Wachstumshormon – Die Nebenwirkungen

 

Während bei Patienten mit nachgewiesenem Somatropin-Mangel eine
Medikation mit exogenem GH fast nebenwirkungsfrei ist, können dann,
wenn GH beim gesunden Menschen verwendet wird durchaus Nebenwirkungen
entstehen. Während im Kraftsport und vor allem im Bodybuilding
nicht selten Tagesdosierung von 16 bis 20 IE verwendet werden, beträgt die
Normaldosierung unter Ausdauerathleten zwischen 4 und 8 IE. Wie bei allen
anderen Medikamenten steht auch beim Wachstumshormon das Auftreten
von Nebenwirkungen stark in Abhängigkeit von Dosierung und Anwendungsdauer.
Obwohl im Folgenden eine ganze Reihe von Nebenwirkungen
aufgeführt sind, ist bei einer vernünftigen Dosierung die Wahrscheinlichkeit,
daß es zu deren Auftreten kommt, bei den meisten der gelisteten
Nebenwirkungen relativ gering.

Zu unterscheiden ist auch, ob es sich bei den
Nebenwirkungen um Aspekte handelt, die ohnehin nur der Langzeitanwendung
zuzuschreiben sind, oder ob es sich dabei um mögliche
unmittelbare Nebenwirkungen handelt:

Die in der medizinischen Literatur wohl am häufigsten zitierte Nebenwirkung
von Wachstumshormon ist Akromegalie. Obwohl dieses Krankheitsbild im
allgemeinen durch einen Tumor der Hirnanhangdrüse verursacht wird, gibt es
Hinweise, daß auch der exzessive Gebrauch von exogenem GH diese
Krankheit hervorrufen kann. Bei Akromegalie handelt es sich um eine
chronische Krankheit, deren äußerlich sichtbare Anzeichen eine Größenzunahme
bzw. ein Wachstum des Schädelknochens, der Hand- und
Fußknochen sowie teilweise auch anderer Teile des Skeletts sind. So kann das
Wachstum der Fußknochen es nötig machen, daß Schuhe einige Nummern
größer gekauft werden müssen… Dabei ist generell zu unterscheiden, ob die
hohen GH Werte vor oder nach dem zum Ende der Pubertät stattfindenden
Epiphysenschluß auftreten. Werden beispielsweise im körperlichen Stadium
des Längenwachstums langfristig höhere Dosierungen an Wachstumshormon
verwendet, so kann es zum Gigantismus (Überdimensionales
Längenwachstum der Knochen) kommen, der zu kardiovaskulären Schäden
und letzten Endes zum Tod führt. Da GH in den allermeisten Fällen jedoch
von Menschen mit abgeschlossenem Längenwachstum (also nach dem
Epiphysenschluß) verwendet wird, bleibt ein Wachstum der Röhrenknochen
zum großen Teil aus. Dennoch kann es zu einer Querschnittszunahme der
Knochen kommen. Dies macht sich dann in Form einer Größenzunahme von
Händen und Füßen, sowie einer ausgeprägten Stirn bemerkbar. Wer jedoch
bedenkt, wie weitverbreitet der Gebrauch von Wachstumshormon im
Spitzensport ist, der muß sich wundern, warum es nicht mehr Athleten mit
einem „Touch von Frankenstein” gibt. Man geht davon aus, daß mit dem
Ende der Pubertät die Sensibilität der entsprechenden Rezeptoren in den
Zielgeweben Hände, Füße Stirn) stark nachläßt: Im Allgemeinen besteht nur
bei einer langfristigen Verwendung von Wachstumshormonen die Gefahr,
daß es zu einem Auftreten derartiger Nebenwirkungen kommt.

Außerdem kann die Verwendung von Wachstumshormon Veränderungen im
Hormonsystem hervorrufen. Neben Testosteron und Wachstumshormon ist
Insulin das wichtigste anabole Hormon im menschlichen Körper. Werden
größere Mengen an exogenem GH substituiert, so hat dies eine
Beeinflussung des Insulinspiegels zur Folge. Da Insulin für eine Stabilisierung
des Blutzuckerspiegels essentiell ist, kann dies durch die diabetogene
Wirkung von GH (siehe Wirkungsweise) unter Umständen sogar zu einer irreversiblen
Schädigung der Bauchspeicheldrüse führen, wodurch es zum
Auftreten einer Diabetes mellitus kommen kann.

Außerdem liegt der Verdacht nahe, daß es durch GH auch zu einer Beeinflussung
der Katecholamine (Noradrenalin und Adrenalin) kommen kann.
Während sich kurzfristige Spitzenwerte beim Adrenalin und Noradrenalin im
Bereich der Norm bewegen, sind die Folgen einer dauerhaften Anhebung
der Katecholaminspiegel noch nicht endgültig erforscht. Mit Sicherheit
tragen hohe Katecholaminspiegel und deren Auswirkungen auf die
Herzschlagfrequenz und den Blutdruck nicht dazu bei, daß der Anwender zu
einer größeren Belastung für die Rentenkasse wird…

Ein weiteres Hormon, das durch die Höhe des GH Spiegels beeinflußt wird,
ist Somatomedin. Wie bereits erwähnt, kommt es durch GH zu einer
Stimulierung der Somatomedinproduktion in der Leber, den Nieren sowie
anderen Geweben. Über potentielle Langzeitnebenwirkungen liegen noch
keine wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse vor.

