CORTISON

Rijckaert pflegte gewöhnlich zu sagen, der Betreffende müsse erst einmal
„entcortisonisiert” werden. Im Klartext: Es galt dessen Kortisonverbrauch wie
bei einer Entziehungskur erheblich zu reduzieren. „Bei übermäßigem
Kortisonkonsum wird man durchsichtig, so sein Credo.[…1″;
So unglaublich dieses Zitat aus dem Buch „Gedopt” von Willy Voet klingen
mag, so aussagekräftig ist es doch über den massiven Einsatz von
Corticosterioden und ACTH-Präparaten im Spitzen-Radrennsport. Im krassen
Gegensatz zu der weiten Verbreitung von Corticosteroiden im Ausdauersport
wird deren Verwendung hingegen totgeschwiegen. Kortison ist für viele ein
rotes Tuch und das mit gutem Recht. So wirksam diese Hormone zur
Leistungssteigerung sein mögen, so gefährlich sind sie auch. Über den
Einsatz von Kenacort, und Synacthen sprach bislang kaum jemand — bis auf
Willy Voet. Dabei sind die entsprechenden Präparate seit etlichen Jahren fester
Bestandteil im Medikamentenarsenal des Spitzensportlers. Während EPO und
IGF Neuentwicklungen darstellen, die den Fortschritten in der Gentechnik zu
verdanken sind, existieren Kortisonpräparate bereits seit mehreren Jahrzehnten.
Nachdem Kortison 1935 zum ersten Mal von Edward Calvin Kendall isoliert
worden war, gelang 1952 in den USA die erste synthetische Herstellung. Seit
dieser Zeit werden Kortisonpräparate zur Bekämpfung einer Vielzahl von
Krankheiten verwendet.

Obwohl der Einsatz von Kortisonpräparaten noch ein ziemlich gut gehütetes
Geheimnis ist, machen sich Athleten aus den Ausdauerdisziplinen diese
schon seit etlichen Jahren zu Nutze. Doch immer erst dann, wenn Skandale
auftreten, droht akuter Handlungsbedarf: Der Öffentlichkeit und den
Sponsoren muß jetzt signalisiert werden, daß man nicht gewillt ist, den
Vergehen „einiger schwarzer Schafe” tatenlos zuzusehen. Solange alles in
geordneten Bahnen verläuft, sind alle rundum zufrieden: Die Athleten bringen
Top-Leistungen und tragen in der Öffentlichkeit eine weiße Weste, was
eine ordentliche Gage einbringt. Die Veranstalter einer rekordträchtigen
Meisterschaft sahnen ebenfalls kräftig ab. Auch bei den Sponsoren klingelt
entsprechend die Kasse: Mit erfolgreichen und nach außen hin sauberen
Athleten läßt sich in einer Gesellschaft, in der der Spitzensport eine sehr hohe
Position einnimmt, gut Geld verdienen.

Bislang kennen die meisten Athleten Kortison nur vom Gang zum Arzt:
Immer dann, wenn chronische Schmerzen auftreten, kommen Corticosteroide
zum Einsatz. So werden beispielsweise die unter Langstreckenläufern vermehrt
auftretenden chronischen Achillessehnenbeschwerden häufig mit
Kortison behandelt. Doch nur den wenigsten ist bekannt, daß Corticosteroide
neben Amphetaminen und Erythropoietin das wohl größte Potential
zur Steigerung der sportlichen Leistungsfähigkeit besitzen..
Kortison ist das primäre Hormon, mit dem der Körper auf Stress reagiert und
den Organismus in einen Zustand erhöhter Leistungsbereitschaft versetzt.
Wie bereits im zweiten Kapitel über Corticosteroide beschrieben, erfüllt
Kortison eine Reihe unterschiedlichster Funktionen im menschlichen Körper.
Dabei ist die Vielzahl der hormonellen Wirkungen und Zusammenhänge in
Verbindung mit Kortison noch nicht einmal restlos geklärt.

