Ausdauer kann man trainieren, zum Sprinter wird man geboren

Die Bausteine der sportlichen Leistung

„Ausdauer kann man trainieren, zum Sprinter wird man geboren”, heißt ein altes Sportlersprichwort. Es faßt in einen Satz, was zu außergewöhnlichen Leistungen befähigt: und zwar das, was uns der liebe Gott in die Wiege gelegt hat. „Kennen wir nicht alle Tausende von Sportlern, die sich schinden und [auch trotz Anabolika — der Autor] nie zur großen Klasse kommen, wohingegen andere von Natur aus mit Leichtigkeit und Leistung zur Spitze vorstoßen?” fragt Adler. Welcher noch so bemühte Basketballspieler beispielsweise könnte erfolgreich sein, ohne daß er in dem von Adler benannten Zufallsspiel der Natur die erforderliche Größe jenseits der 2 m mit auf die Welt bekommen hätte, und welcher 2-m-Mann wiederum rechnete als Turner mit einer Chance? Und ist nicht gerade auch der Bodybuilder ein „Glücksfall seiner genetischen Ausstattung”?

Festgelegt sind doch bereits seine Körpergröße (innerhalb von Gewichtsklassen eine entscheidende Komponente)

  • die knöchern festgelegte Schulterbreite,
  • der gewölbte Brustkorb,
  • die Breite des Beckens,
  • der Umfang der Gelenke,
  • die Länge der Extremitäten im Verhältnis zum Rumpf,
  • die genetisch angelegte Muskelmasse sowie
  • die Ansprechbarkeit auf Trainingsreize (Muskelfasertypus).

Wie beim Basketball und Turnen Faktoren, die wohl den wesentlichen Anteil am Erfolg ausmachen. Aber nicht nur die knöchernen Vorgaben und die Muskelausstattung sind genetisch veranlagt, sondern auch psychische Faktoren wie Ehrgeiz  und Zielstrebigkeit spielen eine wesentliche Rolle. Sieger wirdman, das zeigt das Beispiel Schwarzenegger, nicht zuletzt aufgrund seiner Persönlichkeit. Wer über diese gegebenen Voraussetzungen nicht verfügt, hat auf sportlichen Erfolg nicht die geringste Aussicht, ob mit oder ohne Anabolika.

Adler verfolgt hinsichtlich der Ungerechtigkeit in der naturgegeben unterschiedlichen Ausstattung des Menschen einen interessanten Ansatz. Er honoriert innerhalb einer menschlichen und einer natürlichen — sprich naturgegebenen — Weltbestenliste. Sich mühende Behinderte und Unbegabte stünden dabei an der Spitze der menschlichen Bestenliste. „Auf der Naturbestenliste [jedoch] bewunderten wir die Geparden im Laufen, die Haie im Schwimmen, die Antilopen im Springen und andere natürliche Leistungsbesten”. Wir prämierten also den Sportler, dessen Leistung als ein „Zufallsspiel der Natur in Form begünstigter genetischer Ausstattung” [1] gesehen werden darf. Anabolika wären dann nichts anderes als der typisch menschliche Versuch, „eine Benachteiligung (und Unvollkommenheiten) der naturgegebenen Voraussetzungen […1 soweit wie möglich auszugleichen” [1]. Dabei stehen „im Falle des sog. Dopings die Weichen eindeutig auf Naturkorrektur” [1], das heißt, wir nutzen die Anabolika, um dem Schwächeren zu helfen. Ihm das zu geben, was ihm die Natur gemeinerweise vorenthalten wollte.

Doping also als der in unserer Kultur überall sonst übliche Versuch, dem Schwächeren zu helfen bzw. naturgegebene Schwächen auszugleichen. Ein Versuch, der überall sonst hohe Achtung erfährt, im Sport jedoch unerwünscht ist. Doping als Sozialhilfe! Das klingt wie die kameradschaftlichen „10 m Vorsprung!”, die der ungedopte, von Natur aus leistungsstärkere Sportler seinem schwächeren Konkurrenten gewährt. Naturkorrektur durch Anabolika, vergleichbar auch mit der höheren Gewichtsbestückung leistungsstärkerer Galopper.

Reizvoll ist Adlers Ansatz, weil er den gedopten Athleten allein dadurch straft, daß er ihm seine Unterlegenheit vor Augenführt. Leider aber hat seine These vom Doping als Sozialhilfe einen Haken: Diese Hilfe empfängt nicht nur der Schwache! Im Gegenteil: Der von Natur aus Stärkere sieht sich genötigt, zu den gleichen Mitteln zu greifen, um die Distanz zu wahren. Dann aber wird sich der Nutzen der Anabol ika, der prozentual im Verhältnis steht zur Leistung, immer zugunsten des stärkeren Athleten auswirken. Dazu ein Beispiel:

Ein Spitzenathlet mit einer Bestleistung von + 10 % durch Anabolika erreicht eine Absolutleistung . Der Nachwuchssportler mit einer Bestleistung von + 10 % durch Anabolikaerreicht eine Absolutleistung von 200 kg Für den Leistungsschwächeren fällt demnach die absolute Kraftsteigerung geringer aus. Der Abstand zum starken Sportler wird nicht kleiner, sondern größer. Nicht anders verhält es sich, wenn man — um auf das Bodybuilding zu kommen — einen 50-cm-Oberarm mit einem 30-cm-Oberarm vergleicht. Das Ergebnis wird durch Zuhilfenahme von Anabolika bestenfalls 55 cm zu 33 cm sein. Auch hier ist eine Annäherung des Schwächeren unter Mithilfe der Anabolika an die Leistungen des Spitzensportlers nicht denkbar. Die Anabolika sind wirksam, dummerweise aber wirksamer für den ohnehin Stärkeren.

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