NOOTROPIKA

Die Bezeichnung »Nootropika« stammt aus dem Griechischen und bedeutet »auf das Gehirn wirkend«. Als erstes Nootropikum wurde das Piracetam in den Sechziger Jahren in Labors des belgischen Pharmaunternehmens UCB entdeckt. Während Nootropika als kognitive Stimulantien vor allem in den USA von immer mehr Menschen regelmäßig eingenommen werden, ist über leistungssteigernde Wirkungen im Hinblick auf den Sport bisher wenig bekannt. Es ist aber anzunehmen, daß Nootropika dem Athleten Vorteile bringen müßten, der komplizierte neue Bewegungsabläufe erlernt oder trainiert (etwa im Hochsprung, WeitSprung, Boxen oder anderen Kampfsportarten, etc.). Nootropika sind im allgemeinen sehr gut verträglich und so gut wie nebenwirkungsfrei.

PIRACETAM

Piracetam (2-Oxo-Pyrrolodin-Acetamid), ein Derivat der Gamma- Amino-Buttersäure, ist chemisch eng verwandt mit der Aminosäure Pyroglutamat. In der Medizin wird Piracetam zur Behandlung von Alkoholismus, Schlaganfällen, seniler Demenz, Dyslexie, gesteigerter Ermüdbarkeit, Antriebsmangel, Gedächtnisstörungen und Konzentrationsschwäche eingesetzt. In Einzelfällen kann es dabei allerdings zu gesteigerter motorischer Aktivität (Bewegungsdrang), Schlafstörungen, sexueller Erregung und Aggressivität kommen, ebenso wie zu Gewichtszunahme, depressiver Verstimmung, Schwindel, Magen-Darm-Störungen und Schwankungen des Blutdrucks.

Piracetam verstärkt die Wirkungen von Amphetaminen, Psychotropika und Hydergin. Vorsicht also bei gleichzeitiger Anwendung dieser Stoffe. Nach DEAN und MORGENTHALER steigert Piracetam die kognitiven Hirnfunktionen bei einer Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff, die Gedächtnisleistung sowie die Lernfähigkeit und erhöht den Informationsfluß zwischen der rechten und der linken Gehirnhälfte. In einem Laborversuch wurde an Mäusen beobachtet, daß die Gabe von Piracetam über einen Zeitraum von zwei Wochen die Anzahl der cholinergen Rezeptoren im Gehirn um 30 bis 40 Prozent steigern konnte.

BERENDONK führt in ihrem Buch »Doping-Dokumente« (Springer-Verlag 1991) eine Studienreihe an, die von Wissenschaftlern der ehemaligen DDR in den Jahren 1986 und 1987 an Boxern und Gewichthebern durchgeführt wurde. Demnach war Piracetam »… in allen gewählten Dosierungen gut verträglich. « Ein positiver Einfluß des Medikaments auf den Dopaminstoffwechsel war ebenso nachweisbar wie eine mobilisierende Noradrenalin-Freisetzung. Nach elf Wochen traten allerdings »in der Tendenz« Änderungen im Wachstumshormon- und Dopaminstoffwechsel auf (welche, wird an dieser Stelle nicht ausgeführt; wahrscheinlich aber leistungsmindernde). Die Wissenschaftler schlossen auf eine »Begünstigung des zentralnervalen Energiestoffwechsels ohne Auslösung von Erregungsvorgängen« und eine »Unterstützung des Adaptionsprozesses in der psychophysischen Belastungsverarbeitung « bei der Gabe von Piracetam. Eine exakte Leistungsstungssteigerung ließ sich allerdings nicht feststellen; die »Vorteile einer Piracetam-Behandlung bestanden eher im Sinne der Unterstützung für eine erfolgreiche Bewältigung der Trainingsbelastung. « Überdies war der biologische Effekt noch zwei bis drei Wochen nach Absetzen des Medikaments nachweisbar.

Mittlerweile wurden eine Reihe von Piracetamverbindungen entwickelt, die z.T. eine stärkere Wirksamkeit aufweisen als das Original: Pramiracetam, Oxiracetam und Aniracetam. All diese Nootropika wirken nach dem Schwellwert- Prinzip: Bei zu hoher Dosierung können sich die positiven Wirkungen ins Gegenteil verkehren: Statt erhöhter Gedächtnisleistung und Konzentration stellen sich Verwirrung und Gedächtnisstörungen ein.

Piracetam ist in Dosierungen von 400 bis 800 mg erhältlich; die übliche Tagesdosis liegt nach DEAN/MORGENTHALER bei 2400 bis 4800 mg, verteilt auf drei Gaben von 800 bis 1600 mg. In der oben angeführten DDR-Studie wurde mit relativ hohen Dosierungen gearbeitet, doch empfiehlt es sich im Hinblick auf die Schwellwert-Charakteristik des Wirkstoffes, die Dosierung niedrig zu halten. DEAN und MORGENTHALER berichten, daß sich die Wirkungen von Piracetam bei gleichzeitiger Gabe von DMAE, Centrophenoxin, Cholin oder Hydergin steigern lassen.5 Die Kombination von Cholin und Piracetam hat sogar synergetische Wirkungen, d.h. der Gesamteffekt ist größer als die Summe der Einzelwirkungen, und die Wirkung der Kombination von Piracetam und Hydergin soll sich nach CHERKIN um den Faktor fünf gegenüber den Einzelwirkungen erhöhen.6 Gute Ergebnisse lassen sich erzielen mit 400mg Piracetam, kombiniert mit je einer Tablette Hydergin, zwei bis dreimal täglich eingenommen. Es kann allerdings mehrere Wochen dauern, bis sich die positiven Effekte von Piracetam zeigen.

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