Muskelaufbau – FGF und IGF-1

Muskelaufbau – FGF und IGF-1 Trenbolon galt früher als das Steroid, mit dem man angeblich eher Kraft-, jedoch keine nennenswerten Muskelzuwächse zu erwarten hatte. Wie wir gesehen haben, ist es jedoch sehr vergleichbar mit Testosteron, wenn es um die Stimulierung des Muskelwachstums geht, und Testosteron ist ein Steroid, das nicht gerade für eine schwache muskelaufbauende Wirkung bekannt ist. Trenbolon scheint einen interessanten Anteil seiner anabolen Kapazität intensiv durch Faktoren wie IGF-1 und FGF (Fibroblast Growth Factor) auszuüben.

Während das IGF-1 vielen ein Begriff ist und wir darauf noch mal genauer zu sprechen kommen, so ist FGF eher unbekannt. FGF (es existieren mehrere FGF Typen) weist einen gewissen Effekt auf, der von IGF-1 nur schwach ausgelöst wird. Es sorgt für die Reparatur der Muskulatur, indem es die Satellitenzellen (Muskelstammzellen; Myoblasten) zur Teilung anregt. Diese Zellen kann man sich grob so vorstellen, dass sie an den üblichen Muskelfasern haften und falls Schäden auftreten, sich mit diesen verbinden, um den Schaden zu beheben. Inzwischen wird vermutet, dass FGF essentiell für die Muskelreparatur ist, denn Mäuse, die FGF-6 nicht synthetisieren können, können Muskelschäden nicht oder nur bedingt und fehlerhaft reparieren. FGF induziert sozusagen die Reparaturprozesse und die Aktivität der Satellitenzellen. IGF-1 regt hauptsächlich das Wachstum von Muskelzellen an und scheint mitunter mit seinen verwandten Varianten eine essentielle Rolle zu spielen, wobei viele Wirkungsweisen noch nicht wirklich geklärt sind.

Verabreichte man Trenbolon an Ratten und entnahm daraufhin die Satellitenzellen, so konnte man eine erhöhte Sensibilität gegenüber FGF und IGF-1 feststellen. Wenn man sich bewusst ist, dass diese Zellen die Grundlage der Muskelregeneration darstellen und die genannten Faktoren mitunter zu den wichtigsten gehören, so kann man sich ausmalen, wieso diese erhöhte Sensibilität erwähnenswert ist.  Nun mag man hier einwenden, viele Steroide würden eh dasselbe tun oder in einer sehr ähnlichen Weise funktionieren, doch wenn man sich ein wenig umschaut, so kann es hier gravierende Unterschiede geben. Stanozolol stellt hier ein solches Steroid dar, denn es hemmt direkt den Effekt des FGF und die damit ausgelösten Prozesse. Es bleibt offen, durch welchen Mechanismus dies geschieht – falls es die Zellen gegenüber FGF desensibilisiert, könnte Trenbolon dem eventuell entgegenwirken. Was viele Bodybuilder wohl ewig zitieren werden, ist die enorme Wichtigkeit des in der Leber produzierten IFG-1. Viele nehmen hierzu das Wachstumshormon Somatropin, in der Hoffnung, die Produktion in der Leber weiter anzuregen und damit das Muskelwachstum weiter zu stimulieren. Diese Annahme ist jedoch fehlerhaft. Zwar haben Muskelzellen IGF- 1 Rezeptoren und hier kann dieses Peptidhormon auch andocken, doch das in der Leber ausgeschüttete IGF-1 ist nach heutigen Kenntnissen irrelevant für den Muskelaufbau und Wachstum von anderen Zellen.

Das wirklich wichtige IGF-1 und dessen Abkömmlinge wie z.B. MGF (Mechano Growth Factor) werden innerhalb der Muskelzellen produziert. Es kommt also auf die intramuskuläre Konzentration an. Selbst direkte Injektionen des Wachstumshormons in die Muskulatur hinein, lösten übrigens keine erhöhten Werte dieses muskelaufbauenden Peptidhormons aus. Es würde viele Bodybuilder, die gutes Geld für Wachstumshormon ausgegeben haben, schocken, zu lesen, dass selbst bei Tieren, denen Rezeptoren für das Wachstumshormon fehlen, dennoch IGF-1 innerhalb der Leber produziert wurde, Estradiol reichte vollkommen dafür aus.

