper umgewandelt werden, einen Schritt, den man durch die Verwendung von T3-Präparaten von vorneherein vermeiden kann. Die Anwendung des T3-Abkömmlings Tiratricol sollte ebenfalls unterlassen werden, da diese Substanz lediglich über lipolytische und TSH-freisetzende Eigenschaften verfügt, nicht aber direkt auf die Schilddrüsenhormonrezeptoren der Leber-und Muskelzellen einwirkt, was es somit zu keinem guten IGF-1- Stimulanz macht.

Selbst wenn Tiratricol die endogene TSH-Freisetzung bei einer Wachstumshormongabe wieder zu normalisieren weiß so besteht weiterhin das Problem, dass der Körper das gebildete T4 erst in T3 umwandeln muss. Häufig arbeitet das verantwortliche T3/T4-Umwandlungsenzym 5-Deiodinase nicht einwandfrei, insbesondere wenn der Athlet bereits einen relativ niedrigen Körperfettgehalt hat und andere fettverbrennende Substanzen wie Clenbuterol oder Ephedrin gebraucht. Der beste, da direkte und kompromisslose Weg, einen ausreichend hohen T3-Blutspiegel zu erreichen, ist die Einnahme eines T3-Schilddrüsenhormons.

Was die Dosierung anbelangt, so kann der Athlet mit einer täglichen Gabe von 10-25mcg T3-Liothyronin auskommen. Dies genügt, um die IGF-1-Produktion ausreichend zu unterstützen. Wer frisch mit einer Wachstumshormonkur startet bzw. wer nicht mehr als 2 I.E. pro Tag verwendet, benötigt fürs Erste kein Schilddrüsenhormon, da es eine Zeit dauert, bis es zu einer merklichen Drosselung der endogenen TSH-Freisetzung kommt.

Nach ca. 3 Monaten bzw. ab einer Dosiserhöhung auf 4 I.E. Wachstumshormon täglich, sollte der Einsatz von ca. 10mcg T3-Liothyronin pro Tag ernsthaft in Erwägung gezogen werden. Von da an richtet sich die Dauer der T3-Anwendung nach der Länge der Wachstumshormonkur. Hierdurch wird die durch das Wachstumshormon temporär verursachte Schilddrüsenunterfunktion abgepuffert und der Körper bleibt voll funktionstüchtig. Anstatt bei einer Wachstumshormonapplikation auf eine T3-Medikation zu verzichten und mit eine Schilddrüsenunterfunktion durch die Gegend zu rennen, tut der Athlet besser daran, seinen Körper auf synthetische. Weise mit diesem dringend notwendigen Hormon zu versorgen.

6. Wachstumshormon und Insulin

Bezüglich des Wachstumshormons und Insulin findet der Leser beim Einzelprofil Insulin in diesem Buch eine Fülle von Informationen, die detaillgenau beschreiben, welche Vorteile diese Kombination bietet und wie sie im Bodybuilding am besten zur Anwendung kommt. Wir wollen deshalb auf die eingehende Lektüre dieses Produktprofils hinweisen und an dieser Stelle nur eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten geben.

Insulin spielt während einer Wachstumshormonkur eine ganz bedeutsame Rolle hinsichtlich der Bildung und Regulierung von IGF-1. Neben Testosteron und Schilddrüsenhormon ist Insulin das dritte Beihormon, das bei der Wachstumshormverwendung in ausreichender Menge unbedingt präsent sein muss, um eine maximale IGF-1 -Produktion zu gewährleisten. Sowohl die IGF-1 produzierenden Zellen in der Leber als auch irrt Muskel sind auf Insulin angewiesen. Darüber hinaus verlängert Insulin die Lebensdauer der IGF-1-Moleküle im Blutkreislauf, indem es das Bindungsverhalten von IGF-1 zu seinem Bindungsprotein IGFBP-3 verbessert, was wiederum in einer gesteigerten muskelaufbauenden und fettverbrennenden Wirksamkeit resultiert.

Ein ganzer wichtiger Punkt ist, dass Insulin die Anzahl der Wachstumshormonrezeptoren in der Leber reguliert. Ein zu geringer Insulinspiegel, d.h. ein Insulindefizit, führt zu einem Abbau der Wachstumshormonrezeptoren in der Leber. Wird das Wachstumshormon über einen längeren Zeitraum in einer höheren Dosis appliziert, kann es zu einem solchen Insulindefizit kommen, da die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse nicht mehr ausreichend Insulin herstellen können. Das Wachstumshormon ist nämlich dafür bekannt, die insulinproduzierenden Betazellen in den Langer- hansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse stark zu strapazieren, was anfänglich in einem erhöhten Insulinausstoß mündet, dann aber zu einer Schädigung dieser Zellen führt, mit nachfolgendem verringertem Insulinausstoß.

