Frauen und anabole Steroide

Anabole Steroide werden auch von Frauen eingesetzt. Der prozentuale
Anteil der Anabolikabenutzerinnen ist jedoch deutlich niedriger als der
der männlichen Athleten. Die verwendeten Dosierungen sind naturgemäß
geringer und Frauen greifen eher auf schwach androgene Steroide
zurück. Der Grund dafür ist die begründete Furcht vor Virilisierungserscheinungen
(Vermännlichung), auf die weiter unten noch
genauer eingegangen wird.

Der Gebrauch von Anabolika bei Frauen ist besonders unter Wettkampfathletinnen
verbreitet. Auch hier muß man nach den Erfahrungen
des Autors davon ausgehen, daß sehr viele Teilnehmerinnen einer Meisterschaft
anabole Steroide einnehmen oder eingenommen haben. Bei
Freizeitsportlerinnen ist der Gebrauch solcher Präparate sehr viel seltener
anzutreffen, da die meisten Frauen nicht an einem Muskelaufbau interessiert
sind, sondern mehr Wert auf Abbau von Körperfett und Straffung
des Gewebes legen.
Es existieren aus naheliegenden Gründen keinerlei wissenschaftliche
Studien, die die Wirkungen und Nebenwirkungen von anabolen Steroiden
bei Frauen untersucht haben. Da der weibliche Körper von Natur
aus einen recht geringen Androgenspiegel aufweist, spricht die weibliche
Skelettmuskulatur sehr stark auf die exogene Gabe von anabol wirksamen
Hormonpräparaten an. So sind bei Frauen Muskelzuwächse von
5-8 kg in acht Wochen bei gleichzeitigem Fettverlust möglich, selbst
wenn nur schwache Medikamente in geringer Dosierung verwendet
werden [persönliche Mitteilungen].
Weibliche Athleten verwenden meistens solche anabolen Steroide,
die nur eine geringe androgene Wirkungskomponente besitzen, wie
zum Beispiel Stanozolol, Metenolon oder Oxandrolone. Für besonders
ambitionierte Wettkampfathletinnen reichen diese Präparate jedoch
nicht aus. So werden von einigen auch die stark androgenen Steroide
wie beispielsweise Metandienon, Trenbolon, Drostanolon oder sogar Testosteron
verwendet [201, persönliche Mitteilungen]. Die Dosierungen,
die Bodybuilderinnen verwenden, sind dabei jedoch deutlich geringer
als die ihrer männlichen Kollegen. Bei oralen Anabolika liegen sie üblicherweise im
Bereich von 5-20mg pro Tag, bei injizierbaren Anabolika
bei 50-150mg pro Woche [persönliche Mitteilungen]. Doch auch hier gibt
es Extrembeispiele. So ist dem Autor eine Athletin bekannt, die in ihrer
Vorbereitung auf eine Bodybuildingmeisterschaft 500mg Testosteron pro
Woche injizierte, eine Dosis die auch für viele männliche Bodybuilder
ausreicht, um eine deutlich positive Stickstoffbilanz zu erzielen.
Frauen sind grundsätzlich wesentlich anfälliger für Nebenwirkungen
bei Einnahme von Anabolika, als Männer.

Oft kommt es auch bei ihnen
zu Akne, Haarausfall, gesteigertem Geschlechtstrieb, Abweichungen bei
Leberfunktionstests, Verschlechterung der Blutfettwerte, Aggressivität
und Gereiztheit [persönliche Mitteilungen, 201, 204, 208]. Durch die
Suppression der Gonadotropinsekretion kann es bei Frauen auch zu einem
Ausbleiben der Regelblutung kommen [76]. Schwerwiegender Natur
sind die bei Frauen häufig auftretenden Virilisierungserscheinungen
bei Einnahme von Anabolika, insbesondere bei Verwendung der stark
androgenen Steroide. Dabei kommt es zu einer Vertiefung der Stimmlage,
Klitorishypertrophie, verstärkter Körper- und Gesichtsbehaarung
(Bartwuchs) und einer Vermännlichung der Gesichtszüge [persönliche
Mitteilungen, 76, 253]. Diese Veränderungen sind meistens irreversibel,
das heißt auch nach dem Absetzen der Anabolika kommt es, wenn überhaupt,
nur zu einer geringen Rückbildung dieser Virilisierungserscheinungen.
Bei einer Befragung von 32 ehemaligen Wettkampfbodybuilderinnen
gaben alle bis auf eine Athletin an, daß sie lieber wieder ihren
Körper vor der Einnahme der Substanzen hätten und daß sie, noch einmal
vor die Wahl gestellt, nie wieder anabole Steroide einnehmen würden
[253].

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