Kortison wird wie Adrenalin und Erythropoietin von den Nebennierenrinden
produziert. Dabei wird die Produktion von Kortison ähnlich wie beim
Testosteron zentral vom Hypothalamus aus gesteuert. Der Hypothalamus
produziert ACTH (Adenocorticotrophes Hormon), welches in den Nebennierenrinden
zur Produktion von Glukocorticoiden (Kortison) führt.

Die Anwendungsbereiche von Glucocortikoiden im Sport unterteilen sich in
zwei Bereiche. Zum einen ist dies die Steigerung der Leistungsfähigkeit im
Wettkampf und zum anderen die Unterstützung der Regeneration. Kurz vor
oder während der Belastung verwendete Coritcosteroide üben einen direkten
Effekt auf die sportliche Leistungsfähigkeit aus. Werden Corticosteroide
dagegen täglich über einen längeren Zeitraum verwendet, wobei gleichzeitig
anabole Steroiden eingesetzt werden, so führt dies zu kürzeren Regenerationszeiten
und damit zu einer Beschleunigung der Leistungssteigerung.

Die Anwendung von Corticosteroiden direkt vor dem Wettkampf hat mehrere
Gründe. Zum einen führt ein höherer Kortisonspiegel zu einem Anstieg des
Blutzuckerspiegels. Über eine vermehrte Gluconeogenese (Umwandlung von
Aminosäuren in Glucose) sowie eine verstärkte Lipolyse (Abbau von körpereigenen
Fettzellen zur Energiegewinnung) steht dem Körper in kürzester
Zeit vermehrt Energie zur Verfügung. Vor allem bei längeren Wettkämpfen
sinkt der Blutzuckerspiegel im Verlauf des Rennens deutlich ab, was zum Teil
auch durch die Zufuhr von Nahrungsenergie nicht mehr kompensiert werden
kann. Oftmals wird Kortison vor allem in der zweiten (entscheidenden) Hälfte
eines mehrstündigen Wettkampfes eingesetzt. Zu diesem Zweck werden meist
orale Varianten, oft aber auch injizierbare Präparate benutzt, die sich in
Injektionskanülen befinden, die von den Athleten hinter Binden und unter
Trikots verborgen werden. Injizierbare Präparate haben dabei den Vorteil, daß
sie in ihrem Wirkungsverlauf sowie bezüglich der Vorlaufzeit bis zum Einsetzen
der Wirkung besser kalkulierbar sind. Die Wirkung oraler Präparate
dagegen hängt sehr von der Magenverweildauer und der Resorptionsrate (im Magen) ab, die entsprechenden Schwankungen unterliegt.

Ein weiterer Vorteil, den hohe Kortisonspiegel mit sich bringen, ist eine verminderte
Krampfneigung. Corticosteroide führen zu einer Absenkung des
Muskeltonus. Vor allem Athleten, die gleichzeitig anabole Steroide verwenden,
profitieren enorm von diesem Effekt. Wie bei den Kapiteln über anabole
Steroide wiederholt betont worden ist, führen diese in den allermeisten
Fällen zu einem deutlichen Anstieg des Muskeltonus sowie zu einer gesteigerten
intramuskulären Flüssigkeitseinlagerung. Dies hat dann eine verminderte
Kapillardurchblutung sowie eine gleichzeitig verminderte nervale
Innervation zur Folge. Athleten, die Corticosteroide verwenden, berichten
davon, daß Muskelverhärtungen, die noch vor kurzem ausschließlich die
Durchführung eines leichten Trainings gestatteten, bereits wenige Stunden
nach der Einnahme von Kortison fast gänzlich verschwunden war. Zu diesem
Zweck kommen dann oft schon einige Tage vor dem Rennen Corticosteroide
zum Einsatz. Dabei wird die Dosierung zum Wettkampf hin gesteigert.
Kommt es dann trotz alledem während des Rennens zu einem signifikanten
Leistungseinbruch, so erfolgt eine weitere Dosiserhöhung.

