WACHSTUMSHORMON (SOMATROPIN)

Noch immer umrankt Wachstumshormon den Mythos des Geheimnisvollen.
Spitzenathleten sagt man einen nahezu permanenten Gebrauch dieses
Hormons nach.

Waren bis vor kurzer Zeit die Hinweise darauf, daß Wachstumshormon zu
den Lieblingshormonen der Leistungselite in unzähligen Sportarten gehört,
noch anekdotischen Inhalts, so haben sich nicht zuletzt durch das Erscheinen
des Buches „Gedopt” von Willy Voet die Hinweise verdichtet. Die Tatsache,
daß Somatropin (so die medizinische Bezeichnung) in Doping-Tests nicht
nachweisbar ist, macht dies nur umso wahrscheinlicher.

Die Wirkungsweise

„Plötzlich hatte ich 100 PS mehr; […] Mir war als sei mir der Motor eines
Sportwagens eingepflanzt worden,” so Erwann Menth6Dur, der bis 1997
beim Rennstall Francais des Jeux unter Vertrag war, zur Wirkung des
Wachstumshormons. (Der Spiegel, Ausgabe 20/99)
Wachstumshormon führt zu einer Zunahme der Muskelzellen und damit zu
einem Kraftzuwachs in Verbindung mit einer Stärkung von Knorpeln, Sehnen
und Bändern. Stärkere Muskeln alleine helfen nur halb so viel, wenn die
Muskelansätze (Sehnen) nicht mitwachsen. Im Gegensatz zu anabolen
Steroiden etwa, die ebenfalls einen Kraftzuwachs bewirken, übt GH sein
Wachstumspotential auf nahezu alle Zellen im Körper aus. Durch Wachstumshormon
hervorgerufene Zellteilungen sind irreversibel.

Demzufolge erleiden auch Athleten, die Wachstumshormon verwenden, im
Gegensatz zu jenen, die ausschließlich anabole Steroide benutzen nach dem
Absetzen der Medikamente keine signifikanten Krafteinbrüche. Die durch
Wachstumshormon hervorgerufenen Wirkungen sind von dauerhafter Natur.
Vor allem die durch sportliche Belastung trainierten Organe erfahren durch
Somatropin ein deutlich gesteigertes Wachstum. Der Einsatz von Wachstumshormon
bietet dem Athleten außerdem den Vorteil, daß es zu einem
beschleunigten „Wachstum” im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems kommt.
Ein für den Ausdauersportler bedeutender Aspekt ist die Kapillarisierung des
Muskelgewebes. Da Wachstumshormon seine Wirkung auf nahezu alle
Gewebe ausübt, kommt es somit auch zu einem beschleunigten Wachstum
feinster Blutgefäße in der Muskulatur. Dies führt zu einer verbesserten
Sauerstoffversorgung der beanspruchten Muskulatur. Der Einsatz von GH
führt außerdem zu einer Massezunahme des Herzens und zu einer Kapazitätszunahme
der Lunge. Dies erklärt, warum dieses Hormon bei Leistungssportlern
einen derart hohen Beliebtheitsgrad genießt. Wer zudem bedenkt,
daß GH durch Dopingtests nicht nachweisbar ist, dem wird auch klar, warum
trotzdem kaum einer über Somatropin spricht: Es gibt keine Skandale, und
mit Mutmaßungen lassen sich nur schwer Schlagzeilen schaffen. Theoretisch
wären Dopingtests auf Somatropin allerdings denkbar und auch durchführbar.
Der Münchner Endokrinologe Christian Strasburger hat ein Nachweisverfahren
entwickelt, doch das IOC wehrt sich nach Aussagen des Spiegels
(in seiner Ausgabe 20/99) gegen dessen Einführung, wohl aus Angst vor
Skandalen. Führende Wissenschaftler gehen zudem davon aus, daß der
Leistungsstand der Weltspitze auf das Niveau der 60er Jahre absinken würde,
wenn Dopingtests 100 Prozent Erfolg hätten. Die Folge davon wäre, daß der
Wirtschaftsfaktor Leistungssport ruiniert wäre.

Innerhalb des menschlichen Hormonsystems nimmt Wachstumshormon eine
zentrale Rolle ein. Nachdem es in der Kindes- und Jugendphase für das
körperliche Wachstum gesorgt hat, sinkt der GH-Spiegel in den späteren
Lebensphasen. Dennoch wird von der Hypophyse nach wie vor jeden Tag
in mehreren Schüben Wachstumshormon in einer Tagesgesamtmenge von
ca. 1,5 IE ausgeschüttet. Welche Funktion übt nun Wachstumshormon nach
dem Ende des Längenwachstums aus?

