Das Absetzen von anabolen Steroiden

Setzt ein Bodybuilder anabole Steroide ab, so kommt es zu einem merklichen
Verlust an Muskulatur, auch wenn die Dosis langsam und schrittweise
reduziert wird, da der Körper die unterdrückte Testosteroneigenproduktion
nur langsam wieder auf das Normalniveau erhöht. Hinzu
kommt eventuell zusätzlich, daß die vorher durch die Anabolika blokkierten
Glucocorticoidrezeptoren wieder frei werden und das körpereigene
Hormon Kortisol seine proteinkatabole Wirkung voll entfalten
kann. Neben dem Testosteron sind auch das Luteinisierende Hormon
(LH) und das Follikelstimulierende Hormon (FSH) stark erniedrigt,
wenn der Athlet zuvor anabole Steroide eingenommen hat. Es dauert
nun einige Zeit, bis sich diese Parameter wieder normalisieren. Der Zeitraum
ist abhängig von der Art des verwendeten Anabolikums, von der
Dauer der Einnahme und der Dosierung.

Ziel des Athleten ist es deshalb, die Eigenhormonproduktion so schnell wie möglich nach dem Absetzen wieder auf das Normalniveau
anzuheben, um den Verlust an Muskelmasse zu verringern. Dazu werden
im wesentlichen zwei Medikamente verwendet [201, 255, persönliche
Mitteilungen]: Humanes Choriongonadotropin (hCG) und Clomiphen.
hCG wird aus dem Urin schwangerer Frauen gewonnen und wirkt im
Körper wie das Hormon LH, enthält jedoch auch geringe Mengen FSH
[39, 44]. Die Anwendungsgebiete von hCG in der Schulmedizin sind bei
Männern »Eunuchoidismus, Retentio testis, verzögerte Pubertät, Orchitis
« und bei Frauen »Menometrorrhagie, Juvenile Uterusblutung, Primäre
und sekundäre Amenorrhoe, anovulatorische Menstruation, verzögerte
Pubertät« [39]. Bereits 1965 konnte nach intramuskulärer Injektion
von hCG bei Männern ein Anstieg des Testosteronspiegels festgestellt
werden [40]. Die in zwei Phasen ablaufende Erhöhung der Testosteronkonzentration
im Blut ist dabei dosisabhängig [41, 42]. Bei trainierten
Sportlern ist der auf hCG erfolgende Testosteronanstieg sogar noch
größer als bei untrainierten Personen [43].
Bodybuilder verwenden hCG, um die durch die Anabolikaeinnahme
reduzierte Testosteroneigenproduktion wieder zu erhöhen und die damit
verbundene Hodenatrophie zu reduzieren [166, 201, 204, 206, 208,
255, persönliche Mitteilungen]. Einige Athleten verwenden es auch in
der Mitte eines Steroidzyklusses und machen dabei oft die besten Fortschritte
bezüglich des Muskelwachstums [201, persönliche Mitteilungen].
Ursache ist, daß durch die Anabolikaeinnahme ein hoher Medikamentenspiegel
im Blut besteht. Durch hCG wird nun zusätzlich noch
der körpereigene Testosteronspiegel erhöht, so daß die Gesamtsumme
an anabol wirksamen Hormonen erhöht wird. Eine längere Anwendung
als über zwei bis drei Wochen verbietet sich laut Untergrundliteratur
jedoch, weil dadurch eine Desensibilisierung der LH-Rezeptoren im Hoden
stattfinden soll, wodurch die Keimdrüsen auch gegenüber den körpereigenen
Gonadotropinen resistent werden können [201, 204, 208]. In
diesem Fall wäre die körpereigene Testosteronproduktion für immer unterbunden,
und der so geschädigte Athlet auf eine lebenslange Zufuhr
exogener Androgene angewiesen.

Die verwendeten hCG-Dosierungen der Athleten liegen meist im therapeutischen
Bereich: Üblich sind 1.000 I.E. intramuskulär alle ein bis
zwei Tage [persönliche Mitteilungen] oder 5.000 I.E. alle fünf Tage [201,
204, 208, 255, persönliche Mitteilungen]. Ambitionierte Wettkampfathleten benutzen hCG oft gar nicht, da sie anabole Steroide meist ohne Unterbrechung
einnehmen oder »lediglich, um wenigstens einmal für zwei
oder drei Wochen vom Stoff runterzukommen« [201].
Mögliche Nebenwirkungen bei der Einnahme von hCG sind Übelkeit
und Erbrechen [39, 201]. Da bei Verabreichung von hCG neben dem Testosteron-
auch der Östrogenspiegel deutlich ansteigt, kann es zu einer
Gynäkomastie sowie zu verstärkter Natrium- und Wasserspeicherung
kommen [201, persönliche Mitteilungen].
Da hCG im Körper wie das Hormon LH wirkt, erhöht sich zwar die
Testosteronproduktion in den Hoden, die Gonadotropinfreisetzung
bleibt jedoch weiterhin supprimiert, so daß sich die Phase der Wiederanpassung
des körpereigenen Hormonsystems bei hCG-Einnahme wohl
nur verzögert. Deshalb verwenden viele Athleten neben hCG zusätzlich
Clomiphen.
Clomiphen ist ein synthetischer Ovulationsauslöser und wird bei
Frauen mit Kinderwunsch eingesetzt, die Zyklen ohne Eisprung zeigen
[44, 45]. Unter Einnahme von Clomiphen kommt es zu einem Anstieg
der Gonadotropine sowie von Testosteron [168], so daß sich bei Bodybuildern
nach Anabolikaeinnahme der gesamte Regelkreis wieder regenerieren
kann und bei Frauen ein Eisprung stattfindet [201, 234, 255]. Da
Clomiphen aufgrund seiner langen Halbwertszeit von fünf Tagen eine
gewisse »Anlaufzeit« benötigt, um seine Wirkung zu entfalten (im Gegensatz
zu hCG, wo die Reaktion schon nach wenigen Stunden eintritt),
nehmen Athleten hCG und Clomiphen oft gleichzeitig ein [201, 255, persönliche
Mitteilungen]. Die verwendeten Dosierungen bei Clomiphen
liegen zwischen 50 und 100mg pro Tag und decken sich mit der therapeutischen
Dosis. Das Medikament wird nach dem Absetzen der anabolen
Steroide für mindestens 10-14 Tage täglich eingenommen [201, 255,
persönliche Mitteilungen].

Bedenken gegenüber einer längeren Anwendung,
die in der Untergrundliteratur geäußert werden, scheinen aufgrund
der in medizinischen Publikationen veröffentlichten Fallbeispiele
ohne schwerwiegende Nebenwirkungen unbegründet zu sein [151, 168].
Mögliche Nebenwirkungen von Clomiphen bei Männern sind Übelkeit,
Erbrechen und Sehstörungen [45, 201, 255]. Der Autor kennt jedoch
keinen Athleten, der darunter zu leiden hatte, so daß diese Nebenwirkungen
scheinbar nicht oft vorkommen. Da Clomiphen auch eine antiöstrogene
Wirkung besitzt [201, 255], können mögliche östrogenbedingte
Nebenwirkungen von hCG bei gleichzeitiger Einnahme der bei den Substanzen minimiert werden [persönliche Mitteilungen]. So
kommt diese Substanz teilweise auch als Antiöstrogen während einer
Steroidkur zum Einsatz [persönliche Mitteilungen].

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