In der Schulmedizin ist eine ganz andere Wirkung des Kortisonmoleküls für
dessen Einsatz verantwortlich. Die Rede ist von der antiphologistischen (also
entzündungshemmenden und schmerzlindernden) Wirkung, die Kortison
besitzt. Dabei sind die Einsatzbereiche vielfältig:

Verschiedene Formen von Hauterkrankungen (wie etwa Ekzeme oder Pilzerkrankungen)
Rheumatische Erkrankungen
Allergische Reaktionen
Nierenerkrankungen
Blutkrankheiten
Lungenkrankheiten
Gastrointestinale Erkrankungen (Magen-Darm-Trakt)
Erkrankungen des Nervensystems.

Aus dieser Auflistung wird bereits ersichtlich, über welch große Bandbreite
der Einsatzbereich von Corticosteroiden reicht. Dabei wird in allen Fällen eine
Abschwächung der Krankheits (Entzündungs-) Symptome erzielt.
Verantwortlich für die antiphlogistische Wirkung von Kortison ist dessen
hemmende Wirkung auf die Prostaglandinsynthese. Prostaglandine werden
als Hauptursache für das Auftreten von Schmerzen angesehen. Immer dann,
wenn Schmerzen auftreten und hohe Prostaglandinspiegel vorliegen, ist die
Leistungsfähigkeit eingeschränkt und die Katecholaminwirkung (Adrenalin
und Noradrenalin) dadurch vermindert. Dagegen führen hohe Kortisonspiegel
zu einer verbesserten Adrenalinwirkung. Sowohl das körpereigene
Adrenalin als auch synthetische Sympathikomimetika führen zu einer gesteigerten
nervalen Innervation. Dies bedeutet nichts anderes, als daß mehr
Muskelzellen aktiviert werden können.

Aus diesem Grund wird Kortison häufig mit Sympathikomimetika wie Ephedrin
oder auch Amphetaminen kombiniert. Die meisten Athleten verwenden
etwa 2 Stunden vor dem Ende des Rennens ca. 25 bis 50 mg Ephedrin in
Verbindung mit einem Kortisonpräparat wie etwa Dexamethason oder
Fortecortin. Bei dieser Vorgehensweise kommt es allerdings leicht zu Überdosierungen,
da die kombinierte Einnahme von Sympathikomimetika und
Glukocorticoiden zu einer synergistischen Wirkung führt (Verstärkung der
Einzelwirkungen). Durch ihren Einfluß auf das Zentrale Nervensystem (ZNS)
können Corticosteroide auch zu Schlafstörungen führen.

Neben einer direkten leistungssteigernden Wirkung führt Kortison bei entsprechender
Anwendung ebenso zu einer Unterstützung der Regeneration.
Der Sinn eines jeden Trainings ist es, ein höheres Leistungsniveau zu erzielen.
Dabei führt jegliche intensive Belastung zu zellulären Schäden. In einer
Kompensationsreaktion werden diese dann vom Körper wieder regeneriert.
Die Regeneration läuft dabei in zwei Phasen ab. Zum einen wird zerstörtes
zelluläres Material abtransportiert (Katabolreaktion), um dann durch neues
Material (Aminosäuren) wieder aufgebaut zu werden (Anabolreaktion). Bei
optimaler Trainingsgestaltung findet eine sog. Superkompensationsreaktion
statt, was nichts anderes bedeutet, als daß zum Ende der dargestellten
Abläufe leistungsfähigere Zellen vorliegen als vorher. Man geht davon aus,
daß der Körper als eine Art Schutzfunktion durch diese Superkompensationsreaktion
Leistungsreserven schafft. Sportliches Training stellt dabei
nichts anderes dar, als einen immer wiederkehrenden Ablauf dieser
Vorgänge. Je schneller nun diese Vorgänge ablaufen, desto schneller findet
eine Anpassungsreaktion und damit eine Leistungssteigerung statt. Aus diesem
Grund unterstützen Leistungssportler sowohl die Anabol- als auch die Katabolreaktion.
Als anabol wirkende Hormone werden Steroide, Wachstumshormon
und IGF eingesetzt, wohingegen die Katabolreaktion durch die
Verwendung von Kortison unterstützt wird.