Durch Umwelteinflüsse und Zellalterung kommt es ständig zu einem
Absterben von Zellen. Dem wirkt der Körper durch parallel ablaufende
Zellteilungsvorgänge entgegen. So kann es beispielsweise durch UV-Strahlung,
durch freie Radikale, aber auch durch intensives sportliches Training zu einem
überdurchschnittlich starkem Absterben von Zellen kommen. Der Körper
kompensiert dies durch eine höhere Sekretion von GH und damit auch IGF
(Insulinähnlicher Wachstumsfaktor), den beiden wichtigsten Hormonen für
die Zellteilung. Der Wachstumshormonspiegel unterliegt dabei ähnlich wie
der IGF-Spiegel mehrmaligen täglichen Schwankungen. Dabei treten die
GH- und IGF-Peaks zeitlich versetzt zueinander auf. Der zeitliche Verlauf der
Konzentrationsspitzen von GH bzw. IGF ist dabei von entscheidender
Bedeutung. Den Untersuchungen von van Wyk et al. zufolge werden durch
die GH-Ausschüttung zwei Reaktionen hervorgerufen. Zum einen führt GH
dazu, daß die Zelle für die Teilung vorbereitet wird; zum anderen bewirkt
GH eine verstärkte IGF-Produktion. Das entstehende IGF führt dann zur endgültigen
Zellteilung

Athleten, die GH verwendet haben, berichten davon, daß es relativ bald nach
der Injektion zu Hypoglykämie (Unterzucker) kommen kann. Dies liegt an
einem unmittelbaren insulinähnlichen Effekt, den man dem Somatropin
zuschreibt. Mittelfristig jedoch kommt es durch eine Erhöhung des Wachstumshormon-
Spiegels zu einer gesteigerten Lipolyse (Abbau von Körperfett)
Man geht davon aus, daß das aus 191 Aminosäuren bestehende komplexe
GH-Molekül unterschiedliche Rezeptorstellen (Codes) besitzt, die sich an
verschiedenen Stellen am Hormon befinden.

Drei Hauptwirkungsweisen des Wachstumshormons werden unterschieden:

— Liegt Somatropin in geringeren Mengen vor, so kann es eine insulinähnliche
Wirkung hervorrufen.
— Liegt Somatropin in höheren Dosierungen vor, so bewirkt es eine vermehrte
Insulinsekretion. Dies kann sogar soweit führen, daß es zu einer
Insulinresistenz sowie zu einer erhöhten Glucoseproduktion in der Leber
kommt. (Diese Wirkung wird durch Glucocorticoide verstärkt)
— Wachstumshormon besitzt (wie der Name schon sagt) eine hyperplastische
(wachstumsauslösende) Wirkung auf nahezu alle Zellen im Körper.

Letzterer Punkt ist mit Sicherheit die komplexeste Wirkung des Hormons.
Man geht davon aus, daß durch GH eine IGF-Produktion nicht nur in der
Leber, sondern auch lokal in Bindegeweben und in inneren Organen hervorgerufen
wird. Außerdem ruft GH eine Veränderung vorhandener Zellen hervor,
wodurch diese besser auf IGF (Somatomedin ) ansprechen. Damit es zu einer
optimalen Wirkung des Somatomedins kommen kann, werden ausreichende
Schilddrüsenhormonspiegel (Thyroxin) benötigt.

Die Entwicklung

Im Jahre 1958 wurde erstmals einem zwergwüchsigen Kind Wachstumshormon
verabreicht, wodurch es dann zu einem Längenwachstum kam.
Bis zum Jahre 1985 standen ausschließlich natürliche Quellen zur Verfügung,
aus denen Wachstumshormon gewonnen wurde — in anderen Worten: Man
extrahierte die wertvolle Substanz aus menschlichen Leichen. Um aus der
extrahierten Substanz ein steriles Arzneimittel herzustellen, ist allerdings eine
deutliche Erhitzung nötig. Da ein Temperaturanstieg jedoch immer mit einer
Proteindenaturierung einhergeht, ist dies nicht möglich. So kam es auch
dazu, daß es in einigen Fällen zum Auftreten von BSE (beim Menschen Jakob-
Creutzfeldter-Syndrom genannt) kam, woraufhin (westliche) Hersteller das
Präparat nach und nach aus dem Handel nahmen. Zur gleichen Zeit gelang
es der Forschung zwei verschiedene Varianten von synthetisch hergestelltem
Wachstumshormon zu entwickeln. Dabei wurde einer Bakterienart
(sog. escheria choli) rekombinierte DNS (gentechnisch manipulierte DNS) eingepflanzt,
so daß der Stoffwechsel der Bakterien GH produzierte. Die beiden
größten Hersteller von Wachstumshormon sind Lilly (Protropin) und
Genetech (Humatrope). Dabei unterscheiden sich die beiden Präparate
dadurch, daß Protropin zu den vorhandenen 191 Aminosäuren noch eine
Aminosäure (Methionin) mehr enthält. Aus diesem Grund kann es bei einigen
Anwendern von Protropin zu einer Antikörperbildung kommen.

