Melanotan II Teil 3

Frühe Erprobungsphasen

Das „Arizona Team” begann zunächst, Melanotan I in präklinischen Tests außerhalb lebender Organismen (in vitro) und etwas später mit viel versprechenden Ergebnissen an
Fröschen zu testen (Abbildung 5). Im nächsten Schritt wurden präklinische Toxizitätstests an Mäusen und Ratten durchgeführt, indem den Versuchstieren z. B. über 12 Wochen bis zu 2 mg/kg MT-I verabreicht wurden.

Administration
(FDA) neben Nagern an einer weiteren Spezies durchgeführt werden, um für Tests an
Menschen freigegeben zu werden. Daher wurden vier männlichen Yucatan-Minischweinen
30 Tage lang 0,16 mg/kg Melanotan I subkutan verabreicht und im Anschluss getötet. Bei
der anschließenden Obduktion der Minischweine konnten ebenfalls keine Auffälligkeiten
festgestellt werden, und das Team reichte seine Unterlagen bei der FDA ein. Bei der FDA
durchliefen die Daten erfolgreich den Investigational New Drug (IND) Application Process.

Damit war der Weg bereitet, Melanotan I an menschlichen Probanden zu testen.
Das „Arizona Team” startete nach der Freigabe seitens der FDA umgehend klinische Studien der Phase I. Der Melanocortin-Rezeptor-Agonist wurde bei den üblicherweise einfach konzipierten Pilotstudien bzw. Phase-I-Studien an kleinen Probandenkollektiven mit variierenden Dosierungen über relativ kurze Zeiträume getestet. Melanotan I wurde an Probanden des Hauttyps I-IV (Abbildung 6) in Dosierungen von 0,08-0,16 mg/kg täglich subkutan verabreicht, die üblichen Studienzeiträume beliefen sich auf 8-12 Wochen.

 

Die Veränderungen der Haut mit und ohne Sonneneinstrahlung in Kombination mit einer
(bzw. keiner) Vergabe von MT-I wurden mithilfe eines Lichtmessgerätes (Minolta ChromaMeter CR-200) anhand von zwei Messwerten dokumentiert.

• Die Luminanz („Helligkeit”)der Haut nimmt bei einer Hautbräunung ab. Je
stärker die Bräunung, desto weiter bewegt sich die damit assoziierte L-Skala
im negativen (-) Bereich. Nimmt die Bräunung ab, verschiebt sich die L-Skala
in Richtung des positiven (+) Bereichs.

• Der blau-gelbe Farbanteil der Haut nimmt bei einer Hautbräunung zu. Je
stärker die Bräunung, desto weiter bewegt sich die damit assoziierte b-Skala
in den positiven (+) Bereich. Nimmt die Bräunung ab, verschiebt sich die
b-Skala in Richtung des negativen (-) Bereichs.

Als erstes wurde eine Kontrollgruppe geschaffen, indem man den Probanden eine Hälfte
des Rückens abklebte und die andere Hälfte fünfmal dem Sonnenlicht aussetzte. Die
Pfeile in der unteren linken Bildecke stellen die Tage dar, an denen die nicht abgeklebte
Hälfte der Rücken mit Sonnenlicht bestrahlt wurde. Deutlich zu erkennen ist die Verschiebung der b-Skala (exposed b-Scale) in den positiven und die Verschiebung der L-Skala (Exposed L-Scale) in den negativen Bereich nach der Sonnenbestrahlung. Im Verlauf des Testzeitraums sieht man, wie langsam die Bräunung der Haut abnimmt, und sich sieben Wochen nach der Sonnenbestrahlung mit dem abgeklebten Teil des Rückens (Nonexposed L, b-scale) fast deckt.

Im Gegensatz zu der Kontrollgruppe ist in Abbildung 8 eine Gruppe erfasst, die Melanotan I verabreicht bekommen hat. Bei Beginn der Testreihe wurde den Probanden
wieder eine Hälfte des Rückens abgeklebt und die andere Seite wurde mit Sonnenlicht
behandelt (Pfeile). Zusätzlich bekamen die Testpersonen von der ersten bis zur vierten
Woche MT-I verabreicht (x), was sich auch deutlich an den Skalen (Exposed L, b-scale)
ablesen lässt.

Bei einer weiteren Gruppe wurde das Bestrahlungs- und Einnahmeschema abgewandelt
(Abbildung 9). Melanotan I wurde schon zwei Wochen an die Probanden vergeben, bevor
eine Rückenhälfte dreimal dem Sonnenlicht ausgesetzt wurde. Es lässt sich aus diesem
Versuchsaufbau ablesen, dass es bei der Vergabe von MT-I nicht zu einer selbstständigen
Bräunung kommt, wie oftmals unterstellt wird, sondern Sonnenlicht zwingend benötigt
wird.

Ein weiterer Punkt, der sich im Vergleich von Abbildung 7 mit 8 und 9 feststellen lässt,
ist, dass MT-I zu einer länger anhaltenden Bräunung führt. Auf Abbildung 7 ist zu sehen,
dass es bei der Kontrollgruppe, die nicht mit MT-I behandelt wurde, ca. sieben Wochen
dauerte, bis die festgesetzten Messwerte (L, b-scale) fast wieder deckungsgleich waren –
im Gegensatz zu den Testgruppen, die mit MT-I behandelt wurden. Auf den Abbildungen
8 und 9 ist deutlich zu erkennen, dass eine nachhaltige Bräunung bis zu 12 Wochen nach
dreimaliger Bestrahlung (Pfeile) zu verzeichnen ist.

Ebenfalls hat Melanotan I einen interessanten Effekt auf die Melaninproduktion der Haut. Melanin tritt beim Menschen vor allem in zwei Varianten auf: eine braun-schwärzliche (Eumelanin), die sich von den Aminosäuren Tyrosin und L-Dopa ableitet, und eine hellere gelblich-rötliche (Phäomelanin) Variante. Das Mischungsverhältnis von Eumelanin und Phäomelanin bestimmen dabei den individuellen Hauttyp und die Haarfarbe. Je höher der Anteil von Eumelanin und je niedriger der Anteil von Phäomelanin ist, desto dunkler sind Haut und Haar. Melanotan I lässt den Körper zu Lasten von Phänomelanin verstärkt Eumelanin produzieren, was, wenn man so möchte, zu einer temporären Veränderung des Hauttyps führt. In weiterführenden Studien an der Universität in Arizona konnte noch 5-6 Monate nach der letzten Einnahme von MT-I eine verstärkte Pigmentierung der Haut nachgewiesen werden. Die Summe aller hier auszugsweise dargelegten Tests bzw. Studien ließ das „Arizona Team” zum nächsten Schritt übergehen, um MT-I als Medikament auf den Markt zu bringen.

 

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