Melanotan II Teil 6

Wirkung und besondere Eigenschaften von MT-II

Auch wenn Melanotan II sich aus Laiensicht nur geringfügig von MT-I zu unterscheiden
scheint, sind die Differenzen erheblich größer, als man vermutet – trotz einer großen
Gemeinsamkeit. Wie bereits zuvor an anderer Stelle formuliert, entwickelt sich die Hautbräunung dadurch, dass a-MSH oder einer seiner synthetischen Agonisten (MT-I, MT-II) die Melanozyten über die Besetzung der MC1Rs zu einer vermehrten Melaninsynthese anregt.

Ebenfalls lässt sich noch festhalten, dass für die individuelle Hautbräunung nicht,
wie oftmals vermittelt wird, die Anzahl der Melanozyten ausschlaggebend ist, sondern
der Grad ihrer Aktivität. Je aktiver die Melanozyten sind, desto mehr Melanosome geben
sie über die Microtubili an die Keratinozyten ab und desto intensiver wird die Hautbräunung (Abbildung 13, 14).

In frühen Vergleichen konnte dokumentiert werden, dass MT-II noch potenter als MT-I sein kann, was zu einem noch stärkeren Hautbräunungseffekt führt. Dies liegt vermutlich einerseits an einer noch stärkeren Bindung von MT-II an die Melanocortin-1-Rezeptoren (MC1Rs) und andererseits kann es anscheinend nicht durch Enzyme abgebaut werden. Nichtsdestotrotz wird man auch von MT-II nicht automatisch braun, wie oftmals suggeriert wird. Auch bei MT-II ist UV-Strahlung in Form von Sonne bzw. Solarium nötig, nur eben bedeutend weniger. Die Gemeinsamkeit von MT-I und MT-II liegt also in der Besetzung der Melanocortin-1-Rezeptoren, doch Melanotan II interagiert mit noch mindestens zwei weiteren Melanocortin-Rezeptoren. Nachweislich besetzt MT-II noch die Melanocortin- 3- und -4-Rezeptoren (Abbildung 8) und hat einen Einfluss auf die Sexualität beider Geschlechter, was zu der Entwicklung von Bremelanotid führt. Die Auswirkung von Melanotan II auf den Appetit ist aber in Anbetracht der Tatsache, dass mehr Menschen an Fettleibigkeit als an Sexualitätsproblemen leiden und sterben, auf lange Sicht bei weitem interessanter.

Bei der Entwicklung war natürlich nicht eingeplant, dass ebenfalls die MC3Rs und MC4Rs
von MT-II stimuliert werden. Daher ist sowohl der Einfluss auf die Libido als auch auf den
Appetit als Nebenwirkung zu betrachten. Die Auswirkungen von MT-II auf die Libido als
auch auf den Appetit sind unvorhersehbar, und die meisten Anwender konnten, wenn sie
einen Effekt bemerkten, diesen zumeist nur zum Start einer MT-II-Einnahme feststellen.

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