Schilddrüsenhormone Trijodthyronin T3 und Thyroxin T4 – Teil 1

Trijodthyronin (LT-3) und Thyroxin (LT-4) sind die beiden aktiven
Komponenten des Schilddrüsen-Hormonsystems. Schilddrüsenhormone
regulieren die Stoffwechselaktivität und bestimmen damit die Geschwindigkeit,
mit der die einzelnen Stoffwechselvorgänge im Körper und damit auch
die Regeneration ablaufen.

„Wenn Du täglich drei Cytomel nimmst, dann läuft dein Körper wie ein
Hochofen, deine Freundin ist nach dem Sex frisch in deinem Schweiß gebadet
und du brauchst täglich eine neue Bettwäschgarnitur…”, so Tom Chinetzky
zu seiner Erfahrung mit Cytomel, einem Schilddrüsenhormonpräparat, welches
den Wirkstoff Trijodthyronin enthält.

Sämtliche Stoffwechselvorgänge auf zellulärer Basis werden durch Schilddrüsenhormone
beeinflußt, was einer der Hauptgründe dafür ist, warum die
Substanz im Leistungssport so gerne verwendet wird. Ähnlich wie bei
Wachstumshormon (GH) oder Gonadotropin (HCG) wird auch die Schilddrüsenaktivität
zentral vom Hypothalamus gesteuert. Dieser schüttet das
Releasing Hormon (Ausschütterhormon) TRH (Thyroid Releasing Hormon)
aus, wodurch die Hypophyse zur Herstellung von TSH (Thyroid Stimulating
Hormon) angeregt wird. TSH führt dann dazu, daß es in der Schilddrüse zur
Herstellung und Ausschüttung von Thyroxin (LT-4) sowie kleineren Mengen
von Trijodthyronin (LT-3) kommt. LT-3 weist dabei ungefähr das fünffache des
Wirkungspotentials von LT-4 auf. Durch ein Negativ-Rückkoppelungssystem
steuert der Körper die Produktion dieser beiden Schilddrüsenhormone: Sind
die Schilddrüsenhormonspiegel hoch, so kommt es zu einer verminderten
Sekretion von TSH. Die beiden Schilddrüsenhormone LT-3 und LT-4 bestehen
hauptsächlich aus der Aminosäure Tyrosin und Jod. Um eine ausreichende
Synthese von Schilddrüsenhormonen zu gewährleisten, ist die tägliche
Aufnahme von 150 pg Jod notwendig. In vielen Regionen ist dazu die
Supplementierung mit Jodpräparaten notwendig, da die Ackerböden zu
wenig Jod enthalten und demzufolge auch der Jodgehalt von Getreide, Obst
und Gemüse entsprechend niedrig ist. Wird zu wenig Jod zugeführt, so führt
dies zu erniedrigten Schilddrüsenhormon-Spiegeln und damit zu einem
langsameren Stoffwechsel. Etliche Athleten haben bereits durch die
Supplementierung mit einem Jodpräparat sichtbare Erfolge erzielt.

Die Schilddrüsenhormone stimulieren den gesamten Metabolismus (Stoffwechsel)
des Körpers. Obwohl in der medizinischen Forschung noch einige
Fragen offen sind, geht man davon aus, daß über eine intrazelluläre
Stimulation der sog. Transkripion und der Translation die Proteinsynthese in
allen Bereichen gesteigert wird. Dies hat für den Sportler einige Vorteile. Wie
bereits im Kapitel über Testosteron (Testosteron-Propionat) dargestellt, hängt
die Regenerationsgeschwindigkeit davon ab, wie schnell die dazu nötigen
Stoffwechselvorgänge ablaufen. Jede sportliche Betätigung führt zu einer
mehr oder minder ausgeprägten Beanspruchung und Abnutzung (bzw.
Beschädigung) zellulärer Bestandteile vor allem in der Muskulatur aber auch
im Bereich von Sehnen, Bändern und Gelenken. Man spricht in diesem Fall
von Stoffwechselschlacken. Diese müssen vom Körper in einer ersten
Kompensationsreaktion abtransportiert werden; eine sogenannte Katabolreaktion
findet statt. Dazu dient vor allem Kortison, durch welches es zu
einem beschleunigten Abbau und Abtransport der Stoffwechselschlacken
kommt. Durch anabole Substanzen wie Testosteron oder Steroiden kommt es
sodann zu einer Proteineinlagerung und damit zum Wiederaufbau der
Zellsubstanz. War die Belastung richtig gewählt und das Training systematisch
gesteuert, so spricht man von einer Superkompensationsreaktionen, was
nichts anderes heißt, als daß das wiederhergestellte Leistungsniveau nun
höher als die ursprüngliche Leistungsfähigkeit ist.

