Insulin-like growth factor-I (IGF-1)

In den letzten Jahren ist bei Bodybuildern auch die Verwendung von
IGF-1 häufiger zu beobachten. Bei dem insulinähnlichen Wachstumsfaktor
I, abgekürzt IGF-1, handelt es sich um ein Peptid, bestehend aus 70
Aminosäuren. Das Molekulargewicht beträgt 7.649. Dieser früher als Somatomedin-
C bezeichnete Stoff wird zusammen mit IGF-2 (früher Multiplikationsstimulierender
Faktor) von der Leber unter dem Einfluß von
STH gebildet und vermittelt einen Großteil der wachstumsfördernden
Wirkung [47]. Genauso wie bei STH kommt es unter dem Einfluß von
IGF-1 zu einer verstärkten Fettverbrennung und einem erhöhten Anabolismus
im Körper, erkennbar an der höheren Stickstoffspeicherung [54].
Im Gegensatz zu STH wirkt IGF-1 jedoch nicht diabetogen, sondern
senkt den Blutzuckerspiegel und erhöht die Insulinempfindlichkeit im
Körper [55, 56, 57]. Als mögliche klinische Anwendungsgebiete werden
Katabolie, Hyperglykämie, Nierenerkrankungen und Zwergwuchs
durch STH-Rezeptordefekt (Larron-Syndrom) diskutiert [48]. Klinische
Studien konnten zeigen, daß IGF-1 zu einer erhöhten Stickstoffretention
(Zunahme des Körpereiweißes) führt [49, 50], wobei dieser Effekt nach
ein bis zwei Wochen nachläßt [51, 52], aber durch die gleichzeitige Gabe von STH über längere Zeit aufrecht erhalten werden kann [53]. Bereits
1993 lenkten Grunding und Bachmann [201] das Interesse der Bodybuilder
mit folgender Aussage auf diese Substanz: »Aus zuverlässigen amerikanischen
Insiderkreisen ist zu erfahren, daß amerikanische und australische
Wissenschaftler den insulinähnlichen Wachstumsfaktor zu Injektionszwecken
hergestellt haben. Sollte dieser tatsächlich, wie es hieß,
in den nächsten Jahren auf den Markt kommen, gehört STH zu leistungssteigernden
Zwecken wohl der Vergangenheit an. Der Körper hätte
so eine viel größere Menge an dieser Substanz zur Verfügung als die
Leber jemals durch STH-Injektionen produzieren und ausschütten
könnte. Die Wissenschaft macht es möglich, daß der körperlichen Entwicklung
scheinbar keine Grenzen gesetzt sind.« Diese Aussage zeigt
deutlich, welches leistungsfördernde Potential in dieser Substanz stekken
könnte.
Die Aussagen der Athleten, die IGF-1 ausprobiert haben, sind
allerdings sehr unterschiedlich: Manche berichten von keinerlei spürbarer
Wirkung, andere von einem subjektiv dramatischen Effekt [245, 246,
persönliche Mitteilungen]. Erwähnenswert ist dabei, daß die Bodybuilder
fast ausschließlich IGF-1 für Zellkulturen verwenden, da es leichter
erhältlich ist als das für den menschlichen Gebrauch vorgesehene [245,
246]. Der Preis in Deutschland für 251.tg IGF-I für Zellkulturen liegt bei
DM 399,- [telefonische Anfrage bei der Firma Boehringer]. Auf dem
Schwarzmarkt ist die gleiche Menge IGF-1 aus dem Ausland für etwa
DM 60,- erhältlich [persönliche Mitteilungen]. In Japan ist der Wirkstoff
für den Humangebrauch offiziell zugelassen: Das Präparat heißt Somazon
® und ist deutlich günstiger zu erwerben: 10mg davon kosten in Japan
etwa DM 700,- [58].

Aufgrund des hohen Preises verwenden Bodybuilder nur sehr geringe
Mengen von IGF-1, zumeist 10-50μg pro Tag [246, persönliche Mitteilungen].
Vergleicht man dies mit den Dosierungen, die in klinischen Versuchen
verwendet wurden (10-20mg), so scheint eine spürbare Wirkung
an sich ausgeschlossen, obwohl einige dem Verfasser bekannte Athleten
subjektiv von dieser Substanz sehr überzeugt waren [persönliche Mitteilungen].
Vermutlich handelt es sich bei den beschriebenen Effekten dieses
Stoffes um reine Placeboeffekte. Mooney [247] dagegen glaubt, daß
nur die Kombination von IGF-1, STH und Insulin einen Erfolg zeigen
könne.

Die möglichen Nebenwirkungen von IGF-1 müßten denen ähneln, die bei STH-Verabreichung beobachtet wurden, wobei sie aufgrund der
hohen Skelettmuskelspezifität von IGF-1 seltener vorkommen dürften:
Akromegalie, Vergrößerung innerer Organe, Schweißausbrüche, Verdikkung
der Haut, etc. [246]. Zusätzlich sind Hypoglykämien (Unterzuckerung)
aufgrund der insulinartigen Wirkungen von IGF-1 denkbar.
Außerdem wird von einer Schwellung der Speicheldrüsen sowie einer
erhöhten Pulsrate berichtet [54].

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