Um eine Unterdrückung der körpereigenen ACTH- und Kortisonproduktion
so gering wie möglich ausfallen zu lassen, wird die gesamte Tagesdosis nach
Möglichkeit auf einmal verwendet. Der geringste Einfluß auf die endogene
Hormonproduktion wird erzielt, wenn Kortison nur jeden zweiten Tag verwendet
wird. Obwohl eine Einnahme früh morgens hier am sinnvollsten
wäre, verwenden dennoch viele Athleten Kortison etwa 1 Stunde vor dem
Training. Vor allem dann, wenn intensive Einheiten auf dem Programm stehen,
helfen Corticosteroide dem Athleten spürbar diese auszuführen. Wird die
systemische Anwendung von Corticosteroiden von einer parallelen Anwendung
anaboler Steroide und/oder Wachstumshormonen begleitet, so
kann den auftretenden Nebenwirkungen zumindest teilweise entgegengewirkt
werden. Eine langfristige Kortisonanwendung führt zum Substanzverlust
in vielen Geweben. So wird zum Beispiel nicht benötigte Muskulatur
bevorzugt abgebaut. Dies kann leicht zu muskulären Dysbalancen führen.
Wer einmal das äußere Erscheinungsbild von Athleten der 60er oder 70er
Jahre mit dem von Radprofis der 90er vergleicht, der wird feststellen, daß
kaum einer der heutigen Athleten ein Gramm Muskelmasse zuviel mit sich
herumträgt. Doch dies ist nicht die einzige Nebenwirkung einer systemischen
(langfristigen) Kortisonanwendung: Ähnlich vielseitig wie die Anwendungsgebiete
gestalten sich auch die möglichen Nebenwirkungen.

Die mineralkortikoide Wirkung von Kortisonpräparaten sorgt zum einen für
einen verminderten intramuskulären Druck, führt aber auf der anderen Seite
zu einer vermehrten Wassereinlagerung im Unterhautfettgewebe. Kortison
hat einen nachhaltigen Einfluß auf die Verteilung von Körperfett. Während
es an den Extremitäten zu einem Abbau von Körperfett kommt, führen hohe
Kortisonspiegel am Körperrumpf zu einer vermehrten Fettspeicherung.
Kortison führt aufgrund seiner negativ-rückkoppelnden Wirkung auf den
Hypothalamus zu einer Unterdrückung der Hypophysenfunktion. Dies kann
neben einer verminderten ACTH-Produktion auch eine verminderte Wachstumshormonproduktion sowie eine verminderte Testosteronproduktion (und
damit eine temporäre Impotenz) sowie eine reduzierte Spermatogenese hervorrufen.
Schon allein aus diesem Grund verwenden die meisten Athleten
Kortisonpräparate nur in Verbindung mit Wachstumshormon und/oder
Steroiden.

Kortison führt zu einem Abbau von Kalzium aus dem Knochen und kann aus
diesem Grund zu Osteoporose führen. Doch auch diese Nebenwirkung läßt
sich durch die parallele Verwendung von anabolen Steroiden und/oder STH
vermindern.