Schilddrüsenhormone führen nun dazu, daß die gesamten Stoffwechselvorgänge
schneller ablaufen. Sowohl der Abbau als auch der Wiederaufbau
von Zellsubstanz stellen sich schneller ein; der Athlet ist in kürzerer Zeit
erholt und der Trainingsumfang kann auf einem hohen Niveau gehalten werden,
ohne daß es zum Auftreten von Übertrainingssymptomen kommt. Durch die
kombinierte Gabe von Corticosteroiden in Verbindung mit Testosteron und
LT-4 wird ein synergistischer Effekt erzielt, die Regenerationsgeschwindigkeit
läßt sich so deutlich beschleunigen. Allerdings führen Schilddrüsenhormone
im Zuge eines beschleunigten Stoffwechsels zu einem schnelleren Abbau von
Steroiden.

Die durch Schilddrüsenhormone hervorgerufene erhöhte Stoffwechselrate
geht meist einher mit einem gesteigerten Abbau von Körperfett. Der
Grundumsatz des Körpers steigt, und damit auch die Fettverbrennungsrate
— sofern die Menge der zugeführten Kalorien unter LT-3-Anwendung nicht
allzusehr erhöht wird. Unter Umständen kann Trijodthyronin allerdings
zu einer Anregung des Appetits führen. Die Wirkung von Schilddrüsenhormonen
ist jedoch abhängig vom aufgenommenen Kaloriengehalt der
Nahrung. Insbesondere wenn eine kalorienreduzierte Diät durchgeführt wird,
fällt die Wirkung von LT-3 um einiges schwächer aus als bei einer normalen
Kalorienzufuhr. Wird dagegen ausgiebig gespeist, so kommt es unter der
Einwirkung von LT-3 zu einer deutlichen Stoffwechselanregung oder auch
Thermogenese. Von Thermogenese spricht man dann, wenn zugeführte
Kalorien verbrannt (also in Wärme umgewandelt werden). So treten oft
schon während der Mahlzeit Hitzewallungen auf, die auch mit einer vermehrten
Schweißproduktion einhergehen können.

Eine weitere interessante Anwendung von Schilddrüsenhormon ist die offseason
im Radsport. Nachdem die Radsportsaison im Herbst zur Neige geht,
satteln beispielsweise viele aufs MTB um und halten so die Motivation und
die Trainingsumfänge hoch. Nachdem so der Saison das i-Tüpfelchen aufgesetzt
worden ist, kommt der Einbruch dann unweigerlich mit dem Einzug der
naßkalten Jahreszeit. Oft fällt es dem Athleten schwer, die Kalorienzufuhr
außerhalb der Saison zu drosseln, hat sich doch der Körper an die ausgiebige
Kohlehydratmast gewöhnt. Schuld daran ist oft der bei vielen Athleten zu
hohe Kohlehydratanteil in der Nahrung während der Saison.

