Nachweis anaboler Steroide beim Sportler

8.1 Einführung In der Mitte der siebziger Jahre kam es zu einer grundlegenden Änderung in der Einschätzung anaboler Steroide. Statt die Wirkung von Steroiden auf den menschlichen Körper weiterhin eingehend zu untersuchen, wurden nun kostspielige Methoden entwickelt, um den Steroidgebrauch bei Sportlern kurz vor oder während eines Wettkampfs nachzuweisen. Kann einem Athleten heute der Einsatz anaboler Steroide nachgewiesen werden, führt dies unweigerlich zur Disqualifikation. Zwei Gründe waren bestimmend für diesen Richtungswechsel in der Sportmedizin: Die großen Sportorganisationen erkannten die Notwendigkeit, ihre Veranstaltungen „sauber” zu halten, und sie konnten mit der Ächtung anaboler Steroide die “Chancengleichheit’ waren. Letzteres setzt aber voraus, daß Steroide dem Athleten wirklich einen physiologischen oder emotionellen Vorteil im Wettkampf verschaffen. In der Tat zeichnete sich schon in Untersuchungen aus dieser Zeit ab, daß Steroide in Kombination mit intensivem Training und angemessener Diät Muskelmasse, Kraft und Ausdauer steigern. Als in der Sportmedizin dann das Schlagwort von der Nutzen/Risiko-Abschätzung beim Einsatz anaboler Steroide die Runde machte, stoppten die Sportorganisationen 1975 die Forschung auf dem Gebiet der Leistungssteigerung durch diese Medikamente. Die zu erwartenden Risiken des Steroidgebrauchs schienen vernachlässigbar; die Vorteile des Einsatzes anaboler Steroide aber waren den eingeweihten Athleten bekannt. Diese Sportler sahen in der offiziellen Ächtung der Steroide lediglich eine Verunsicherungstaktik. Um das Vordringen weiterer Informationen über die Wirksamkeit anaboler Steroide einzudämmen, wurde von offizieller Seite entschieden, die Forschung auf diesem Gebiet einzustellen oder wenigsten stark zu begrenzen. Man wechselte von der Wirkungsforschung über zur Nachweisforschung. Doch selbst die umfangreichsten Dopingtests konnten den Gebrauch anaboler Steroide nicht verhindern; die Sportler entwickelten sogar Maskierungsstrategien, um die Dopingtester zu täuschen. So nahm der Einsatz von Steroiden im Sport weltweit eher noch zu. Trainer und Athleten informierten sich genauer über Gegenmaßnahmen und bereiteten sich auf Dopingtests sorgfältig vor. Die präzise Bestimmung der Halbwertzeiten von Steroiden und das Wissen über die Genauigkeit der Laborapparatur machen es bis heute relativ einfach, den Test trotz Doping zu überstehen.

Nachweistechniken in Dopingtests Die mit der Durchführung von Dopingtests befaßten Wissenschaftler’-‘ favorisieren mehrere Nachweistechniken. Der Umfang der Gelder, die darauf verwandt werden, diese Nachweistechniken zu verbessern, schwankt. In der heutigen Dopinganalytik werden zum Nachweis von verbotenen Substanzen in den Körperflüssigkeiten der Athleten Gaschromatographie, Massenspektrometrie und Radioimmunoassay- Verfahren (RAI) eingesetzt. 1975 untersuchten WARD und Mitarbeiter’ die Eignung von Gaschromatographie und Massenspektrometrie für die für den Nachweis anaboler Steroide im Urin von Sportlern. Obwohl ihre anfänglichen Untersuchungen lückenhaft waren, zeigen sie doch, daß Metaboliten** bestimmter Steroide mit diesen Methoden im Urin nachgewiesen werden können. Der Nachteil dieser Verfahren ist die lange Dauer jeder Analyse. WARD und Mitarbeiter schlugen Radioimmunoasments say-Verfahren zum Nachweis von Steroiden vor; Gaschromatographie und Massenspektrometrie sollten zur weiteren Eingrenzung des verwendeten Medikaments eingesetzt werden. Zur Zeit können aber noch nicht alle anabolen Steroide mit RAI-Verfahren nachgewiesen werden. Seit 1975 sind RAI-Verfahren immer mehr verfeinert worden; mittlerweile können alle anabolen Steroide mit dieser Untersuchungsmethode nachgewiesen werden. ‘b Die Bestimmung des Gonadotropin/Testosteron Verhältnisses kann ebenfalls verwendet werden, um die Zufuhr exogenen Testosterons nachzuweisen.4.5•6 Obschon die RAI-Methode einige technische Probleme aufwirft, bleibt sie eine exzellente und genaue Methode für den Nachweis des Gebrauchs von Steroiden kurz vor oder während des Wettkampfs.