Die katabole Wirkung von Kortison beschränkt sich nicht nur auf Knochenund
Muskelsubstanz. Auch Sehnen, Bänder und Gelenke sowie die Haut sind
betroffen. Nicht umsonst spricht Rijckaert davon, daß Kortison durchsichtig
mache… Eine fahle, dünne Haut sowie dünne ausgemergelte Arme sind
Zeichen eines übermäßigen Kortisonkonsums. Der dauerhafte Gebrauch von
Kortisonpräparaten führt also nicht nur zum Muskelabbau, sondern
schwächt ebenso Sehnen, Bänder und Gelenke. Viele Athleten gehen davon
aus, daß sie durch die gleichzeitige Verwendung von Testosteronpropionat
oder Deca Durabolin dem entgegenwirken können. Hier liegt allerdings ein
großes Mißverständnis vor: Anabole Steroide forcieren lediglich die Proteinsynthese
im Muskelgewebe — ein gleichzeitiges Wachstum von Sehnen, Bändern
und Knorpelsubstanz läßt sich nicht erzielen. Einzig Wachstumshormon führt
zu einer Zellteilungen im Bereich von Bindegeweben. Da Wachstumshormon
und Kortison Antagonisten (Gegenspieler) sind, bleibt fraglich, in- wieweit es
zu einer Aufhebung der gegenseitigen Wirkung kommt. Fest steht, daß es
durch den parallelen Einsatz von Corticosteroiden und Wachstumshormonen
zu einer Abschwächung der Wachstumshormonwirkung kommt.

Durch die antiphlogistische Wirkung von Kortison kommt es zu einer
Unterdrückung der Entzündungssymptome, so daß Infektionen und bakterielle
Erkrankungen (obwohl vorhanden) nicht erkannt werden, da die
Symptome fehlen und die Immunreaktion unterdrückt wird. Dies ist ein vor
allem für den Leistungssportler wichtiger Aspekt, da es durch das Training
ohnehin zu einer Schwächung des Immunsystems kommen kann. Mitunter
trainieren Athleten mit einer massiven Grippe ohne dies festzustellen, da die
Symptome durch den Kortisoneinsatz maskiert sind. Hier droht dem Athleten
eine enorme Gefahr, da Infektionskrankheiten vor allem bei körperlicher
Anstrengung auf den Herzmuskel übergreifen können. Die Schwellungen des
entzündeten Herzmuskels können zu einem Absinken des Schlagvolumens
des Herzens und dadurch zu Herzrhythmusstörungen und unter Umständen
sogar zum Herzinfarkt führen!

Infolge des Eingriffs in den Glucosestoffwechsel kann es je nach genetischer
Veranlagung zum Auftreten einer latenten Diabetes mellitus kommen.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Corticosteroide mit Acetyl-Salicylsäure
(Aspirin) kombiniert werden, da die Gefahr von Magenblutungen stark
ansteigt. Vor allem Athleten, die Aspirin (meist in größeren Mengen) verwenden,
um die durch den Einsatz von EPO hervorgerufenen, verschlechterten
Fließeigenschaften des Blutes zu kompensieren, sollten hier besondere Vorsicht
walten lassen. Böse Zungen munkeln, daß auch die Magenblutungen
des mehrfachen Ironman Triumphators Mark Allen vor einigen Jahren medikamentösen
Ursprung haben könnten…

Bei den im Handel befindlichen Kortisonpräparaten unterscheidet man 11
verschiedene Gruppen. Analog wie bei den Testosteronderivaten entstanden
auch die unterschiedlichen Cortikoide durch geringfügige chemische Veränderungen
am Molekül. Man unterscheidet die verschiedenen Derivate in
ihrer relativen antiphlogistischen bzw. ihrer relativen mineralkortikoiden
Wirkung. Körpereigenes Kortison ist mit einer Ratio von 0,8:0,8 eingestuft.
Das ebenfalls im Körper vorkommende Cortisol (Hydrocortison) weist eine
Ratio von 1:1 auf.

Anhand dieser Auflistung wird bereits deutlich, welch unterschiedliches
Wirkungspotential die verwendeten Medikamente besitzen. So sind auch die
Dosierungsstärken je nach Art des Corticosteroids unterschiedlich. Während
Präparate wie Dexamethason, die einen ausgeprägte antiphlogistische
Wirkung besitzen, nur in Stärken bis zu 4 mg angeboten werden, sind beim
Prednisolon Tabletten in einer Stärke von bis zu 50 mg erhältlich. Bei den meisten
Medikamenten sind die jeweiligen Wirkstoffe in einer breitgefächerten Palette
von Dosierungsstärken erhältlich. Die jeweils höchsten Dosierungsstärken
dienen allerdings nicht der Dauermedikation sondern der Überprüfung,
inwieweit die Gabe von Kortison zu einer Unterdrückung der Nebennierenrinden-
Funktion führt .

