Insulin

Therapeutische Anwendung

In der Medizin wird Insulin zur Behandlung von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) eingesetzt. Vornehmliches Ziel ist es, den durch Insulinmangel erhöhten Blutzuckerspiegel zu regulieren. Hierzu wird die Insulindosis individuell auf den Patienten “eingestellt”. Eine allgemein gültige Dosierung gibt es daher nicht. Diabetiker sind ihr Leben lang auf die Zufuhr von exogenem Insulin angewiesen.

Gebräuchliche Anwendungsformen im Sport

Während die Wirkungsweise von Insulin bei Diabetikern bekannt ist, gibt es keine Daten über die Auswirkungen beim gesunden Menschen. Wozu auch? Ein gesunder Mensch braucht ja kein Insulin. Die in Sportlerkreisen kursierenden Informationen beruhen daher ausschließlich auf Erfahrungswerten. In den USA wird Insulin bereits seit Jahren von Sportlern zur Leistungssteigerung — insbesondere zum Muskelaufbau — eingesetzt. Die Anzahl der europäischen Athleten, die Insulin verwenden, ist eher gering. Sportler äußern sich sehr unterschiedlich über ihre Erfolge mit Insulin: Die einen schwören auf Insulin und behaupten daß es eine unvergleichliche muskelaufbauende Wirkung besitzt. Die anderen stellen keinen Effekt fest, außer daß Insulin ihren Blutzuckerspiegel durcheinander bringt.

Bei unseren Befragungen stellte sich heraus, daß die Gruppe der Insulin-Anwender ebenfalls in verschiedene Kategorien zu unterteilen ist. Athleten, die ausschließlich kurzwirksames Insulin (Altinsulin; Wirkdauer 2-8 Stunden) verwenden, injizieren dreimal täglich 6-10 I.E. Andere wiederum schwören auf intermediärwirksames Insulin (Depotinsulin; Wirkdauer max. 24 Stunden) und injizieren nur einmal am Morgen 20-30 Einheiten. Die Kombination aus kurz- und intermediärwirksamen Insulin wird ebenfalls genutzt: Dabei werden morgens 12 I.E. Depotinsulin verwendet, 6 Stunden später 6-10 I.E. kurzwirksames Insulin und weitere 6 Stunden später noch einmal 6-10 I.E. Altinsulin injiziert. Erfahrene Athleten gehen “auf Nummer sicher” und passen die Insulin-Dosierung entsprechend ihrem Blutzuckerspiegel an. Hierzu wird ein sog. Glukometer, ein Testgerät zum Messen des Blutzuckerspiegels, verwendet. Liegt die Blutzuckerkonzentration am Morgen unter 3,0mmo1/1 (Normalwert beträgt 3,9-6,4mmo1/1), so wird kein Insulin verwendet, da die Gefahr einer Unterzuckerung zu groß ist. Im Verlauf des Tages wird der Blutzuckerspiegel mehrfach gemessen und nur dann Insulin verwendet, wenn die Blutzuckerkonzentration dies zuläßt. Zu erwähnen ist auch, daß die letzte Insulin-Injektion nicht zu spät am Abend erfolgt. Wer Insulin injiziert und kurz darauf schlafen geht, riskiert im Schlaf in einen Unterzuckerungszustand zu geraten. Das kann fatale Folgen bis hin zum hypoglykämischen Schock auslösen. Die meisten Athleten sind darüber informiert und nehmen ihre letzte Injektion (kurzwirksames Insulin — kein Depotinsulin!) etwa 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen. Insulin wird von Athleten in der Regel etwa 20 Minuten vor dem Essen injiziert. Danach folgt eine protein- und kohlenhydratreiche Mahlzeit. Die Verwendung von Insulin im direkten Anschluß an das Training ist besonders bei Bodybuildern sehr beliebt. Es ist bekannt, daß die Insulinrezeptoren der Muskelzellen zu diesem Zeitpunkt bereits auf “natürliche Weise” eine erhöhte Insulin-Sensibilität aufweisen.

Die Zellmembran wird durchlässiger für die im Blut zirkulierenden Nährstoffe. Die erhöhte Sensibilität der Rezeptoren hält etwa 30 bis 40 Minuten an. Sportler nutzen diese Phase, um in Verbindung mit Insulin verstärkt muskelbildende Nährstoffe in die Muskelzelle zu schleusen. Hierzu injizieren sie gewöhnlich direkt im Anschluß an das Training 6-10 Einheiten kurzwirksames Insulin. Unmittelbar danach wird ein Proteinshake mit zusätzlichen kurzkettigen Kohlenhydraten und verschiedenen sog. zellvolumen-erhöhenden Substanzen (Creatin-Monohydrat, L-Glutamin) verzehrt. Bezüglich der Einnahmedauer lassen sich keine allgemeingültigen Aussagen treffen. Die von Sportlern verwendeten Einnahmezeiträume reichen von kurz (3-4 Wochen) bis “länger” (mehrere Monate). Über eventuelle Wirkungsunterschiede zwischen Humaninsulin und Tierischem Insulin gibt es keine eindeutigen Aussagen. Einige Athleten erklären, die Insulinart hin und wieder zu wechseln, um einen “Gewöhnungseffekt” — der mit Wirkungsverlusten verbunden ist — zu vermeiden. Gut informierte Sportler sind sich der Gefahren einer Insulin- Anwendung bewußt. Der kanadische Redakteur Greg Zulak (MuscleMag) berichtet von Profi-Bodybuildern, die unmittelbar vor einem Wettkampf Insulin injizieren und dazu ein stark zuckerhaltiges Getränk (Traubenzuckerlösung) trinken. “Auf diese Weise kommt es zu einer prallen Muskulatur, Vaskularität und einem extrem guten Pump,” so Zulak.

Das Ganze ist mit enormen Risiken verbunden. Schon manch ein Athlet konnte anschließend nicht mehr am Wettkampf teilnehmen, da er extrem unterzuckert war und kurz vor einem hypoglykämischen Schock stand. Zulak meint, daß Profi-Sportler inzwischen besser aufgeklärt sind und in so einer brenzligen Situation den Insulin-Gegenspieler Glucagon einsetzen. Glucagon wird injiziert, und veranlaßt den Körper innerhalb kürzester Zeit den Blutzuckerspiegel wieder zu stabilisieren. Auf diese Weise läßt sich eine Hypoglykämie vermeiden. Der sog. Glucagon Emergency-Kit gehört heutzutage schon zur Standardausrüstung eines Profi-Athleten.

This entry was posted in Insulin. Bookmark the permalink.