Somatropin liegt als gefriergetrocknetes Pulver vor, das in einer 0,9% Natriumchloridlösung aufgelöst werden muß, um dann subkutan injiziert zu werden.
Mittlerweile ist es gelungen, eine weitere Variante von GH zu entwickeln, bei
welcher der Wirkstoff schon in gelöster Form vorliegt. Das Präparat mit dem
Namen Nutropin AQ weist dabei eine Haltbarkeit von 28 bis 30 Tagen auf.

Die Rolle im Alterungsprozess

Somatropin, das Haupthormon der Hypophyse, erfährt sein Produktionsmaximum
während der Pubertät. Von diesem Zeitpunkt an sinkt die
Produktionsrate soweit, daß sie im Alter von 60 Jahren noch bei 25% und
mit 80 Jahren nur noch bei 10% der Rate eines 20-jährigen liegt.

Ein Großteil der menschlichen Alterungserscheinungen wie faltige Haut,
graues Haar, verminderte Energielevel, eine verminderte Sexualfunktion, ein
Ansteigen des Körperfettanteils, kardiovaskuläre Probleme, Osteoporose und
einige andere werden in direkten Zusammenhang mit einem niedrigeren GHSpiegel
gebracht. So findet man diese Symptome auch bei Patienten jüngeren
Alters mit diagnostiziertem GH-Mangel. Aus diesem Grund hat auch die
Anwendung von Wachstumshormon-Injektionen in den USA einen gewaltigen
Boom erlebt. Wachstumshormon ist nicht nur das Lieblingskind von Sportlern
aller Sparten, sondern auch von Yuppies und finanzkräftigen Senioren, die
sich in dem Hormon einen Jungbrunnen erhoffen. So werden mittlerweile
nur noch geringe Mengen des von Lilly oder Genetech hergestellten
Somatropins zur Behandlung von Zwergenwuchs eingesetzt, jenem Krankheitsbild
also, für das die Substanz ursprünglich entwickelt worden war…
In der Medizin wird der Alterungsprozess als gradueller Verlust der Fähigkeit
Protein zu metabolisieren definiert. Das heißt, daß die durch äußere Einflüsse
(wie beispielsweise Umweltgifte, Radikale) hervorgerufene Zellabnutzung
sowie der Zellabbau nicht mehr vollständig regeneriert werden kann.
Wachstumshormon und Wachstumsfaktoren sind die hauptsächlichen Regulatoren
der Proteinsynthese und der Zellteilung.

Untersuchungen belegen, daß es durch den Alterungsprozess nicht nur zu
einem deutlichen Absinken der GH-Spiegel und der IGF-Spiegel kommt,
sondern daß generell der Hypothalamus in seiner Aktivität nachläßt. Es gilt
mittlerweile als bewiesen, daß es die Veränderungen innerhalb des Somatropin-
Somatomedin Systems sind, die für einen Großteil der Komplikationen
des Alterungsprozesses verantwortlich sind. Dabei sind es auch absinkende
Spiegel bei den Hypothalamus-Peptiden, jenen Botenstoffen, die den
Hypothalamus zur Produktion von Releasing-Hormonen anregen (s.o.), die
als Symptom der menschlichen Alterung nachgewiesen wurden. In den USA
geht man mittlerweile sogar soweit, Alterung als Krankheit einzustufen…

Nach den Untersuchungen von Raymond L. Hintz von der Stanford University
School of Medicine in Kalifornien kommt es mit fortschreitendem Alter zu
einer immer stärkeren Blockade der spezifischen Somatropin- und
Somatomedin-Rezeptoren. Das würde bedeuten, daß in späteren Lebensabschnitten
selbst GH-Injektionen immer weniger Wirkung zeigen. So ist
beispielsweise der altersbedingte Rückgang der GH-Sekretion bei der Frau im
Gegensatz zu der des Mannes relativ minimal. Die hierzu durchgeführten
Studien, bei denen älteren Testpersonen GH verabreicht wurde, sind nicht
schlüssig. Während bei einem Teil der Probanden eine Verbesserung der
Stickstoffretention, der Knochendichte und der Hautbeschaffenheit festgestellt
werden konnte, wies der andere Teil keine sichtbaren Veränderungen auf.
Dies könnte mit der unterschiedlichen Desensibilisierungsrate der Rezeptoren
erklärt werden.

