Hydroxy-Zitronensäure

Hydroxy-Zitronensäure (engl. Hydroxycitric Acid), kurz HCA genannt, ist eine Fruchtsäure, die in einigen Garcinia-Gewächsen (Garcinia indica, cambogia und atroviridis) vorkommt. Wie ihr enger Verwandter, die Zitronensäure, wird HCA als natürliche Substanz gut vertragen. Aus der Garcinia cambogia wird auch ein Gewürz namens Tamarind gewonnen, das in der indischen Küche vielfältige Anwendung findet. Tamarind, als Paste oder Pulver in sog. Asia-Shops angeboten, ist aber nicht mit reinem HCA gleichzusetzen, da es überwiegend die nur schwach wirksame Lacton- Variante von HCA enthält. HCA blockiert das Enzym ATP-Citratlyase und damit die Umwandlung von Kohlenhydraten in Fett. Dieses Enzym leitet den Umbau von Citrat zu Acetyl-Coenzym A ein; ein entscheidender Schritt für die Synthese von Fettsäuren (Lipogenese). Wird ATPCitratlyase blockiert, können mehr Kohlenhydrate als Glycogen in Muskeln und Leber eingelagert werden; ein hoher Leberglycogengehalt vermindert den Appetit und damit die aufgenommene Nahrungsmenge. Die entscheidenden Studien zur Wirksamkeit von HCA wurden an Nagetieren durchgeführt. Bei Versuchen an Ratten konnte wie derholt nachgewiesen werden, daß HCA die Synthese von Fettsäuren nach einer Mahlzeit um bis zu 70% verminderte. Dieser Effekt hielt bis zu 12 Stunden an.

Die mit HCA versorgten Ratten zeigten weniger Appetit, fraßen weniger und nahmen so nicht so schnell an Gewicht zu, wie ihre Artgenossen aus den Kontrollgruppen, die kein HCA erhielten. Bei mageren Tieren schrumpften durch Zufuhr von HCA die Fettzellen; bei übergewichtigen Tieren ergab sich sogar eine Verringerung der Fettzellenanzahl. Wurden Ratten auf eine kalorienreduzierte Diät gesetzt, konnte bei Gabe von HCA ein um bis 45% verminderter Muskelabbau festgestellt werden.

Der US-Autor Larry Hobbs hält diesen Studien allerdings entgegen, daß beim Menschen die ATP-Citratlyase weniger stark in die Synthese von Fettsäuren eingebunden ist als bei Ratten; demnach würden sich durch die Blockierung dieses Enzyms auch kaum Vorteile für den Fettabbau ergeben. Beim Menschen wurde (im Vergleich zur Ratte) eine um bis zu 99% verminderte Enzymaktivität in Fettzellen nachgewiesen; 90% weniger Aktivität in der Leber, sowie bis zu 60% weniger in Darm und Nebenniere.

Gegen eine deutliche Wirksamkeit von HCA für den Fettabbau spricht auch ein Bericht in einem führenden US-Kraftsportmagazin, der anführt, daß viele Leute, die es ausprobiert haben, gar keine oder nur geringe Effekte verspürten. Das kann aber auch darauf zurückzuführen sein, daß Kraftsportler im allgemeinen große Mengen Kohlenhydrate umsetzen; bei ihnen werden die Glycogenspeicher durch Training regelmäßig verbraucht und durch Kohlenhydrate aus der Nahrung wieder aufgeladen. Daher dürften bei ihnen weniger überschüssige Kohlenhydrate zur Verfügung stehen, deren Umwandlung in Fett durch HCA blockiert werden kann. Bei körperlich inaktiven, oder nur wenig aktiven Menschen hingegen stellt sich das Problem schon eher; sie könnten theoretisch besser von einer HCA-Zufuhr profitieren. Gegen eine deutliche HCA-Wirkung bei kalorienreduzierten Diäten, die naturgemäß auch weniger Kohlenhydrate liefern, spricht der Umstand, daß in diesem Fall ebenfalls nur wenig Kohlenhydrate in Fett umgebaut werden können. Muskeln und Leber streben dann zunächst an, ihre Glycogenspeicher wieder aufzufüllen; auch hier dürften also nur wenig überschüssige Kohlenhydrate zur Umwandlung in Speicherfett bereitstehen.

Im Gegensatz dazu dürfte HCA seine größte Wirksamkeit entfalten, wenn entweder große Nahrungsmengen (mit hohem Kohlenhydratanteil) verzehrt werden, und/oder wenn auf körperliche Aktivität verzichtet wird. Beides ist aber kaum anzuraten, wenn jemand Körperfett abbauen möchte. Bis eindeutige Ergebnisse für eine Wirksamkeit von HCA beim Menschen vorliegen, kann HCA für den Fettabbau also nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Wer HCA ausprobieren möchte, der sei auf ein Programm von Michael Colgan verwiesen. Er empfiehlt, HCA mit L-Carnitin und Chrom zu kombinieren; beides Substanzen, die den Fettabbau ebenfalls unterstützen: Nehmen Sie dafür morgens, direkt nach dem Aufstehen 1g HCA, 1g L-Carnitin und 200mcg eines Chrom-Supplements mit zwei Gläsern Wasser ein (vorzugsweise Chrompicolinat, der in Hinsicht auf einen Fettabbau am besten wirkenden Chromverbindung). Darauf sollten 30-60 Minuten einer aeroben Tätigkeit wie radfahren, Dauerlauf oder ähnliches folgen, bevor Sie Ihr Frühstück einnehmen. Jeweils um 11 Uhr und 16 Uhr wird die Kombination aus 1g HCA, 1g L-Carnitin und 200mcg Chrom noch einmal eingenommen, wiederum mit 2 Gläsern Wasser. Drei Gramm Carnitin und 600mcg Chrom, sowie körperliche Aktiviät allein dürften schon einen merklichen Fettverlust auslösen; die Wirksamkeit von HCA kann dabei nur geschätzt werden.

Für dieses Programm spricht jedenfalls die hohe Reputation, die Colgan in Fachkreisen genießt. HCA ist — mit Einschränkungen — für eine normale Ernährung, sowie für kalorienreduzierte Diäten zu empfehlen. Bei einer ketogenen Ernährung (Atkins/Anabole Diät) wird HCA nicht zum Zuge kommen, da hier ohnehin kaum Kohlenhydrate zugeführt werden. Eine Anwendung in der Aufladephase der Anabolen Diät wäre denkbar; hier könnte vielleicht die Umwandlung von überschüssigen Kohlenhydraten in Fett verringert werden. Erfahrungen dazu liegen bislang nicht vor.

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