Manche Athleten benutzen auch den Sport als Ausrede, um sich einer ausgiebigen
Völlerei hingeben zu können. Diese sind dann naturgemäß in der kalten
Jahreszeit weit mehr anfällig. Oft ist auch die Kalorienzufuhr während der
Saison oberhalb des Bedarfs. Was oft übersehen wird ist die Tatsache daß der
menschliche Organismus sehr anpassungsfähig ist und sich auf hohe
Kalorienzufuhren einstellt. Vor allem in Verbindung mit einem ausgiebigen
Training kann dies dazu führen, daß die Verdauungseffizienz sinkt, der
Körper folglich nicht mehr in der Lage ist, den vollen Energiegehalt aus der
Nahrung zu gewinnen. Dies liegt darin begründet, daß es durch die übermäßige
sympathische Stimulation während der Saison zu einer Senkung des
Aktivitätsgrades der Verdauungsorgane kommt. So können beispielsweise
aus 100 g Vollkornnudeln die 370 kcal beinhalten vielleicht gerade 300 kcal
gewonnen werden. Dadurch kommt es letzten Endes zu einer weiter erhöhten
Kalorienzufuhr. Dieses Bild ändert sich allerdings oft ganz schnell — nämlich
dann wenn es in die Trainingspause geht — der Organismus hat dann plötzlich
wieder Zeit und Energie, sich der Verdauungstätigkeit zu widmen. Die sympathikonische
Überaktivierung nimmt zugunsten eines parasympathischen Zustandes ab.

Was dies dann in Verbindung mit einem gleichzeitig noch
stark gesenktem Trainingsumfang, einem verringerten Energieumsatz und
einer deutlich niedrigeren Stoffwechselgeschwindigkeit bedeutet, stellt
meist für den Athleten ein größeres Problem dar: Der Aufbau von Körperfett
und damit die Bildung von unansehnlichen Rettungsringen im Bereich der
Hüfte. Wer hier gemäßigte Dosierungen von LT-3 verwendet, der kann dieser
Reaktion des Körpers wirkungsvoll begegnen. Dennoch ist Vorsicht geboten,
da man sich schnell an die durch Schilddrüsenhormone hervorgerufene
Wirkung gewöhnt und das Absetzen schwer fällt. Weit besser geeignet dazu
sind Supplements mit natürlichen Inhaltsstoffen, die eine deutlich sanftere
Wirkung auf den Organismus haben und dabei weit weniger Abhängigkeitspotential
besitzen.

Wo gehobelt wird, fallen Späne, und wer seinen Stoffwechsel mit Schilddrüsenhormonen
pusht, der darf sich dann auch über das Auftreten von
Nebenwirkungen nicht wundern.

Das Schilddrüsensystem ist einem relativ sensiblen Regelkreismechanismus
unterworfen. Wie bereits dargestellt, führen hohe LT-3/LT-4 Werte im Blut zu
einer Unterdrückung der TSH Produktion im Hypothalamus. Über die
dadurch gesenkte TRH-Produktion kommt es zu einer verminderten
Schilddrüsenaktivität, die ihre Produktion drosselt und im Falle einer längerfristigen
Einnahme von LT-3 sogar nahezu ganz einstellt. Erfahrungsberichte
von Athleten führen dabei zu ganz unterschiedlichen Resultaten. Während
die einen nach dem Absetzen von Cytomel® beispielsweise von dauerhaften
Heißhungerattacken, Mattigkeit und Konzentrationsproblemen berichten,
scheinen andere keinerlei negative Wirkungen zu verspüren. Dies sind allerdings
Ausnahmefälle. Bei der Verwendung von Schilddrüsenhormonen die
richtige Dosierung zu finden, ist eine sehr diffizile Angelegenheit. Ein zuviel
kann beim Athleten zum Auftreten von Streß, Nervosität und einem deutlichen
Unwohlsein, das bis hin zu psychischen Störungen gehen kann, führen.
Außerdem können Schilddrüsenhormone bei höheren Dosierungen zu
Herzflattern, Tremor, kalten Schweißausbrüchen, zu Zuckerausscheidungen
im Urin, zu Durchfall und zu einer Gewichtsabnahme führen. Dies kann unter
Umständen sogar soweit gehen, daß Herzrhythmusstörungen auftreten.
Werden dagegen zu geringe Dosierungen verwendet, so bleibt die Wirkung
unter Umständen zum großen Teil aus.

 

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