ORAL-TURINABOL

Oral-Turinabol ist das wohl einzige anabole Steroid, das gezielt entwickelt
worden ist, um die sportliche Leistungsfähigkeit von Athleten zu steigern.
Oral-Turinabol wurde Anfang der sechziger Jahre von Jenapharm entwickeltt
und mauserte sich schnell zum Mittel der Wahl im DDR-Leistungssport. Die
Tatsache, daß sich die DDR Leistungssport-Elite, obwohl mit Sicherheit
Zugriff auf alle gängigen anabolen Steroide vorhanden war, im Wesentlichen
auf Oral-Turinabol beschränkt hat, sollte für den Athleten Grund genug sein,
dieser Substanz vermehrte Aufmerksamkeit zu schenken.

Zur besseren Klassifizierung der Wirkungsweise von anabolen Steroiden
wurde eine Skala eingeführt, mittels derer man sowohl die androgene als
auch die anabole Wirkung des jeweiligen Steroids einstuft. Als Maßstab
dient dabei Testosteron, das mit jeweils 100 bei der anabolen als auch bei
der androgenen Wirkung eingestuft ist. Oral-Turinabol weist eine vergleichsweise
niedrige androgene Wirkung (6) bei einer mittleren anabolen Wirkung
(53) auf. (Die beiden Vergleichswerte beim Dianabol betragen 45 bzw. 90).
Bezüglich der anabolen Wirkung gilt daß OT verglichen mit Dianabol eine
geringere proteinsparende Wirkung besitzt.

Den Erfahrungen von Athleten nach scheint diese Einstufung eher einen
theoretischen Wert zu haben: Nicht umsonst war Oral-Turinabol nicht nur in
den Ausdauersportarten, sondern auch in der Leichtathletik und im
Schwimmsport so beliebt.

Im Gegensatz zu anderen Ländern war in der früheren DDR die Verwendung
von anabolen Steroiden von Staatswegen gesteuert. Daher existieren medizinische
Dokumente, welche die Wirksamkeit von Oral-Turinabol (OT) belegen:
In einer von Rademacher et al. durchgeführten Untersuchung (Doppel-
Blind-Studie) wurde die Wirkung von OT auf die sportliche Leistungsfähigkeit
von Kanufahrern untersucht. Dabei stellte sich heraus, daß es bei
der Oral-Turinabol Gruppe zu einer deutlich schnelleren Leistungssteigerung
als bei der Kontrollgruppe kam. Bei der über einen Zeitraum von 6 Wochen
durchgeführten Studie wurde den Athleten 10 mg Oral-Turinabol pro Tag
verabreicht. Zum Ablauf dieser Frist hin wies die OT-Gruppe eine um 300 %
größere Verbesserung (auf einer 500 m Teststrecke) auf als die Kontroll-
(Plazebo)-Gruppe. So wird ersichtlich, warum Oral-Turinabol im DDRLeistungssport
in allen Ausdauersportarten derart beliebt war.

Eines der größten Probleme des intensiv trainierenden Ausdauersportlers ist
die muskuläre Regeneration. Viele Wettkampfathleten erfahren genau dann
einen Leistungsschub, wenn sie ihr Training deutlich einschränken. Dies mag
zwar auf den ersten Blick seltsam klingen, liegt aber einfach daran, daß sich
mehr als 90% der Wettkampfathleten in einem”muskulären Übertrainingszustand”
befinden. Das bedeutet, daß die gesetzten Trainingsbelastungen
nicht mehr verarbeitet werden können, und es so zu Überlastungssymptomen
wie Muskelverspannungen oder erniedrigten Maximal-pulswerten bei intensiven
Belastungen kommt.

Durch die Gabe von Oral-Turinabol kommt es zu einer spürbaren Beschleunigung
der Regeneration: Der Athlet bewältigt größere Trainingsumfänge
ohne ins Übertraining abzugleiten. Es kommt so zu schnelleren Leistungssteigerungen.
Oral-Turinabol hat auch spürbare psychische Auswirkung, die
sich vor allem in einer verbesserten Motivation bemerkbar machen. Auch im
Bezug auf die sportliche Leistungsfähigkeit gilt, daß Körper und Geist eine
Einheit bilden. Wer nicht hundertprozentig bei der Sache ist, der wird auch
nicht das Maximum aus seiner Trainingseinheit herausholen. Bei Trainingsumfängen
von 20 oder mehr Stunden pro Woche kann sich schnell eine
gewisse Trainingsunlust einschleichen, die der Leistungsentwicklung nicht
gerade förderlich ist.

Man schaue sich die Leistungsexplosionen vieler Nachwuchsathleten an, die
nicht zuletzt aus einer sichtbaren Trainingsfreude, gepaart mit einem enormen
Trainingseifer erwachsen. So profitieren vor allem ältere Athleten vom
Hormonschub durch Oral-Turinabol: Eine bessere Motivation, mehr Biß und
Elan führen dann auch schnell zu Leistungszuwächsen.