Die Wirkung auf den Fettabbau

Untersuchungen ergaben, daß Kinder die an einer Hypophysen-Unterfunktion
und damit folglich an niedrigen GH-Spiegeln litten, zugleich deutliche
Symptome einer Adipositas (Fettleibigkeit) aufwiesen. Nachdem man diesen
Kindern GH verabreichte kam es relativ schnell zu einem Abbau des überschüssigen
Körperfetts. Hier gilt es allerdings zu beachten, daß es sich bei
den Versuchspersonen um Patienten mit einer diagnostizierten Hypophysen-
Unterfunktion handelte. Bei gesunden Menschen führt eine Erhöhung der
GH Konzentration nicht in demselben Maße zum Abbau von Körperfett. In
mehreren Versuchen wurde nachgewiesen, daß es erst unter dem Einfluß von
Glucocorticoiden (Kortison) zu einem signifikanten Fettabbau kam.
Unter Einwirkung von Wachstumshormon in Verbindung mit ACTH kommt es
dann zu einer vermehrten Freisetzung von freien Fettsäuren aus der Adipozyte
(Fettzelle). Diesen Prozess bezeichnet man auch als Lipolyse. Wie diese im Detail
abläuft, ist nach wie vor wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt.

Die Wirkung auf das Immunsystem

Der Zusammenhang des Neurohormonalen Systems mit dem Immunsystem
ist seit längerem bekannt. Während es durch eine Endorphin-Ausschüttung,
als auch durch lange Trainingseinheiten zu einem Absinken des Wachstumshormonspiegels
kommt, führen kurze, intensive Einheiten zu einem GH-Anstieg.
Schon hier wird ersichtlich, warum besonders im Langzeitausdauerbereich
gerne GH-Injektionen verwendet werden. Die positive Wirkung von kurzen
und intensiven Trainingseinheiten auf das Immunsystem mag auch zum Teil
durch die vermehrte Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin bedingt
sein. Von den beiden Katecholaminen weiß man, daß sie anregend auf die
GH-Sekretion wirken. Dabei führen sowohl Adrenalin und Noradrenalin, als
auch GH zu einer Aktivierung des Immunsystems. Während man bei
Adrenalin und Noradrenalin davon ausgeht, daß sie zu einer Verbesserung der
Fließeigenschaften des Blutes führen, übt Wachstumshormon einen direkten
Effekt auf die Lymphozyten aus. In einem Tierversuch konnte bei GH-defizitären
Mäusen, die dadurch unter einer Immunschwäche litten, das Immunsystems
durch die kombinierte Gabe von Wachstumshormon und Schilddrüsenhormon
wieder regeneriert werden.

Diese These bestätigen auch Athleten. Durch die Verwendung von GH und
L-Thyroxin (Schilddrüsenhormon) trat bei den meisten eine geringere Infektneigung
auf. Auch bestehende Krankheiten regenerierten sich weit schneller.
Von Steroiden weiß man, daß sie aktivierend auf das Immunsystem wirken.
Beispielsweise sorgen die hohen Östrogen und Progesteronspiegel, die während
einer Schwangerschaft im weiblichen Körper nachzuweisen sind, für ein
leistungsfähigeres Immunsystem in dieser Phase. Bestätigt wird diese These
durch die Tatsache, daß auch beim Menschen eine Hypophysenunterfunktion
(Verminderter GH Spiegel) zu einer Immunschwäche führt.

Natürliche Stimulation der GH-Ausschüttung

Brancheninformationen zufolge werden weniger als 1% des von der pharmazeutischen
Industrie produzierten Wachstumshormons als Medikament zur
Behandlung von Krankheiten (Zwergenwuchs) eingesetzt. Vielmehr gehören
Sportler aller Sparten mittlerweile zu den Hauptabnehmern.
Wachstumshormon hat eine deutliche Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit,
so daß der Reiz für einen Athleten, der durch den Sport seinen
Lebensunterhalt finanziert, Somatropin zu verwenden sehr groß ist. Da der
Wachstumshormonspiegel eine derart ausgeprägte Wirkung auf die sportliche
Leistungsfähigkeit hat, machen sich immer mehr Sportler, denen der Einsatz
von künstlichem, per Injektion verabreichtem Wachstumshormon zu risikoreich
ist, Gedanken wie sie ihre natürliche GH-Sekretion maximieren können.