Ober einen mehrmonatigen Zeitraum kann dies zu einem Abbau der Wachstumshormonrezeptoren im Lebergewebe führen, mit der Konsequenz, dass ein Teil des injizierten Wachstumshormons nicht mehr in die Leber eintreten kann um dann zur Bildung von IGF-1 genutzt zu werden.

Die fortwährende Wachstumshormongabe resultiert für gewöhnlich in einer Hyperglykämie, d.h in einem erhöhten Blutzuckerspiegel, was durch eben dieses Insulindefizit sowie eine, durch das Wachstumshormon induzierte, Insulinresistenz verschiedener Körperorgane hervorgerufen wird. Diese Insulinresistenz hindert nicht nur eine optimale IGF-1-Produktion, sondern kann auch auf langer Sicht zu gesundheitlichen Problemen führen. Bleibt der Blutzuckerspiegel nämlich über Monate oder gar Jahre hinweg deutlich erhöht, schafft der Athlet die Voraussetzung für eine diabete Stoffwechsellage, d.h. das Enstehen eines Diabetes mellitus ist möglich. Wird hingegen das Insulin injiziert, wird die hyperglykäme (blutzuckererhöhende) Wirkung des Wachstumshormons durch den hypoglykämen (blutzuckersenkenden) Effekt des Insulins ausgeglichen.
Was die Anwendung von Insulin anbelangt, sollte der Athlet sich ausschließlich auf kurzwirksames Insulin konzentrieren und sowohl die intermediär als auch langwirksamen Insulinarten meiden. Das oberste Gebot bei einer Insulinanwendung lautet nämlich, dass die blutzuckersenkende Wirkung dieses Hormons kontrollierbar sein muss, was bei einem kurzwirksamen Insulin verständlicherweise am einfachsten geht. Desweiteren kommen kurzwirksame Insuline den physiologischen Gegebenheiten des Körpers am nahesten. Anders als langwirksame Depot-Insuline verbleiben sie nicht im Organismus als aktives, aber nicht benötigtes Insulin über längere Zeiträume. Man vermutet bei Depot-Insulinen ohnehin einen stärkeren Zusammenhang hinsichtlich arteriosklerotischer Veränderungen im Körper als bei kurzwirksamen Insulinpräparaten.

Die Insulindosierung liegt im Leistungsbodybuilding bei 2-3 täglichen Injektionen von jeweils 10-20 I.E. Bewährt hat sich eine Injektion von 10-20 I.E. zum Frühstück, zeitnah gefolgt von einer Wachstumshormoninjektion. Eine zweite Injektion von nochmals 10-20 I.E. Insulin erfolgt dann nach dem Training in Verbindung mit schnell resorbierbaren Kohlenhydraten sowie einer weiteren Wachstumshormoninjektion. In Ausnahmefällen, wie es z.B. bei manchen Profibodybuildern der Fall ist, kommt noch eine dritte Injektion von 10-20 I.E. kurzwirksamen Insulin zusammen mit einer Mittagsmahlzeit zum Einsatz. Enorm wichtig ist, dass der Athlet bei allen Mahlzeiten die Kohlenhydratzufuhr richtig steuert, was ausführlich in dem Einzelprofil Insulin erläutert wird.

Die Dauer der Insulinanwendung richtet sich für gewöhnlich nach der Länge der Wachstumshormonkur. Viele Athleten verwenden dabei gerne ein 6 Wochen On/2 Wochen Off System, d.h. Insulin wird über sechs Wochen täglich injiziert, um dann für zwei Wochen zu pausieren, bevor es von neuem losgeht. Dies trägt dazu bei, eine Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse zu vermeiden, was die Gefahr eines späteren, insulinpflichtigen Diabetes reduziert. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass das Wachstumshormon jedoch ohne Pause durchgehend verabreicht wird.