Athleten, die Oral-Turinabol verwenden, berichten davon, daß sie ihr Training
konzentrierter und mit mehr Elan anpackten. Oral-Turinabol ist eines der
wenigen Steroide, die nicht zu Stimmungsschwankungen führen, sondern dem
Athleten zu einer stabilen psychisch-emotionellen Konstitution verhelfen.
Das größte Problem im Umgang mit anabolen Steroiden im Ausdauersport
ist, die richtige Dosierung zu finden. Es gilt jenen unerwünschten Pumpeffekt
auf die Muskulatur zu vermeiden, der zu einer Einschränkung der
Kapillardurchblutung führt. Genau in diesem Punkt hebt sich Oral-Turinabol
von anderen Steroiden ab. So berichten Radrennfahrer oder Triathleten bei
der Verwendung von Oral-Turinabol weit seltener von Muskelverspannungen
und Verhärtungen als mit anderen Steroiden. Obwohl in den medizinischen
Aufzeichnungen ehemaliger DDR-Sportärzte das Auftreten von „Hartspann”
(Muskelverhärtungen) beim Athleten wiederholt zu finden ist, kommt es bei
den im Ausdauersport üblichen Dosierungen eher selten zu dieser Nebenwirkung.
In den meisten Fällen verwenden Radfahrer neben anabolen
Steroiden gleichzeitig Corticosteroide. Anabole Steroide führen zu einer vermehrten
Einlagerung von Nährstoffen und Wasser in die Muskelzelle,
Corticosteroide dagegen zu deren vermehrtem Abbau. Im Zusammenwirken
kann dies unter Umständen zu einer beschleunigte Regeneration führen. Dies
ist auch der Grund dafür, warum Athleten, die Corticosteroide verwenden,
meist höhere Dosierungen an anabolen Steroiden verwenden, ohne daß es
zu einem Ansteigen des Muskeltonus kommt. Aufgrund der teilweise ausgeprägten
Nebenwirkungen von Corticosteroiden verzichten jedoch viele
Athleten auf deren Einsatz. Für diese stellt Oral-Turinabol eine gute Alternative
zu Präparaten wie etwa Testosteronpropionat dar.

Die von Dianabol oder Testosteronenantat bekannte Wasserspeicherung
bleibt bei OT aus. Während Kraftsportler oft mehrere Steroide miteinander
kombinieren, ist diese Praktik im Radrennsport mit Vorsicht zu genießen, weil
diese „Stacks” im Allgemeinen wiederum mit einem erhöhten Muskeltonus
einhergehen. Wird Oral-Turinabol als einziges Steroid verwendet, so haben
sich Dosierungen zwischen 5 und 20 mg Wirkstoff/Tag als effizient erwiesen.
Ähnlich wie bei anderen Steroiden dürfen trotzdem auch bei Oral-Turinabol
nicht zuviel Kohlenhydrate zugeführt werden. Da mit jedem Gramm eingelagerter
Kohlenhydrate auch 3 bis 4 Gramm Wasser in der Muskulatur eingelagert
werden, bekommt der Athlet besonders bei höheren Dosierungen das
Gefühl eines „aufgepumpten” Muskels. Dieses kann jedoch durch eine verminderte
Kohlehydratzufuhr in den 48 Stunden vor dem Wettkampf wieder
behoben werden, so daß es zu keinen Leistungseinbußen kommt.

Ein weiterer Vorteil der Verwendung von OT liegt in der relativ kurzen Halbwertszeit
der Substanz. OT wird vom Körper ziemlich schnell abgebaut, so
daß bereits 7 bis 10 Tage nach der letzten Einnahme keine Metaboliten mehr
im Urin nachweisbar sind. Dies wird auch deutlich, wenn man die in letzter
Zeit zahlreich auftretenden Presseberichte bezüglich Dopings mitverfolgt:
Findet man den in seiner Wirkungsweise vergleichbaren Wirkstoff Stanozolol
des öfteren in Dopinglisten, so taucht Oral-Turinabol praktisch nie auf.

Frauen, die OT verwenden, nehmen ausschließlich vergleichsweise niedrige
Dosierungen, da es durch OT ab einer Dosis von etwa 10 mg pro Tag zu den
bekannten Virilisierungserscheinungen kommen kann. Verwenden Athletinnen
OT, so wird der Anwendungszeitraum auf 4 bis 6 Wochen beschränkt,
weil mit fortlaufender Dauer der Einnahme die Gefahr von Vermännnlichungserscheinungen ansteigt.

Wie bei allen Medikamenten ist das Auftreten von möglichen Nebenwirkungen auch bei Oral-Turinabol stark dosisabhängig.

Bei Männern kommt es bereits bei geringen Dosierungen nach 2 Wochen zu einer Unterdrückung der körpereigenen Testosteronproduktion
um etwa 30%. Die durch Oral-Turinabol hervorgerufene verminderte
Eigenhormonproduktion ist allerdings nicht mit Steroiden wie
Testosteron oder gar Halotestin zu vergleichen. In den im Rad- und
Ausdauersport üblichen Dosierungen ist das Auftreten einer Gynäkomastie
nahezu auszuschließen. Da Oral-Turinabol ein orales Steroid ist und zur
Gruppe der alpha-17-alkylierten Steroide gehört, ist die Gefahr einer möglichen
Leberschädigung nicht auszuschließen. Allerdings konnten bei den verwendeten
Dosierungen von 10 mg/Tag keinerlei Erhöhungen der spezifischen
Leberwerte (GOT, GPT, gGT) festgestellt werden. Erfahrungsgemäß tritt eine
vermehrte Talgdrüsenproduktion in den angegebenen Dosierungen kaum
auf. Dennoch konnte mittlerweile nachgewiesen werden, daß es durch die
langfristige Verwendung von Oral-Turinabol in der ehemaligen DDR zu
bleibenden Spätschäden gekommen ist. So mußten sich etliche Trainer und
Betreuer vor Gericht verantworten, da sie Sportlern Oral-Turinabol verabreicht
hatten.

Für die allermeisten Sportler stellt Oral-Turinabol ohnehin „keine Versuchung”
dar, da das Präparat mittlerweile aus dem Handel genommen worden ist.
Einzig auf dem Schwarzmarkt kursieren von Zeit zu Zeit nachproduzierte
Tabletten mit dem Wirkstoff Chlordehydromethyltestosteron.

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