Das hepatische IGF-1 dient dem Körper hauptsächlich für die Regulation der Somatropin- Achse, durch den erhöhten IGF-1 Wert im Blutplasma senkt der Körper die Wachstumshormonausschüttung. Dockt das IGF-1 an die Muskulatur an, so wird der zuständige Rezeptor schnell herunter reguliert. Es könnte sogar soweit gehen, dass ein zu hoher Plasmaspiegel zu einer verringerten Expression des IGF-1 intramuskulär führt. Das soll heißen, dass ein zu hoher Wert im Blut zu einer geringeren Produktion im Muskel selbst führen könnte. Soviel zu der Besessenheit bezüglich der Leber-IGF-1-Werte.

Eines der effektivsten Mittel zur Anregung der IGF-1-Ausschüttung benutzen die meisten Steroid-Verwender ohnehin, größtenteils unbewusst. Die Rede ist natürlich von Trenbolon. Leider wurden entsprechende Studien immer zusammen mit Estradiol und Trenbolon Acetat in Kombination durchgeführt, aber sei es drum. Trenbolon + Estradiol führte bei Stieren zu einer Steigerung der IGF-1 Produktion in der Leber zu 70% und im Muskel zu 50%.

Die hepatische Ausschüttung ist wohl eher vom Estradiol abhängig und soll uns sowieso nicht kümmern. Die im Muskel hingegen deckt sich auch mit einem anderen 19-Norsteroid, dem Nandrolon, das auch enorme IGF-1 Werte im Muskel erzielen kann. Seien es nun Ratten oder Stiere, die Werte bewegen sich im Schnitt zwischen einem Plus an IGF-1 von 50% bei geringer Dosierung und 100% bei höheren Dosierungen, direkt im Muskel wohlgemerkt. Leider schwanken die Ergebnisse hier von Studie zu Studie, auch wegen unterschiedlicher Spezies, doch letztendlich ist die angeregte Produktion eindeutig stark. Etwas, was nicht mal dem so teueren und hochgejubelten Somatropin (Wachstumshormon) gelingt.

Es scheint, als würde ein erheblicher Anteil der anabolen Wirkung des Trenbolon und Nandrolon über die IGF-1-Ausschüttung vermittelt. IGF-1 sorgt übrigens dafür, dass die Satellitenzellen länger ihre Vitalität erhalten, d.h., man könnte sich denken, dass man durch Kraftsport und Steroidgebrauch irgendwann seine Reserven an Regenerationskapazitäten ausreizt und diese Zellen letztendlich ineffektiv werden, doch gerade diese Faktoren scheinen sie länger jung zu halten, obwohl sie im Alter normalerweise an Potential einbüßen sollten.

Beschäftigen wir uns erneut mit einem Versuch: Stieren wurde Trenbolon Acetat + Estradiol zusammen mit Leinsamen (Flaxseed) im Futter verabreicht. Das Ergebnis der Studie: Nahmen die Tiere Leinsamen zu sich, wurde die durch Trenbolon + Estradiol induzierte IGF- 1 Menge im Muskel um die Hälfte gesenkt.

Die Forscher wollten nun herausfinden, ob die Alpha-Linolensäure, ein Hauptbestandteil des Leinsamenöls, diesen Verlust bewirkte und bekamen ein sehr paradoxes Ergebnis, denn diese steigerte die erzielte IGF-1 Konzentration um das Doppelte.

Anscheinend enthalten Leinsamen einen Wirkstoff, der dies bewirkt. Ob es jedoch im Öl selbst enthalten ist, bleibt ungewiss. Es liegt jedoch nahe, dass dem eher nicht so ist, denn die Alpha-Linolensäure erhöhte die IGF-1-Konzentration. Es ist auf jeden Fall eine recht interessante Erkenntnis, auch wenn man Menschen und Stiere nicht direkt vergleichen kann, so kann man dennoch ähnliche Effekte erwarten. Die Forscher sind letztendlich nicht sicher, wodurch diese Effekte zustande kamen.

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