Um dem interessierten Athleten einen Überblick über alle Faktoren zu geben,
die zu einer vermehrten GH-Ausschüttung führen, sei im folgenden eine
Auflistung der möglichen Einflußgrößen sowie eine Erläuterung zu den
wichtigeren Punkten gegeben.

— Schlaf
— Fasten
— Kurzes intensives Training
— Katecholamine (Noradrenalin + Adrenalin)
— Streß
— UVB-Licht
— Substanzen wie: Symbiotropin, Glutamin, GABA, GHB, L-Dopa, Clonidin
— Androgene
— Östrogene (Östradiol)

Schlaf

Die Sekretion (Ausschüttung) von Wachstumshormon unterliegt einem
Schema bei dem es in einem alle 24 Stunden wiederkehrenden Rhythmus zu
GH-Ausschüttungen kommt. So treten während der Pubertät ziemlich genau
alle 3 Stunden sogenannte GH-Peaks (Spitzenwerte des GH-Spiegels) auf. Die
Zahl der täglichen GH-Peaks ist während des ganzen Lebens relativ
konstant; die Menge des jeweils ausgeschütteten Hormons ist allerdings in
der Pubertät weit höher als in späteren Lebensphasen. Mit höherem Alter
werden dann die Intervalle in denen GH ausgeschüttet wird, ein wenig länger.
Im Allgemeinen geht man von GH-Ausschüttungen im Abstand von 3 bis
4 Stunden aus, wobei in den Zwischenphasen die gemessenen GH-Werte nahe
Null sind. Damit gilt es für den Athleten die Menge des jeweils ausgeschütteten
Wachstumshormons nach Möglichkeit zu erhöhen. Die größten Mengen an
Somatropin werden während der ersten 2 Stunden Schlaf ausgeschüttet.
Damit es während dieser Zeit zu einer optimalen GH Ausschüttung kommt,
sollte der Insulinspiegel so niedrig wie möglich sein. Das bedeutet, daß der
Magen beim Zubettgehen relativ leer sein sollte. Dies erklärt auch, warum ein
voller Magen zur Schlafenszeit mit einem unruhigen Schlaf und einer
verschlechterten Regeneration verbunden ist. Wachstumshormon ist das für
die körperliche Regeneration wichtigste Hormon, und die hauptsächliche
Regenerationsphase ist der Schlaf. Wissenschaftliche Untersuchungen kamen
zu dem Ergebnis, daß sich durch eine Reihe von Substanzen wie Symbio-
tropin, Glutamin oder GABA, die jeweils auf nüchternen Magen eingenommen
werden, die körpereigene Wachstumshormonausschüttung um bis zu 600%
steigern läßt.

Training

Wichtig zu wissen für den Athleten ist, daß ein kurzes und intensives Training
zu einer vermehrten Freisetzung von Somatropin führt, wohingegen lange
Ausdauereinheiten zu einer Senkung des GH-Spiegels führen. Als grobe
Richtlinie gilt die Stundengrenze. Wer einen maximale GH-Ausschüttung
erzielen will, sollte möglichst nicht länger als 60 Minuten trainieren. Um
jeweils den maximalen GH-Output zu erzielen, gilt es, einige Aspekte in Punkto
Training und Ernährung zu beachten. Wer einen optimalen, regenerationsfördernden
Effekt erzielen will, für den ist es wichtig, daß die natürlichen
Sekretionsmuster beibehalten und dann gezielt unterstützt werden. Die
Ausschüttung von GH (Wachstumshormon) steht in direktem Zusammenhang
mit GHRH. Durch eine GHRH-Sekretion (Growth Hormone Releasing
Hormone; dt.: Wachstumshormon Ausschütterhormon) des Hypothalamus
kommt es in der Hypophyse zur Ausschüttung von GH. Ist nun allerdings der
Insulinspiegel hoch (was nach einer Mahlzeit der Fall ist), so verpufft die
Wirkung von GHRH. Medizinische Untersuchungen ergaben beispielsweise,
daß bei einem hohen Insulinspiegel die exogene Zufuhr von GHRH ohne
Effekt blieb.

Intensives Training führt ähnlich wie Schlaf zu einer vermehrten GHSekretion.
Ist der Magen voll, und damit der Insulinspiegel hoch, so bleibt die
GH-Sekretion aus. Allgemein gilt, daß vor allem hochglykämische Mahlzeiten,
die zum großen Teil aus kurzkettigen Kohlenhydraten bestehen, zu
einer stärkeren Insulinsekretion führen als ballaststoff-, eiweiß-, oder fettreiche
Speisen.