7. Anwendung des Wachstumshormons

Die oberste Regel, die der Athlet sich bei der Anwendung des Wachstumshormons merken sollte ist, dass die Länge der Kur wichtiger ist als die Höhe der Dosierung. Will heißen, eine Wachstumshormonkur mit z.B. 2 I.E. pro Tag über einen Zeitraum von sechs Monaten wird dem Athleten bessere Resultate verschaffen, als wenn höhere Tagesdosen von z.B. 4-8 I.E. über lediglich 2 Monate eingesetzt werden. Ähnlich wie Testosteron, so ist auch das Wachstumshormon ein körpereigenes Hormon, das nicht toxisch wirkt und sich für eine sehr lange Anwendung eignet. Irrt Prinzip kann man sagen, dass die Mindestlänge einer Wachstumshormonkur, speziell in der Muskelaufbauphase, nicht unter drei Monaten liegen sollte. Besser wäre ein Zeitraum von 6-12 Monaten unter der Verwendung von niedrigen bis moderaten Somatropin mengen (2-6 I.E. Tag). Je länger das Wachstumshormon appliziert wird, desto durchschlagender ist sein Effekt auf das körperliche Erscheinungsbild. Wahrend es zu Beginn lediglich zu einer Wasserspeicherung kommt, nimmt mit zunehmender Anwendungsdauer die anabole, muskelaufbauende Komponente des Wachstumshormons das Heft in die Hand, und es folgt ein über viele Monate recht gleichmäßig verlaufender solider Muskelzuwachs, gepaart mit einem konstant guten Kraftgewinn.

In Bezug auf eine wirksame Tagesdosierung werden die meisten Bodybuilder mit 2-6 I.E. Wachstumshormon pro Tag gut bedient sein. Die Injektion erfolgt dabei mit einer Insulinnadel in die Bauchdecke. Wer noch nie das somatotrope Hormon verwendet hat, startet für gewöhnlich mit 2 I.E. täglich und sollte idealerweise genügend Geld für eine sechsmonatige Aufbaukur zur Verfügung haben. Fortgeschrittene Bodybuilder, die bereits Wachstumshormonkuren mit 2 I.E. pro Tag absolviert haben, können bei ihrem nächsten Somatropin- zyklus auch auf täglich 4 I.E. erhöhen. Mehr als 6 I.E. werden jedoch pro Tag nicht nötig sein. Allenfalls ambitionierte Bodybuilder auf nationalem Niveau sowie Profiathleten gebrauchen mehr, dies setzt dann aber in jedem Falle die gleichzeitige Verabreichung von Insulin und Schilddrüsenhormon voraus, andernfalls verpuffen die hohen Wachstumshormondosierungen und bescheren dem Anwender nur unnötige Nebenwirkungen. Zwar findet man im Profibodybuilding durchaus Athleten, die 32 I.E. Somatropin und mehr am Tag injizieren, dennoch muss man sagen, dass die meisten Profis nicht derart große Mengen verwenden und es in der Regel bei 8-16 I.E. pro Tag belassen.
Egal wie hoch die Tagesdosierung gewählt wird, das Wachstumshormon sollte für bestmögliche Ergebnisse mindestens zweimal täglich injiziert werden, da es, wie bereits an anderer Stelle geschildert, nur eine recht geringe Halbwertzeit von einigen Stunden hat. Idealerweise erfolgt die Gabe morgens, direkt vor dem Frühstück sowie ein weiteres Mal nach dem Training direkt vor der Nachtrainingsmahlzeit. Die Gesamttagesdosierung wird dabei einfach halbiert, d.h. wer 2 I.E. pro Tag appliziert spritzt sich zweimal täglich je 1 I.E., wer auf 4 I.E. pro Tag kommt, nimmt 2 I.E. pro Einzelinjektion etc. Wichtig ist bei diesen beiden Mahlzeiten jeweils ausreichend Kohlenhydrate sowie reichlich leicht verdauliches Protein zu verzehren, wobei die Fettaufnahme niedrig gehalten werden sollte. Dies unterstützt die zeitnahe Ausschüttung von Insulin, was dem Wachstumshormon bei der IGF-1-Bildung sehr behilflich ist. Athleten, die hingegen das Insulin injizieren, richten sich bitte nach den Angaben aus dem Insulinprofil.

Der Brauch von manchen Bodybuildern, das Wachstumshormon vor dem Schlafengehen zu injizieren, um dem natürlichen Wachstumshormonausschüttungsrhythmus möglichs: nahe zu kommen, macht wenig Sinn, Wegen der fehlenden Nahrungszufuhr wird es nachts zu keiner gewaltigen 3GF-1- Bildung kommen, und das Injzieren von Insulin direkt vordem Schlafen kommt schon gleich gar nicht in Frage. Desweiteren führt eine nächtliche Wachstumshormoninjektion zu einer totalen Ausschaltung der körpereigenen Wachstumshormon ausschüttung während des Schlafens, da die zeitliche Überlappung nicht vermieden werden kann. Diese Problem ist weniger gravierend, wenn früh morgens sowie am späten Nachmittag oder frühen Abend injiziert wird. Darüber hinaus sind Wachstumshormoninjektionen kurz vor dem Schlafengehen dafür bekannt, dass sie für ein häufiges Auftreten von Einschlafproblemen sorgen.

