Cortison und Fluoxymesteron

Cortison und Cortisol sind sicher allen Bodybuildern ein Begriff. Sie sind so genannte Glukokortikoide. Cortison wird wie Cortisol in der Nebennierenrinde gebildet, ist selbst inaktiv und wird durch ein Enzym in die aktive Form, das Cortisol, umgewandelt. Cortisol hat einige Eigenschaften, die für Sportler alles andere als erwünscht sind: Es wird in Stresssituationen ausgeschüttet, wobei Training und Diät zwei Mögliche davon sind, und es wirkt sich katabol auf die Muskulatur aus, baut sie also ab. Das interessante an Fluoxymesteron ist zweifellos seine sehr ausgeprägte anti-glukokortikoide Wirkung, es hemmt also stark die Wirkung des Cortisols im Körper. Das tun sicher so einige Steroide:

• die einen, weil sie die Wirkung des Cortisols direkt an der Zelle verhindern, indem sie selbst an den für das Cortisol vorgesehenen Rezeptor andocken,

• andere, indem sie direkt vor Ort die Produktion des Cortisons und Cortisols – und damit die Konzentration im Blut – verringern

• oder, indem sie das Enzym hemmen, das die Umwandlung von Cortison zum aktiven Cortisol bewerkstelligt.

Fluoxymesteron weist alle drei Eigenschaften auf, vor allem aber die, dass es sich sehr stark an den Cortisolrezeptor bindet und dessen Wirkung verhindert. Auch wissen wir schon, wie sehr es dem Cortison/Cortisol ähnelt, aber nicht dieselbe Wirkung aufweist. Dadurch kann es sehr gut an den Cortisolrezeptor und darüber hinaus noch an das erwähnte ß-HSD-1-Enzym binden, das die Umwandlung zu Cortisol vollzieht. Somit verhindert es dessen Aktivität (6). Man kann dieses Steroid also regelrecht als einen „Cortisol- Hemmer” bezeichnen. Worauf will ich hiermit hinaus? – Nun, wir suchen nach einer möglichen Erklärung, woher die durch Fluoxymesteron verursachte Aggressivität zu erklären ist, wenn nicht durch die androgene Wirkung. Aus psychologischen Untersuchungen mit Jugendlichen, die durch ausgeprägt aggressives Verhalten auffielen, weiß man von deren sehr niedrigem Cortisolspiegel (7). Verwendet man Fluoxymesteron, so erlebt der Körper nach kürzester Zeit einen regel- 8 rechten Cortisolentzug. Die Auswirkung auf die Psyche ist hier nun auch ohne eine starke androgene Wirkung verständlich. Weiterhin weisen viele Steroide einige nicht genomische Reaktionen auf – also die, die nicht über den Androgenrezeptor vermittelt werden. Man kann sich gut vorstellen, wie manche dieser Substanzen einen direkten Einfluss auf die Nerven haben und somit eine Kraftsteigerung fördern – unabhängig vom Cortisolgehalt. Interessante Informationen zu diesem Thema findet man im Profil zum Stanozolol und der GABA-Interaktion dieses AAS. Oft kann man erschreckende Geschichten über böse Bodybuilder auf Roid Rage (Steroid- Wut) lesen und erklärt dieses Verhalten mit einem Übermaß an Androgenen. Aber dies ist, wie wir jetzt wissen, nur ein Teil der Wahrheit.

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