Finasterid Lebertoxizität

Finasterid Lebertoxizität

Wenn eine der kursierenden Informationen halbwegs wahr ist, dann ist es die, die sich auf eine lebertoxische Wirkung des Fluoxymesterons bezieht. Fluoxymesteron gehört zu den lebertoxischsten Steroiden. Doch auch hier muss einiges relativiert werden. Wie manche wissen, wurde die leberschädigende Wirkung von Steroiden einerseits von Bodybuildern und dem Gerede kaum qualifizierter Personen aufgebauscht, andererseits nutzte die Regenbogenpresse vor etlichen Jahren den Tod eines bekannten Profi-Bodybuilders dazu aus, jede mögliche Fehlinformation zu verbreiten. In diesem Zusammenhang fiel auch der Name des damals üblichen Präparats „Halotestin”, das für die schweren Leberschäden mitverantwortlich gemacht worden ist. Ich möchte diesen Fall nicht wieder aufgreifen, das haben andere schon zu Genüge getan, mögen betroffene Person in Frieden ruhen. Fluoxymesteron ist nicht nur ein 17aa-Steroid und durch diese Modifikation vom schnellen Abbau in der Leber geschützt, sondern es wurde halogenisiert und enthält ein Fluoratom am 9-Kohlenstoffatom – daher auch der Name, der mit „Flu” anfängt. Diese Modifikation erschwert den Abbau. Es wird in der Medizin auch als ein toxisches Mittel bezeichnet – dennoch wurden, wie wir wissen, Studien damit bis hin zu einem Jahr bei einer Dosis von 20 mg pro Tag durchgeführt. Von diesen Extrembeispielen abgesehen, gab es genügend andere, die ganz klar über Monate hinweg verliefen. Das alles steht in einem krassen Kontrast zu den im Bodybuilding üblichen Zeiträumen. Wir sollten daraus lernen, dass Vorsicht geboten ist. Sinnlose, unfundierte Panikmacherei ist jedoch fehl am Platze. Manche Athleten verwenden 17aa-Steroide, indem sie die Tabletten zerkauen und eine Weile im Mund oder unter der Zunge behalten. Damit versucht man, eine Aufnahme im Verdauungstrakt und einen ersten Durchlauf (der so genannte „First Pass”) durch die Leber zu umgehen. Das Hindernis ist hier das lipophile Lösungsverhalten von Steroiden. Sie sind eher fett- als wasserlöslich, und um durch die Schleimhäute aufgenommen zu werden, müssten sie wasserlöslich sein. Trotz der sehr schlechten Aufnahmefähigkeit, ist diese Methode dennoch für viele Athleten einen Versuch wert, da es nicht um große Mengen an Wirkstoff geht und der Mundraum eine recht große Fläche bietet. Man darf somit auf eine geringe Diffusion hoffen. Selbst dann, wenn nur ein Teil der Dosis die Leber durch diese sublinguale/buccale Methode umgeht, macht das über Wochen hinweg einen Unterschied. Außerdem werden selbst 17aa-Steroide beim First Pass in der Leber teilweise abgebaut; auch das wird umgangen, und eine größere Menge gelangt ins Blut. Fluoxymesteron über kurze Zeiträume hinweg eingenommen, gemeint sind hiermit die üblichen 4-8 Wochen, stellt bei einem gesunden Menschen keine lebensbedrohende oder schwerwiegende Leberbelastung dar. Doch jeder Mensch ist anders, und eine ärztliche Kontrolle durch einen qualifizierten Arzt, sollte stets im Zusammenhang mit der Verwendung solcher Mittel gewährleistet sein.