Als Triathlet oder Radrennfahrer lassen sich lange, sogenannte Fettverbrennungseinheiten nicht vermeiden. Kommt es in Verbindung mit einer
Langzeitausdauereinheit zu einem starken Absinken des Blutzuckerspiegels,
so findet eine Kompensationsreaktion des Körpers statt. Durch eine vermehrte
Ausschüttung von GH und ACTH werden Fettreserven mobilisiert. Die in diesem
Fall stattfindende GH-Ausschüttung kann beispielsweise zusätzlich durch
entsprechende Aminosäuren (Glutamin, GABA) verstärkt werden. Vor allem
Glutamin führt neben einer verstärkten GH-Ausschüttung parallel zu einer
Aktivierung des Immunsystems. Werden beispielsweise Fettverbrennungs-
einheiten durchgeführt und es kommt zu einem starken Absinken des
Blutzuckerspiegels, so kommen diese zum Einsatz. Dazu verwendet der
Athlet eine Mischung aus den verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAA’s) und
Glutamin in einer Menge von jeweils ca. 5 bis 10 Gramm. Direkt im Anschluß
an ein Training ist dann ein hoher Insulinspiegel allerdings wünschenswert, da
dies zu einer beschleunigten Regeneration führt. Dazu verwendet der Athlet
Monosacharide oder Fructose (Beispielsweise ein Apfelsaft/Wasser-Mischgetränk)
in Verbindung mit Aminosäuren.

Fasten

Untersuchungen von Thorner und Vance zufolge konnten schon nach einer
24 stündigen Fastenperiode ein Anstieg des GH-Spiegels um satte 500%
registriert werden. Es stellt sich die Frage ob neuzeitlich veränderte
Ernährungsmuster in direktem Zusammenhang mit dem weitverbreiteten
GH-Mangel beim Erwachsenen stehen.
Vom Standpunkt der Evolution des Menschen ist das Zeitalter der gesicherten
regelmäßigen und vor allem hochglykämischen Ernährung (auf den Zeitraum
von 24 Stunden bezogen) erst ein paar Sekunden alt. Der menschliche Körper
ist immer noch auf die Ernährungsmuster des Höhlenmenschen programmiert.
Längere Hungerperioden waren zu diesen Zeiten an der Tagesordnung.
Androgene/Östrogene
Obwohl vielfach behauptet worden ist, daß es durch Steroide lediglich zu einer
Hypertrophie und zu keiner Hyperplasie kommt, haben Untersuchungen
ergeben, daß es beispielsweise durch stark androgene Steroide wie z.B.
dem Wirkstoff Trenbolone (Parabolan) zu einem signifikanten Anstieg des
GH- sowie des IGF-Spiegels kam. Ebenso konnten Parallelen zwischen der
Östradiol- (Östrogen) Sekretion und der GH-Sekretion festgestellt werden.
Die Verwendung im Sport

Der menschliche Körper produziert in 7 bis 8 Intervallen täglich eine Gesamtmenge
von ca. 1-1,5 IE Somatropin.
Medizinische Studien wurden nur an Personen, die an einer diagnostizierten
Hypophysen-Unterfunktion leiden, durchgeführt. Die Zufuhr von exogenem
GH bei gesunden Menschen oder Sportlern ist bislang noch nicht wissenschaftlich
dokumentiert.
Meist wird von den Athleten eine tägliche Menge von 4 bis 8 IE verwendet.
Diese wird dann in mehrere tägliche Injektionsintervalle aufgeteilt. Wie
bereits erwähnt, muß, damit Wachstumshormon seine Wirkung entfalten
kann, immer ein entsprechender hoher IGF-Spiegel vorliegen. Einige wenige
Sportler, die in der Lage sind die finanziellen Mittel dazu aufzubringen,
verwenden zusätzlich IGF. Die meisten Athleten verwenden jedoch ausschließlich
Wachstumshormon. Wie bereits erwähnt, führen mehrere tägliche
GH-Spitzenwerte zu besseren Resultaten als einzelne enorme Mengen. Aus
diesem Grund teilen die meisten Athleten ihre tägliche GH-Dosis zu jeweils
2 IE auf. Somit ist die Leber jedesmal in der Lage, ausreichend IGF zu produzieren.
Da die natürliche GH Sekretion nur stoßweise erfolgt, ist nicht damit zu
rechnen, daß es durch die Verwendung von GH-Injektionen zu einer
signifikanten Einschränkung der Eigenproduktion kommt.
Athleten, die mit GH Erfolge erzielen verwenden meist zusätzlich Schilddrüsenhormone,
anabole Steroide und Kortison. Wird Kortison über einen
längeren Zeitraum verwendet, so ist dies mit einem Abbau von Gewebe
(Haut, Muskeln, Knochen) verbunden.