Für Kortisonpräparate gilt wie für kaum ein anderes Medikament, daß es
jeweils eine individuelle Dosierungsstärke ermittelt werden muß. Je nach
Athlet tritt eine mehr oder minder stark ausgeprägte Wirkung auf. Wird das
Präparat in Verbindung mit Stimulanzien und anabolen Steroiden verwendet,
so ist die Gefahr von Wechselwirkungen gegeben. Besonders Stimulanzien
und Corticosteroide verstärken sich gegenseitig in ihrer Wirkung.

Die meisten Athleten verwenden daher anfangs die auf den Packungsbeilagen
angegebenen therapeutischen Inntialdosierungen. So wird bei
Verwendung des Wirkstoffes Prednisolon mit einer Dosierung von 5 — 10 mg
begonnen. Diese wird entweder direkt vor dem Wettkampf oder bei einer
systemischen Anwendung (zur Regenerationsförderung) jeden zweiten Tag
genommen. Um Katabolreaktionen abzufangen verwenden die meisten
Athleten gleichzeitig ein Basissteroid wie Nandrolon oder Testosteron.
Bei dem stärker wirksamen Dexamethason wird anfangs eine Dosierung von
1 mg verwendet. Auch hier kommen Steroide und Wachstumshormone zum
Einsatz. Da von der katabolen Wirkung der Corticosteroide nicht nur die
Muskulatur, sondern auch Sehnen, Bänder, Gelenke, Knorpel und Knochen
betroffen sind, eignet sich Wachstumshormon gut, dem entgegenzuwirken.
Die meisten Anwender von Corticosteroiden registrieren das Auftreten einer
leichten Akne sowie das vermehrte Auftreten einer Wasserretention im Gesicht.
Auch eine eventuell auftretende Wirkungsverstärkung durch gleichzeitig verwendete
Östrogene (Kontrazeptiva) wird beobachtet. Viele Anwender
berichten von einer anfänglich euphorisierenden Wirkung der Präparate, die
sich allerdings oft im Verlauf der Anwendung in eine depressive
Stimmungslage umkehrt.

Corticosteroide sind sorgfältig zu handhabende Hormonpräparate, die aufgrund
ihrer schmerzlindernden Wirkung für den Leistungssportler ein gewisses
Suchtpotential besitzen. Wer einmal festgestellt hat, wie schnell sich vorhandene
Schmerzen durch Kortisonpräparate beheben lassen, der geht leicht
dazu über, diese Medikamente wiederholt einzusetzen. Da Corticosteroide
allerdings nicht zu einer Beseitigung der Ursachen führen, sondern lediglich
die Schmerzsymptome beheben, wird hiermit ein wichtiger Kontrollmechanismus
des Körpers ausgeschaltet. Der Körper signalisiert durch
Schmerzen, daß es den erkrankten Bereich zu schonen gilt. Ist diese
Schutzfunktion ausgeschaltet, so kommt es schnell zu einer Überbelastung
dieser Körperfunktionen. Die Nebenwirkungen von Kortisonpräparaten sind
abhängig von der Dosis sowie von der Dauer der Anwendung. Bei einer kurzzeitigen
Verwendung von Kortisonpräparaten (10 bis 14 Tage) sind diese relativ
gering, auch wenn höhere Dosierungen verwendet werden. Werden die
Präparate allerdings über einen längeren Zeitraum angewendet, so nimmt die
Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Nebenwirkungen mit fortlaufender
Dauer der Verwendung stark zu. Aus diesem Grund verwenden die meisten
Athleten Kortisonpräparate in Zyklen. In vielen Fällen wird in der Vorbereitungszeit
hauptsächlich mit anabolen Steroiden gearbeitet, um so die Kraft- und
Muskelreserven für die Saison zu schaffen. In diesen Phasen wird Kortison
nur punktuell verwendet; dann nämlich, wenn sich Myogelosen (Muskelverhärtungen)
einschleichen. Je nach Typ kommt es vor allem in der kalten
Jahreszeit vermehrt zu Muskelverhärtungen, da sich die Muskulatur aufgrund
der niedrigen Temperaturen zunehmend verkürzt. Hier wird dann bei Bedarf
mit kurzzeitigen Kortisonkuren gearbeitet. Je näher die Wettkampfsaison
rückt, desto wichtiger ist der muskuläre Grundzustand. Nun kommen vermehrt
Kortisonpräparate wie Prednisolon oder Dexamethason zum Einsatz.
Je nach Athlet und Trainings- bzw. Medikationsalter wird dabei zum Teil ein
mehrfaches der therapeutischen Dosis verwendet. Im Gegensatz zu ACTH
Präparaten bewegen sich Corticosteroide vom Preis her gesehen in
erschwinglichen Regionen.

