Natriumpyruvat oder Calciumpyruvat

Die Nahrungsergänzungen Natriumpyruvat oder Calciumpyruvat sind Salze der Brenztraubensäure. Brenztraubensäure (engl. Pyruvic Acid) ist ein Produkt des Glucosestoffwechsels im Körper. Es fällt bei der Adenosintriphosphat (ATP)-Produktion an und galt lange als Abfallprodukt der Energiegewinnung auf zellularer Ebene, da es den Krebs-Zyklus lediglich einleitet. Neuere Untersuchungen legen allerdings den Schluß nahe, daß Brenztraubensäure ursächlich für die ATP-Bildung in den Zellen verantwortlich ist; jedenfalls kann es die ATP-Gewinnung in Leberzellen deutlich steigern. Diese Fähigkeit erweist sich als besonders wichtig bei kalorienreduzierten Diäten. Schon nach wenigen Tagen verringerter Nahrungszufuhr fällt der ATP-Gehalt in den Zellen der Leber stark ab.

Damit steht nicht mehr genug Energie zur Verfügung, um das Schilddrüsenhormon T4 in das aktive T3 umzuwandeln (Schilddrüsenhormone zählen zu den stärksten Hormonen des Körpers. Sie sind verantwortlich für die Aufrechterhaltung eines hohen Grundumsatzes an Kalorien). Je mehr Schilddrüsenhormon T3 im Körper zirkuliert, desto mehr Kalorien werden verbrannt. Bei einem Abfall des ATP-Gehalts in der Leber wird nicht mehr genug T4 von außen in die Leberzellen transportiert, das dort zu T3 umgebaut werden kann. Folglich sinkt die Körpertemperatur und der Fettabbau verlangsamt sich. Bei ausreichenden Nahrungsmengen stellt sich dieses Problem nicht; sobald genügend Glucose vorhanden ist, läuft auch die ATP-Produktion in der Leber normal. Doch bei kalorienreduzierten Diäten fällt der Glycogengehalt (Glycogen ist die Speicherform der Glucose, es besteht aus zwei Molekülen Glucose) in der Leber stark ab, da Leber und Muskeln mit weniger Glucose aus Nahrungskohlenhydraten versorgt werden. Substanzen wie die Aminosäure L-Taurin oder mittelkettige Triglyzeride (engl. Medium Chain Triglyzerides — MCT) unterstützen die ATP-Produktion bei einer Unterversorgung mit Kalorien. Auch der Verzicht auf Tafelzucker und Fruchtzucker hilft dabei. Den stärksten Einfluß auf die ATP-Bildung hat aber die Brenztraubensäure. So lassen sich bei Zufuhr von Pyruvat (dem Salz dieser Säure) Leberzellen im Reagenzglas bis zu zwei Wochen am Leben halten, was nur mit einer starken Stimulation der ATP-Produktion zu erklären ist. Zum Vergleich: Bei alleiniger Zufuhr von Glucose überleben Leberzellen nur wenige Tage.

In verschiedenen Studien konnte nachgewiesen werden, daß Pyruvat nicht nur den Fettabbau unterstützt, sondern auch die Ausdauerleistung fördert. Allerdings mußten bei diesen Studien sehr hohe Dosierungen eingesetzt werden, um einen merklichen Fettabbau zu erzielen, etwa 16-30 Gramm pro Tag. Obwohl Brenztraubensäure, eine körpereigene Substanz, als gut verträglich gilt, stellt doch der hohe Mineralstoffanteil ihrer Salze ein Problem dar. 30 Gramm Natriumpyruvat liefern mehr als 7 Gramm Natrium. In dieser Menge führt Natrium zu einer Störung der Natrium-Kalium- Balance im Körper; es wird vermehrt Kalium ausgeschieden. 30 Gramm Calciumpyruvat liefern mehr als 6 Gramm Calcium; bei einer Calcium-Zufuhr von mehr als 2 Gramm pro Tag gerät aber die Calcium-Phosphat-Balance aus dem Gleichgewicht. Zudem wird die Supplementierung mit Pyruvat in diesen Mengen ziemlich teuer.