Durch die gleichzeitige Verwendung von
Wachstumshormon und anabolen Steroiden und Kortison werden mehrere
Effekte zugleich erzielt:

— Wachstumshormone kompensieren die katabole Wirkung von Kortisonpräparaten.
Ein durch das Kortison hervorgerufener Abbau von
Knochensubstanz wird gehemmt.
— Wird GH in Verbindung mit Kortison verwendet, so kommt es zu einer
verstärkten Glucosebildung in der Leber sowie zu einer verstärkten
Lipolyse und zu einem Anstieg des Blutzuckers und damit zu höheren
Energie-Leveln.
— Wird GH in Verbindung mit anabolen Steroiden verwendet, so kommt es
zu einer weiteren Verbesserung der Regenerationswirkung.
Werden zudem Schilddrüsenhormone verwendet, so kommt es zu einer
weiteren Beschleunigung der Regenerationsvorgänge.

Wird Wachstumshormon in Verbindung mit Clenbuterol verwendet, so
kommen meist auch Schilddrüsenhormone zum Einsatz, da Clenbuterol zu
einem Absinken der Schilddrüsenwerte (ThyroxinfTrijodthyronin) führt. Doch
der parallele Einsatz von Schilddrüsenhormonen hat noch einen weiteren
Grund: Damit GH sein volles Wirkungspotential entfalten kann, ist immer die
ausreichende Bildung von insulinähnlichem Wachstumsfaktor (IGF) notwendig.
Die Voraussetzung dafür, daß es in der Leber zu einer ausreichenden Produktion
von IGF kommt, ist wiederum ein entsprechend hoher Schilddrüsenhormon-
Spiegel.

So wird ersichtlich, daß eine auf breiter Basis durchgeführte Manipulation des
Hormonsystems notwendig ist, um entsprechende Resultate zu erzielen.
Damit Wachstumshormon seine Wirkung richtig entfalten kann, ist meist ein
Anwendungszeitraum von mindestens 8 bis 10 Wochen notwendig. Vor
allem zu Beginn der Verwendung von Somatropin zweifeln viele Athleten, ob
es sich bei dem weiß-gelblichen Pulver, zu dessen Verwendung sie sich
entschieden haben, tatsächlich um GH handelt, oder ob ihnen ein gefälschtes
Präparat „verhökert” worden ist. So macht sich anfangs lediglich das vermehrte
Auftreten von Unterzuckersymptomen bemerkbar. Der Athlet spürt
weder einen Kraftzuwachs, noch eine beschleunigte Regeneration, noch
einen Fettabbau. Erst nach etwa 4 Wochen der täglichen Verwendung stellt
sich dann ein verbessertes Wohlbefinden ein. Auch die Trainings- und
Wettkampfleistungen werden in kürzeren Abständen immer besser. Intensive
Trainingseinheiten werden vom Körper deutlich schneller verarbeitet, womit
Wachstumshormone einen nicht unbedeutenden Anteil daran haben, daß
Athleten dazu in der Lage sind tägliche Spitzenleistungen über mehr als
2 Wochen erbringen zu können.

Was von vielen Athleten an Wachstumshormonen
geschätzt wird, ist, daß die positiven Wirkungen im Verlauf der
Anwendung nicht nachlassen. Wer Steroide verwendet, der verspürt meist
nach 2 bis 6 Wochen einen Rückgang der Effekte. Dies ist beim GH nicht der
Fall. Vielmehr steigert sich die Wirkung im Verlauf der ersten 6 bis 8 Wochen
und verbleibt dann über den gesamten Anwendungszeitraum auf einem
hohen Niveau. Viele Athleten, die Somatropin verwenden, benutzen gleichzeitig
Kortison. Wer als Ausdauersportler GH verwendet, ohne dabei
gleichzeitig Kortison zu verwenden, der wird in den meisten Fällen spätestens
nach 3 Monaten der täglichen Anwendung ein vermehrtes Auftreten von
Myogelosen (Muskelverhärtungen) in Verbindung mit einem allgemein
erhöhten Muskeltonus feststellen. Um diesem Problem zu begegnen, ist eine
ausreichende Versorgung mit den für die Muskelfunktion wichtigen
Mineralstoffen und Spurenelementen notwendig. Zum anderen sollte der
Athlet vermehrt darauf achten, daß regenerative Maßnahmen (insbesondere
Massagen) regelmäßig angewendet werden. Man geht davon aus, daß bei
der Anwendung von Wachstumshormon insbesondere der Bedarf an
Vitaminen und Mineralstoffen deutlich ansteigt. Aufgrund der hohen finanziellen
Belastung, die eine längerfristige Verwendung von Wachstumshormonen
mit sich bringt, legen die meisten Athleten ohnehin nach etwa 10 bis
12 Wochen eine mindestens ebensolange Einnahmepause ein. Dabei ist die
Angst vor einem Leistungseinbruch unbegründet, da die positiven
Wirkungen einer GH-Anwendung meist noch mindestens 4 bis 6 Wochen
nach Ende der „Kur” erhalten bleiben.