Die Präparate:

Berlin-Chemie (GER), Berlicort (4 mg Tab)
Pharmafird (GER), Betamethason Pharmafrid
Hoechst Marion Roussel (GER), Calcort (6 mg Tab)
Essex Pharma (GER), Celestamine N 0,5 (Tab)
Novartis Pharma (GER), Kortison Ciba (Tab)
Orion Pharma (GER), Decaprednil (1 mg, 5 mg Tab)
Merck (GER), Decortilen (Tab)
Merck (GER), Decortin (1 mg, 5 mg, 20 mg, 50 mg)
Lederle (GER), Delphicort (2 mg, 4 mg, 8 mg)
Lichtenstein Pharmacia (GER), Dexaflam (0,5 mg, 1,5 mg)
Galenpharma, Dexamethason Ferring (0,5 mg,; 1,5 mg, 4 mg)
Jenapharma, Dexamethason Jenapharma (0,5 mg, 1,5 mg, 4 mg)
Medice, Dexamonozon (0,5 mg, 1,5 mg)
Merck dura, Duraprednisolon
Bristol-Myers Squibb, Fludorcortison
Merck, Fortecortin (0,5 mg, 1,5 mg, 4 mg, 8 mg)
Hefa Pharma, Hefasolon Tabl.
Jenapharm, Hydrocortison 10 mg Jenapharm (10 mg)
Hoechst Marion Roussel, Hydrocortison Roussel
Pharmacia&Upjohn, Medrate
Acis, Methylpredinsolon acis (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Jenapharm, Methylprednisolon Jenapharm (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Mibe, Metycortin (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Orion Pharma, Metypred (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Dermapharm, Metysolon (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Lichtenstein Pharmazeutica, Predni H-Tablinen (5 mg, 50 mg)
Lichtenstein Pharmazeutica, Predni Tablinen (5 mg)
Lichtenstein Pharmazeutica, Predni M Tablinen (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Börner, Prednisolon 5mg Sanhelios (5 mg)
GALENpharma, Prednisolon Ferring (2 mg)
Jenapharm, Prednisolon-Jenapharm (1 mg, 5 mg, 20 mg, 50 mg)
Ratiopharm, Prednisolon-ratiopharm
Rotexmedica, Prednisolon-Rotexmedica (2,5 mg, 5 mg)
Börner, Prednisolon 5mg Sanhelios (5 mg)
Orion Pharma, Prednisolon Dorsch (5 mg, 20 mg)
GALENpharma, Prednisolon Ferring (5 mg, 50 mg)
Ratiopharm, Prednisolon-ratiopharm
Syntex-Roche, Syntestan (2,5 mg, 5 mg)
Lichtenstein Pharmazeutica, Triam Lichtenstein (4 mg)
Lichtenstein Pharmazeutica, Triam oral (4 mg)
Schering, Asche, Ultralan-oral (5 mg, 20 mg, 50 mg)
Hoechst Marion Roussel, Urabson (4 mg, 8 mg, 16 mg)
Bristol Myers Squibb, Volon (4 mg, 8 mg, 16 mg)

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