Betrachtungen zum Nachweis von Steroiden

Viele Athleten machen sich Gedanken über die durchschnittlichen „Nachweiszeiten” einzelner anaboler Steroide. Dieses Zeitintervall zwischen dem Absetzen des Medikaments und seinem Abbau im Körper bis zu einer Menge, die nicht mehr nachweisbar ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Von der Art des Steroids, der Dosierung, der Dauer der Anwendung sowie einigen schwer zu definierenden Variablen wie z.B. der Stoffwechselaktivität des Athleten, seinem Trainingsstand und seiner generellen körperlichen Verfassung. Spuren von Metaboliten oraler anaboler Steroide können in der Regel ein bis zwei Wochen nach dem Absetzen des Medikaments nachgewiesen werden. Metaboliten anaboler Steroide auf Ölbasis sind bis zu einem Monat im Urin nachweisbar; Metaboliten anaboler Steroide auf Wasserbasis sind in etwa so lange wie die der oralen Steroide nachweisbar* Wenn ein – Athlet Hormone einnehmen möchte, deren Wirkung nach dem Absetzen bis zum Wettkampf anhält, könnte er den Gebrauch von Choriongonadotrophin (HCG) während des letzten Monats bis zum Wettkampf in Erwägung ziehen (siehe hierzu Kapitel 7). Die unterstützende Zufuhr von HCG erhöht den Testosteronspiegel auf „natürliche’ Weise über die Hypothalamus-Hirnanhangdrüse-Hoden Achse. Die (messbaren) Werte von Serum- und Uringonadotrophin sind nach der Injektion für etwa eine Woche signifikant erhöht. Das Verhältnis von Gonadotropin zu Testosteron wird nicht so nachhaltig verändert, wie es bei der alleinigen Zufuhr von Testosteron der Fall wäre. Allerdings existieren keine Daten über die exakte HCG-Dosis, die zum „Überlisten’ der Dopingtester eingesetzt werden müßte. Siehe hierzu Tabelle 5. Wenn HCG zuletzt eine Woche vor dem Wettkampf injiziert wird, dürften keine messbar abnormen Werte auftreten, der Verlust an anabolem Potential wird aber erheblich verringert. Somit wäre ein Athlet in der Lage, seinen supranormalen Status bis zum Zeitpunkt des Wettkampfes aufrechtzuerhalten, ohne Angst vor einem positiven Resultat des Dopingtests haben zu müssen.

Dieses Schema beruht auf rein theoretischen Erwägungen und soll allein der Anschaulichkeit dienen.

Metaboliten der Steroide können im Urin von Sportlern nachgewiesen werden. Da es aber völlig unmöglich ist, jeden Athleten während seiner Sportkarriere fortlaufend zu testen, haben die kostspieligen Dopingtests bei der Beseitigung des Steroidgebrauchs auf allen Wettkampfebenen bis hin zu den Olympischen Spielen versagt. Der Gebrauch von Steroiden konnte auf diese Weise nicht einmal eingedämmt werden. Bis heute gibt es keine zuverlässige Methode, mit der nachgewiesen werden könnte, ob ein Athlet irgendwann in seiner Laufbahn einmal anabole Steroide eingesetzt hat.

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