8. Nebenwirkungen des Wachstumshormons

Bei den Nebenwirkungen des somatotropen Hormons werden einem schreckliche Bilder in Erinnerung gerufen. Beispielsweise Fotos von Riesen mit übergroßen Händen, Füssen und Kiefern. Akromegalie nennen die Fachleute ein solches Krankheitsbild, Riesenwachstum die Laien. Was ist dran, an den Erzählungen, dass das Wachstumshormon solche körperlichen Veränderungen und unschöne Krankheitsbilder auslösen kann?

Zwar herrscht die allgemeine Meinung vor, dass nach der Pubertät kein Knochenwachstum mehr stattfinden kann, die Realität, spricht hingegen eine andere Sprache. Als Beweis dient der Vergleich von Arnold Schwarzeneggers Ära mit der heutigen Liga an Profibodybuildern. Während die Verwendung von Wachstumshormon vor dreißig Jahren als sehr unwahrscheinlich anzusehen ist, liegt der Gebrauch heutzutage klar auf der Hand. Profibodybuilder mit übergroßen Kiefern, leicht wulstiger Stirn sowie in die Breite mutierten Wangenknochen sind durchaus keine Seltenheit. Das Auftreten einer solchen Akromegalie ist allerdings stark dosisabhängig, je höher die täglich injizierte Wachstumshormonmenge ausgelegt wird, desto größer ist das Risiko eines Wachstums der Gesichtsknochen. Da Profibodybuilder sowie viele führende Amateurathleten das Wachstumshormon quasi das ganze Jahr über ohne größere Unterbrechnungen verwenden und Dosierungen von 8-16 I.E. pro Tag die Regel sind, wundert es nicht, dass Veränderungen im Gesicht bei vielen dieser Athleten die Norm darstellen. Allgemein fällt dabei die erhebliche Kopfgröße auf.

Das wohl schwerwiegendste Problem einer regelmäßigen Wachstumshormonapplikation ist der Einfluss des somatotropen Hormons auf den Blutzuckerspiegel. Im Laufe der Zeit kann es zu einer Hyperglykämie, d.h zu einem hohen Blutzucker kommen, der, wenn nichts dagegen unternommen wird, über lange Sicht eine diabete Stoffwechsel läge im Organismus schafft. Da das Wachstumshormon eine Insulinresistenz auf verschiedenen Zellebenen hervorruft und darüber hinaus bei einer Langzeitwerwendung die insulinproduzierenden Betazellen in den Langerhansschen Inseln der Bauchspeicheldrüse schädigt, entsteht ein klares Insulindefizit im Körper mit der Folge eines konstant erhöhten Blutzuckerspiegels. Die beste Lösung dieses Problem zu tangieren bzw. von vorneherein zu vermeiden, ist die exogene Zufuhr von Insulin. Da Insulin stark hypogykämisch, also blutzuckersenkend wirkt, gleicht es den hyperglykämischen, blutzuckererhöhenden Effekt des Wachstumshormon aus.

Eine recht unangenehme Begleiterscheinungen beim Wachstumshormon ist das Einschlafen der Finger und manchmal auch der gesamten Hand. In Folge der vermehrten intrazellulären Wasserspeicherung und dem damit erhöhten Druck auf die Nerven im Handgelenk und unterem Unterarm wird oftmals der Blutfluss in die Hand behindert. Dies führt zu einer Gefühllosigkeit der Hände, was sich besonders bei solchen Athleten bemerkbar macht, die Nachts auf ihrer Körperseite schlafen.

Der medizinische Fachausdruck für diese Erscheinung heißt Karpaltunnelsyndrom. Speziell zu Beginn der Wachstumshor- monkur sowie bei der Verwendung von hohen Dosierungen werden viele Bodybuilder von diesen Symptomen geplagt. Eine vorübergehende Dosisreduzierung hilft in manchen Fällen, das Problem zu korrigieren. Häufig verschwinden diese Symptome nach einigen Wochen aber auch von alleine. Im schlimmsten Fall wird ein operativer Eingriff am Handgelenk erforderlich sein.