Eine weitere Nebenwirkung, von der GH-Anwender berichten, ist das
Auftreten einer speziellen Form von Akne, bei der es zur Bildung großer mit
Talg gefüllter Zysten kommt. Obwohl man sich über die Ursachen dieser
Erscheinung noch nicht im Klaren ist, wird angenommen, daß der Einfluß,
den GH auf den Lipidmetabolismus besitzt, Auslöser dieser Erscheinung ist.
Die Symptome dabei sind meist rein kosmetischer Natur, sofern es nicht zu
einer Entzündung der Talgablagerung kommt. Dass dabei die Psyche des
einen oder anderen Athleten „negativ in Mitleidenschaft gezogen wird”,
mag ein anderes Problem sein. Von dieser Nebenwirkung sind jedoch nur
entsprechend sensible Personen betroffen.

Wie im Kapitel über die Wirkungsweise dargestellt, führt GH zu einer
Zellteilung in nahezu allen Geweben. Vor allem wenn GH in Verbindung mit
anabolen Steroiden verwendet wird, kann es auch zu einem Organwachstum
kommen, von dem alle inneren Organe betroffen sein kOnnen.
Untermauert wird diese These von der Tatsache, daB mittlerweile bei fast
allen inneren Organen das Vorkommen von GH-Rezeptoren nachgewiesen
werden konnte.

Obwohl die Wahrscheinlichkeit relativ gering ist, daB man in Europa auf sog.
„Research Grade Somatropin” stoBen, bleibt der Vollstandigkeit halber zu
erwahnen, daB diese Substanz, die eine Aminosaure mehr als menschliches
GH enthalt, potentiell tbdlich ist. Diese Variante wird IV Studien an Zellkulturen
(im Reagenzglasversuch) verwendet und ist nicht -R – die menschliche
Anwendung bestimmt. So kommt es statistisch bei 40% der Anwender zu
einer Autoimmunreaktion, was zur Folge hat, daB das Immunsystem den
eigenen Korper angreift. Zusatzlich kann es durch die Verwendung von
Research Grade Somatropin zu allergischen Reaktionen auf das vom KOrper
produzierte Wachstumshormon kommen.

Zur Abrundung der Liste potentieller Nebenwirkungen bleiben folgende
„weniger gewichtige” Nebenwirkungen zu nennen: Kopfschmerzen,
Stimmungsschwankungen, SchweiBausbrCiche, Hautverfarbungen, Sehschwache,
KOrpergeruch. AuBerdem kann es durch GH zu einer Absenkung
der HDL Cholesterinwerte sowie zu einer beschleunigten Umwandlung von
LDL Cholesterin zu Zellverklumpungen kommen, die sich dann in den
BlutgefaBen ablagern und zur Arteriosklerose fOhren. Aus diesem Grund sollten
Athleten, in deren familierem Umfeld das Auftreten von Herzkrankheiten
oder Schlaganfallen bekannt ist, auf alle Falle die Finger von GH-Ampullen
lassen…

Die Pråparate

Biomed (Polen), Somatohorm (4 I.E.)
Eli Lilly (GB, CAN), Humatrope
Fund Trip (Hong Kong), Saizen
Genentech (USA), Protropin II
Globopharm (CH), Genotropin (4I.E. / 12 I.E.)
Kabi (BEL), Genotonorm (41.E.)
Kabi Pharmacia (AUT, POR, FL, ITA), Genotropin (4I.E.)
Kabi Pharmacia (AUT, POR, FL, ITA), Genotropin (4I.E.)
Kabi Pharmacia (D), Genotropin Kabi Quick (2 I.E. / 3 LE.)
Kabi Pharmacia (GER, DEN, FL), Genotropin (16 I.E.)
Kabi Pharmacia (GER, DEN, SWE), Genotropin (41.E. / 12 I.E.)
Kabi Vitrum (SWE), Genotonorm
Kabi Vitrum, (SWE), Crescormon
Kabi-Fidel (ESP), Crescormon (41.E.)
Kabipfrimmer (EPO), Genotonorm (4 I.E.)
Lilly (FRA), Umatrope
Lilly (GER, DEN, ESP, SWE, FL, BEL), Humatrope (16 I.E.)
Nordisk (B), Norditropin (12 LE.)
Nordisk (POR), Norditropin (4 I.E./12 I.E.)
Nordisk-Gentofte (DK), Norditropin (4I.E./ 12 I.E.)
Novo (GB), Norditropin (12 I.E.)
Novo-Nordisk (AUT), Norditropin (41.E.)
Novo-Nordisk (D), Norditropin Pen Set (241.E.)
Novo-Nordisk (D, SF), Norditropin (12 I.E.)
Pharmacia (FRA), Genotonorm
Serono (D, A, CH, E, I, GB), Saizen (4I.E.)

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