Leberschutz

Eine einfache modifizierte Aminosaure, das Acetylcystein (ACC oder auch NAC), kann der Leberbelastung abhelfen und die Leberzellen schutzen. Dies tut sie laut bisherigem Wissen hauptsachlich durch die Anhebung des Radikalfangers Glutathion in den Leberzellen. Es existieren zahlreiche Versuche mit diesem Wirkstoff, sei es bei Strahlungsopfern oder nach einer Medikamentenvergiftung, wobei es oft bei einer Uberdosis Paracetamol angewendet wurde. Ob die Modulation der Leber durch NAC tatsachlick, potent genug ist, die Uberdosis eines Medikaments aus der Blutbahn zu raumen, mag fraglich sein, doch das wollen wir auch gar nicht erzielen. Es geht vielmehr um den hepatoprotektiven Aspekt, der von NAC oft eindrucksvoll vermittelt wurde. NAC ist unter Bodybuildern ziemlich umstritten, weil manche ohne groBartige Studien behaupteten, NAC ware in Kombination mit 17aa-Steroiden nutzlich fur die Leber. Andererseits gibt es Leute, die sich gerne auf innovative Vorschlage sturzen, um sie als schwachsinnig zu entlarven; ohne selbst auch nur halbwegs deren Wirkungsmechanismen zu verstehen. Daher mag ich hier zwei eindrucksvolle Studien vorstellen. Beispielsweise wurden Hasen mit einem aggressiven Virus infiziert, das Leberzellen zerstbrt und innerhalb von 2-3 Tagen zu Leberversagen und zum Tod fuhrt. Einem Teil der Tiere wurde zuvor NAC verabreicht. Es konnte natOrlich nicht den Tod durch das im K6rper marodierende Virus verhindern, jedoch die Oberlebenszeit signifikant verlangern. Was die Forscher dabei weiterhin herausfanden, war der indirekte Einfluss von NAC auf elementare Faktoren, die zum Zelltod fuhren, wie die Caspase-3-Gene, die den automatischen Zelltod aktivieren und mitunter ein Marker fur das Absterben von Zellen sind. Tatsachlich fief die Caspase-3- Aktivitat mit NAC signifikant geringer aus, wie man am betreffenden Diagramm erkennen kann. Auch die Bilder der Leberzellen sind recht interessant (22).

Diese Erkenntnisse wurden von einem anderen Forscherteam bestätigt, nur verwendeten sie keine Hasen, sondern Mäuse, und kein Virus, sondern Arsen. In diesem Fall konnte NAC selbst bei Arsenvergiftung einen wirklich signifikanten Unterschied ausmachen und die Leberzellen vor Schäden bewahren – erneut über den Glutathionmechanismus und der Hemmung von Faktoren, die den Zelltod hervorrufen (23). Cystein ist eine der Vorläufersubstanzen für das antioxidative und entgiftende Enzym Glutathion (GSH). Wird die Leber einer Belastung ausgesetzt, führt das zu einem Verbrauch und einer Senkung des GSH. Hier gibt es genug kritische Stimmen, die vehement behaupten, NAC sei vollkommen nutzlos, da Steroide das GSH überhaupt nicht senken würden und über ganz andere enzymatische Wege abgebaut werden würden. Das mag auch auf Nicht-l7aa-Steroide zutreffen. Jedoch genügt eine kurze Suche im medizinischen Studienverzeichnis, um zu sehen, dass 17aa sehr wohl den GSH-Gehalt senken, die Leber belasten und eine zusätzliche Cystein-Gabe erforderlich machen. Interessanterweise zeigte dieselbe Studie, dass Stanozolol im Gegensatz zu Methyltestosteron und Oxymetholon den GSH-Gehalt kaum beeinflusste, was entweder auf eine überschätzte Toxizität hinweist oder aber weitere Fragen aufwirft (25). Die zuvor angeführten Studien sind aus dem Jahr 2007 bzw. 2006 und damit recht aktuell. Weiterhin ist die biochemische, begleitende Analyse sehr aussagekräftig. Daher bin ich doch recht überzeugt von der Nützlichkeit des NAC bei 17aa-Steroiden, die keineswegs ein derartig zerstörerisches Potenzial aufweisen, wie sie in den beiden Studien verwendet wurden. Eine Dosis von höchstens 1.200 mg, besser 600 mg täglich, sollte hier die Leber unterstützen, jedoch keineswegs längere Einnahmezeiträume rechtfertigen.

Cholesterinwerte Anders verhält sich Fluoxymesteron in Bezug auf die Cholesterinwerte. Viele assoziieren eine Leberbelastung auch mit gleichzeitig verschlechterten Cholesterinwerten. Bei Fluoxymesteron muss man sich anscheinend jedoch nicht dieselben Sorgen machen wie z.B. bei Stanozolol. Nach vier Monaten Gebrauch und einer Dosis von 10 mg pro Tag konnte keine signifikante Veränderung des Cholesterinspiegels festgestellt werden (17), was natürlich nicht heißt, dass dies bei einer Tagesdosierung von 60 mg pro Tag genauso ist.