In den ersten 2-3 Anwendungswochen kommt es in vielen Fällen beim Wachstumshormonverwender zu einer Blutdruckerhöhung und einer mehr oder weniger starken Ödembildung, besonders an den Fußgelenken und im Gesicht. Der Körper wirkt wegen der initialen Wasserspeicherung etwas aufgedunsen. Diese Erscheinungen normalisieren sich allerdings mit fortlaufender Applikation. Einschlafprobleme sowie nächtliche Schweißausbrüche treten manchmal auf, wenn das Wachstumshormon zu spät am Abend injiziert wird.

Ob das Wachstunshormon auch die glatte Muskulatur, sprich die Eingeweide mit Magen und Verdauungstrakt zum Wachsen bringen kann, ist nicht ausgeschlossen. Der bei schwergewichtigen Profibodybuildern oftmals zu sehende Blähbauch, könnte das Resultat einer regelmäßig Applikation von sehr hohen Wachstumshormonmengen sein. Andere vertreten wiederum die Meinung, dass selbiger Blähbauch nur bei der kombinierten Verwendung von hohen Wachstumshormon- und Insulindosen auftritt, während wiederum andere Experten dies der extrem großen Nahrungszufuhr in der Aufbauphase zuschreiben. Meiner Meinung nach sollte man eher in Richtung IGF-1 forschen, da dieses Hormon jedes wachstumsfähige Gewebe im Körper zum Wachsen bringt, die Eingeweide mit eingeschlossen. Einen eindeutigen Beweis für den Schuldigen gibt es allerdings nicht. Fakt ist, dass der hervorstehende Blähbauch im heutigen Profibodybuilding keine Seltenheit ist, während man in den achtziger Jahren davon noch nichts sah. Dies erlaubt den vorsichtigen Schluss, dass hohe Wachstumshormon- und Insulinmengen in der Tat eine Rolle spielen.

Alles in allem ist das Wachstumshormon jedoch ein relativ sicheres und gut verträgliches Hormon, ganz besonders wenn die Dosierung im Bereich von 2-6 I.E. pro Tag liegt. Das somatotrope Hormon besitzt keine toxischen Eigenschaften und ist weder leber- noch nierenschädlich. Da es auch keine androgenen Charakteristika hat, treten viele steroidtypischen Nebenwirkungen wie Akne, Haarausfall, Libidoverlust, Hodenatrophie, Gynäkomastie und aggressives Verhalten erst gar nicht auf.

Zum Schluss noch ein paar kurze Sätze zu einem wichtigen Thema: Beim Kauf von Wachstumshormon sollte man zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Wachstumshormon unterscheiden, die bereits in der Einleitung kurz angerissen wurden. Erhältlich ist Wachstumshormon derzeit mit 192 und 191 Aminosäuren. Letztere Variante entspricht genau dem menschlichen Wachstumshormon und wird folgerichtig optimal vertragen, während bei der Version mit 192 Aminosäuren, dem so genannten „Somatrem”, oftmals Unverträglichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, extremes Aufschwemmen und Gelenkschmerzen auftreten. Dass die Version mit 192 Aminosäuren kostengünstiger herzustellen ist, wird durch Schwarzmarktpreise ab 1,50 Euro/1 I.E. ersichtlich. Viele chinesische Hersteller brüsten sich mit irgendwelchen Zertifikaten, die ihnen die Herstellung von 191-Aminosäuren- Wachstumshormon bestätigen, allerdings sind diese oftmals das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind. Nirgends wird derart viel Schindluder mit Medikamenten und deren Herstellung getrieben wie in China, sodass man hier stets Vorsicht walten lassen sollte.

Lagerung

Was die Lagerung des Wachstumshormons anbelangt, so muss dieses Peptidhormon, genauso wie HCG, Testosteron Undecanoat und IGF-1, lichtgeschützt und kühl aufbewahrt werden, da der Wirkstoff ansonsten innerhalb kürzester Zeit zerfällt und unbrauchbar wird. Dies ist auch eine Erklärung dafür, warum selbst Originalpräparate manchmal nicht mehr voll wirksam sind. Nicht immer kann gewährleistet werden, dass beim Transport von Wachstumshormon aus fernen Ländern wie z. B. China, stets einer ausreichenden Kühlung Beachtung geschenkt wurde, sodass manche Ampullen in der Tat bereits an Wirkung verloren haben, bevor sie überhaupt in den Händen der Athleten sind.

Lediglich „Jintropin” soll laut Hersteller „GenSci” auf Grund seiner Struktur bis zu vier Wochen bei Zimmertemperatur stabil sein.

Absetzen

Ein besonderes Absetzprogramm ist beim Wachstumshormon nicht erforderlich.

This entry was posted in Hormone und Steroide. Bookmark the permalink.