Auch wenn vieles dafür spricht, daß diese Mengen nur kurze Zeit zugeführt werden müssen, um die Brenztraubensäure-Speicher aufzufüllen und dann geringere Mengen (um 5 Gramm pro Tag) ausreichen, um den Spiegel auf hohem Niveau zu halten, können Mengen von bis zu 30 Gramm Pyruvat nicht guten Gewissens empfohlen werden. Wegen der Störung der Elektrolytbalance ist mit ernsthaften Nebenwirkungen zu rechnen, wenn keine begleitenden Untersuchungen durch einen versierten Arzt erfolgen. Wie effektiv ist Pyruvat? Bei einer Untersuchung in den USA verloren stark übergewichtige Frauen (im Durchschnitt 110 kg schwer) mit einer 1000 kcal-Diät und 20g Nariumpyruvat, plus 16g Calciumpyruvat (das sind 36 Gramm Pyruvat pro Tag!) über einen Zeitraum von 3 Wochen ein halbes Pfund mehr an Gewicht pro Woche, als die Kontrollgruppe mit einem Placebo. Der effektive Verlust an Körperfett machte drei Viertel davon aus, also etwa 170g pro Woche mehr, als ohne Pyruvatzufuhr.

Bei einem aktiven Menschen, der seine Diät durch reichlich Bewegung oder Sport unterstützt, ist bei Pyruvatzufuhr mit einem höheren Fettverlust zu rechnen. Sie sollten aber von hohen Pyruvatdosierungen Abstand nehmen. Die führende Autorität auf diesem Gebiet, der US-Mediziner Stanko, hat sich für eine sichere Dosis von nur 5 Gramm am Tag ausgesprochen. Längerfristig dürften sich auch bei dieser Menge fettverbrennende Effekte einstellen. Wer den Fettabbau mit Pyruvat beschleunigen möchte, der sollte folgende Co-Faktoren einsetzen: L-Taurin (in einer Dosierung von bis zu 1000mg pro Tag) und mittelkettige Triglyzeride (MCTs) bis zu 3 Eßlöffeln pro Tag.

Eine langsame Gewöhnung an MCTs ist anzuraten; obwohl MCTs an sich unbedenklich sind, so bedarf es doch einiger Zeit, bis der Körper sich darauf einstellt; höhere Dosierungen als 3 Eßlöffel pro Tag werden oft nicht vertragen. Beginnen Sie mit einem Eßlöffel am ersten Tag, steigern Sie auf 2 Eßlöffel am dritten Tag und 3 Eßlöffel am fünften Tag. Sie können MCTs in Milchshakes oder andere Getränke einrühren, oder als Salatöl verwenden, doch sollten Sie MCTs auf keinen Fall stärker erhitzen, wie es etwa beim Kochen oder Braten geschehen würde, sonst werden die mittelkettigen Fettsäuren zerstört.

Außerdem sollten Sie auf Tafelzucker und Fruchtzucker nach Möglichkeit völlig verzichten. Die Anwendung von Pyruvat erscheint im Augenblick noch etwas teuer, gerade im Hinblick auf seine beschränkte Wirksamkeit. Es dürfte den größten fettabbauenden Effekt in Verbindung mit einer kalorienreduzierten Diät, sportlicher Betätigung und bei gleichzeitiger Zufuhr der oben genannten Co-Faktoren entfalten. Für eine ketogene Diät (Atkins/Anabole Diät) ist es ebenfalls geeignet, doch muß in diesem Fall auf den Co-Faktor MCTs verzichtet werden, da diese eine effektive Nutzung von Körperfett als Energiequelle bei dieser Ernährungsform verhindern.

 

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