Daß es sich bei einer „Wachstumshormon-Kur” nicht gerade um eine
billige Angelegenheit handelt wird spätestens bei einem Blick in die Rote
Liste offensichtlich.

Wachstumshormon liegt meist als gefriergetrocknetes Pulver vor, das mit
einer 0,9 prozentigen Natriumchlorid Lösung aufgelöst werden muß, bevor
es subkutan (ins Unterhautfettgewebe) injiziert werden kann. Bei den
Apothekenpräparaten ist im Gegensatz zu den meisten auf dem Schwarzmarkt
erhältlichen Präparaten die Natriumchlorid Lösung in der Packung
enthalten. Aufgrund der hohen Kosten muß sich der interessierte Athlet
jedoch meist anderweitig umsehen. Da nur die wenigsten Athleten in der
Lage sind, die finanziellen Mittel für eine GH-Kur mit Apothekenpräparaten
aufzubringen, noch ein offizielles Rezept vorweisen können, bleibt nur noch der
Schwarzmarkt. Die Präparate, die dabei in Frage kommen, sind meist russischen
oder tschechischen Ursprungs.

Daß es sich bei der Verwendung von Somatropin aus Quellen des Ostblocks nicht gerade um ein risikoloses Unterfangen handelt, dürfte nicht allzu schwer nachzuvollziehen sein. In einer zu Beginn der 90er Jahre durchgeführten Studie australischer Endokrinologen
wurde russisches GH untersucht. Die bei den Untersuchungen
festgestellten Unreinheiten der Präparate mit dem Namen Somatrope
(blaue Schrift auf einer Durchstechampulle) ließen auf unzureichende
Hygienemaßnahmen bei der Herstellung schließen. So kam es bei den
Anwendern mitunter auch zu entzündlichen Schwellungen am Injektionsort,
die sich in Form von Beulen in Verbindung mit Hautrötungen bemerkbar
machten. Außerdem weiß niemand genau, ob es sich bei den aus
dem Ostblock stammenden Medikamenten wirklich um synthetisches
Wachstumshormon handelt, oder ob nicht doch eine Quelle menschlichen
Somatropins mit enthalten ist.

Fälschungen, vor denen allerorts gewarnt wird (bei der statt Wachstumshormon
nur Gonadotropin (HCG) in den Ampullen enthalten ist) sind seit
dem Erscheinen des Buches „Anabole Steroide 1994″ selten geworden. Vor
allem aufgrund der leicht feststellbaren unterschiedlichen Wirkungsweise
sollte der Athlet in der Lage sein HCG und GH auseinander zu halten.
Während HCG bereits ca. 2 Stunden nach der Injektion zu einem deutlich
spürbaren Testosteronanstieg führt, der sich meist in Form von vermehrt auftretenden
Erektionen bemerkbar macht, kommt es durch GH dagegen innerhalb
der ersten beiden Stunden nach der Injektion zum Auftreten von
Unterzucker-Symptomen. Wer ganz sicher gehen will, der tröpfelt ein wenig
gelöstes GH auf einen Schwangerschafts-Teststreifen. Verfärbt sich dieser, so
war leider nur Gonadotropin in der Ampulle. Sollte sich der Athlet im Unklaren
darüber sein, ob es zu Hypoglykämie (Unterzucker-) Symptomen kommt, so
läßt sich dies wie folgt feststellen: GH wird dabei morgens injiziert, ohne daß
es zu einer Nahrungsaufnahme innerhalb der ersten zwei Stunden kommt.

Handelt es sich um originales Somatropin, so treten bald Symptome wie
Heißhunger, Konzentrationsstörungen oder kalter Schweißausbruch auf.
Russisches Wachstumshormon, das meist aus Litauen stammt, kostet auf
dem Schwarzmarkt etwa 35 bis 40 Mark. Während der europäische Athlet
im allgemeinen zumindest davon ausgehen kann, daß das Produkt adäquat
(gekühlt) transportiert worden ist, ist es in den Vereinigten Staaten fast
unmöglich, an wirksames europäisches (und damit preisgünstiges) GH
heranzukommen.

 

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