CORTICOSTEROIDE

Mit den Corticosteroiden stehen zum ersten Mal synthetisch hergestellte
Varianten des körpereigenen Hormons Kortison im Blickpunkt des auf
Leistungssteigerung bedachten Athleten. Tauchten Substanzen wie anabole
Steroide, Wachstumshormon oder Clenbuterol in regelmäßigen Abständen
in den Schlagzeilen auf, so weiß bis her kaum jemand um die Wirkungsweise
von Kortison. Wieder einmal soll deshalb in kurzen Zügen vorab diese
erläutert werden:

Corticosteroide oder auch Glucocorticoide gehören wie Adrenalin und
Noradrenalin zu den Nebennierenrindenhormonen. Ähnlich wie bei den
Katecholaminen wird die körpereigene Kortisonproduktion vom Hypophysenhormon
ACTH (Adenocorticotrophes Hormon) gesteuert. Unter
Einwirkung von ACTH stellen die Nebennierenrinden aus dem in der Nahrung
enthaltenen Cholesterin Kortison her. Kortison ist ein Steroidhormon, dessen
hauptsächlicher physiologischer Effekt eine Steuerung des Kohlehydratstoffwechsels
ist. Die durch Kortison hervorgerufenen Effekte auf den
Stoffwechsel dienen der raschen Bereitstellung von Energie im Falle von
Kampf- oder Fluchtsituationen. Glucocorticoide können nämlich auf vielfältige
Weise zu einer Bereitstellung von Glucose — dem Hauptenergieträger des
Körpers — führen: Zum einen stimulieren sie die Gluconeogenese; also die in
der Leber stattfindende Umwandlung von Aminosäuren zu Glucose. Die aus
der Muskulatur stammenden Aminosäuren können aufgrund ihrer chemischen
Struktur von der Leber relativ schnell metabolisiert — also zu Energie umgewandelt
werden, wodurch dem Organismus rasch Energie zur Verfügung
steht (Eiweißkatabole Wirkung).

Zum anderen kommt es unter Einfluß von Kortison zu einer Aktivierung des
Fettmetabolismus. Triglyzeride werden gespalten, wodurch sich der Fettsäurespiegel
im Blut erhöht. Diese Fettsäuren dienen dann der Sicherung
einer langfristigen Energiebereitstellung. Außerdem kommt es unter Einfluß
von Kortison zu einer Hemmung der Aufnahme von Glucose in die Fettzelle.
Unter Betrachtung der Summe der dargestellten Kortisonwirkungen wird
deutlich, daß eine vermehrte Kortisonausschüttung zu einem starken Anstieg
des Blutzuckerspiegels führt. Der Körper befindet sich so in einer hervorragenden
Ausgangssituation, um hohe Leistungen zu erbringen. Eine weitere
für den Sportler interessante Funktion, die Kortison im Körper erfüllt, betrifft
die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin, da es unter dem Einfluß von
Kortison zu einer verbesserten Adrenalinwirkung kommt. Läge kein ausreichend
hoher Kortisonspiegel vor, so würde es beispielsweise trotz einer
größeren Adrenalinausschüttung nicht zu den entsprechenden Adrenalinreaktionen
im Körper kommen (siehe Adrenalin).

Abgesehen von ihrer ausgeprägten Wirkung auf den Stoffwechsel beeinflussen
Corticosteroide auch den Mineralhaushalt nachhaltig. Unter
Kortisoneinfluß kommt es zu einer gesteigerten Ausscheidung von Kalium
sowie zu einer vermehrten Natrium und Chlorid Einlagerung. Wer Kortison
injiziert, bei dem kann es innerhalb kurzer Zeit zum Auftreten eines sog.
Mondgesichtes kommen; das Zeichen einer vermehrten Wasserretention im
Schädelbereich. Diese vermehrte Wasserretention macht sich unter anderem
auch in einer geringeren Viskosität des Blutes bemerkbar. (Dies erklärt auch,
warum sich Kortison hervorragend eignet um einen durch die Gabe von
Erythropoietin zu hoch geratenen Hämatokritwert kurzfristig wieder nach
unten zu korrigieren. (siehe EPO)

Überdies besitzt Kortison einen entzündungshemmenden Effekt. Befinden
sich beispielsweise Krankheitserreger oder Fremdsubstanzen im Körper, so
kommt es zur Immunreaktion, in deren Folge es zur Entstehung von
Entzündungsherden kommen kann. (Bei Allergikern können zum Beispiel
Blütenpollen diese Fremdsubstanzen darstellen). Die im Falle von Allergien
auftretende übermäßige Immunreaktion wird so durch Kortison abgeschwächt:
Es kommt zu einer Entzündungshemmung. Somit kann es unter
Kortison einfluß dazu kommen, daß sowohl die Zeichen einer Entzündung
als auch einer bakteriellen Infektion verschwinden. Obwohl die Symptome
abgeklungen sind, ist die Ursache der Entzündung nach wie vor vorhanden;
die Infektion hat nichts von ihrem Gefahrenpotential eingebüßt.

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