Achse und Absetzen

Steroide wirken sich unterschiedlich auf die Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse aus. Nandrolon ist ein ideales Beispiel für ein stark hemmendes Mittel. Es ist selbst ein Androgen, aromatisiert zu Estradiol und hat eine progesterone Wirkung. Mit diesen drei Eigenschaften unterdrückt es die Achse recht effizient, und auch die Regeneration nach dem Absetzen des Steroids nimmt Zeit in Anspruch. Fluoxymesteron ist an sich ein eher schwaches bis mittelstarkes Androgen, aromatisiert nicht zu Estradiol und weist keine Wirkung auf, die dem des Progesterons ähnelt. Man könnte also von diesem AAS geradezu eine schwache Achsenunterdrückung erwarten. Dem ist auch so. Außergewöhnlich ist auch die Blutanalyse von Männern, denen täglich zwischen 10 und 30 mg verabreicht wurden. Die Testosteronwerte sanken dementsprechend, doch komischerweise betraf es kaum die LH- und FSH-Werte. Normalerweise senkt ein Steroid diese Gonadotropine, und daraufhin sinken die Testosteronwerte, da die Hoden nicht mehr durch LH/FSH stimuliert werden und kaum Testosteron und Spermien produzieren. Nicht so bei Fluoxymesteron. Die Untersuchung führte somit zur These, dieses Steroid würde die Testosteronausschüttung auf eine andere Weise herabsetzen, eventuell direkt in den Hoden (18). Es gibt eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen, und es bezieht sich wieder auf die cortisolhemmende Aktivität. Cortisol hat mitunter die Eigenschaft, die Achse zu unterdrücken, indem es die GnRH-Ausschüttung senkt; kein GnRH aus dem Hypothalamus, kein LH und FSH aus der Hypophyse und somit kein Testosteron aus den Hoden. Das Cortisol wird wohl nie ein Freund des Bodybuilders werden. Interessanterweise hemmt das Cortisol bei einem niedrigen Androgenwert die Achse umso stärker. Niedrige Cortisolwerte sind also am Ende einer Kur in jeder Hinsicht wichtig (19). Ein Absetzen im klassischen Sinn mit Hilfe von Clomifen und/oder Tamoxifen ist nach alleiniger Gabe von Fluoxymesteron also nicht unbedingt nötig. Kann man Fluoxymesteron zwischen zwei Kuren als „Bridge” verwenden? – Nein, man sollte sich den Begriff des „Bridgen” voll und ganz aus dem Kopf schlagen. Bridgen, egal mit welchem derzeit verfügbaren androgenen Steroid, ist einfach nicht machbar. Alle gängigen AAS unterdrücken mehr oder weniger die eigene FHS-/LH-Ausschüttung. Es ist auch egal, zu welcher Uhrzeit die Einnahme erfolgt. Gonadotropine werden pulsatil und über den Tag recht gleichmäßig verteilt. Man kann so etwas nicht umgehen, auch wenn amerikanische „Experten” dazu raten, Dianabol (Methandienon) bei alleiniger Anwendung in einer einzigen großen Gabe am frühen Morgen einzunehmen, um damit die Unterdrückung der Achse zu verhindern. Vielleicht wird es irgendwann selektive Androgenrezeptormodulatoren geben, die einem zwar Muskelzuwächse und Kraft bescheren, jedoch nicht die eigene Achse unterdrücken. Doch beim aktuellen Stand der Wissenschaft ist das noch Wunschdenken. Wieso erzähle ich das alles überhaupt? – Weil man mit dem Fluoxymesteron die Absetzphase optimal vorbereiten und erleichtern kann, indem man es gegen Ende einer Kur einbaut. Manche Steroide haben die Eigenschaft, die Cortisolrezeptoren „hochzuregulieren”. Das ist natürlich nicht toll, denn, wie wir wissen, ist eine starke Cortisolwirkung beim Absetzen nicht wünschenswert. Fluoxymesteron tut das nicht, und es wirkt sich nur schwach auf die LH-/FSH-Werte aus. Findige Athleten könnten es somit also kurz vor dem Ende einer Kur als ein „Ausstiegs-Steroid” verwenden, bevor sie die Absetzphase mit Clomifen oder Tamoxifen einleiten.

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