Anabolika und Steroide – Verbreitung

Zahlreiche Untersuchungen befassen sich mit der Verbreitung des Konsums
von Anabolika. Beispielhaft seien hier deshalb nur die wesentlichen
erwähnt.

So ergab eine 1987 in den USA erstmalig durchgeführte nationale Studie
über die Anwendung von anabolen Steroiden bei High-School Schülern,
daß 6,6% der befragten männlichen Schüler diese Substanzen benutzen
oder benutzt haben [62]. Auffallend ist dabei, daß 38,3% der Anwender
15 Jahre oder jünger waren, als sie das erste Mal diese Präparate
gebrauchten. Außerdem gaben 35,2% der Anabolikabenutzer an, nicht
einmal am Schulsport teilzunehmen.
In einer weiteren Studie unter US-High-School Schülern gaben 6,5%
der männlichen und 2,5% der weiblichen Befragten an, Anabolika zu
verwenden [63]. Perry et al. [64] kamen bei einer an englischen Privatschulen
durchgeführten Untersuchung zu dem Ergebnis, daß 38,8% der
Schüler anabole Steroide benutzt haben. In Kanada gaben 2,8% der befragten
Jugendlichen an Schulen zu, Anabolika zu gebrauchen oder gebraucht
zu haben [160]. Insgesamt wird der Gebrauch anaboler Steroide
bei männlichen Schülern mit 4-12% und bei weiblichen mit 0,5-2,0% angegeben
[59]. Dies steht im Einklang mit den Ergebnissen einer neueren
Studie von DuRant et al. [65]. Danach beträgt das Vorkommen des Anabolikagebrauchs
4,08% bei männlichen High-School Schülern und 1,2%
bei weiblichen Schülern.
Im Sport, insbesondere in den kraftbetonten Sportarten, liegt der
Prozentsatz der Anabolikaverwender deutlich höher. So fand Ljungquist
[66] bereits 1975 heraus, daß 75% der schwedischen Leistungssportler in
leichtathletischen Wurfdisziplinen Anabolika verwenden. Die Australian
Sports Medicine Federation gab an, daß zwischen 1979 und 1982 22% der
Powerlifter und 16% der Gewichtheber anabole Steroide gebrauchten [67]. Der verstorbene Footballprofi Lyle Alzado behauptete, daß 80% aller
amerikanischen NFL-Spieler Wachstumshormon oder Anabolika als
Dopingmittel verwenden [70]. Im Bodybuilding liegt der Anteil der Steroidbenutzer
nach einer Befragung von Tricker et al. [68] bei 54% der
männlichen und 10% der weiblichen Athleten. Bei Wettkampfbodybuildern
sollen sogar 75% Anabolika verwenden und bei Bodybuildern ohne
Bühnenambitionen 24% [69]. Bei einer weiteren Befragung unter Bodybuildern
gaben 19,5% der befragten männlichen Athleten an, anabole
Steroide einzunehmen [72].
Einer neueren Umfrage [1] zufolge, die in Fitness-Studios in Norddeutschland
durchgeführt wurde, haben 21% der Mitglieder (8% der
Frauen und 24% der Männer) leistungssteigernde Präparate eingenommen
oder benutzen diese aktuell. Dabei handelte es sich überwiegend
um Sportler mit mehr als dreijähriger Trainingserfahrung. Als Hauptmotive
nannten sie Muskelaufbau und Kraftzuwachs. 72% der Medikamentenverwender
gaben an, auch in Zukunft weiter leistungssteigernde Substanzen
einnehmen zu wollen.
Nach den Erfahrungen des Autors ist davon auszugehen, daß heutzutage
nahezu alle ambitionierten Wettkampfathleten im Bodybuilding
Anabolika einnehmen. Hier ist ein ungedopter Sportler die Ausnahme.
Bei Athleten, die diesen Sport ohne Wettkampfambitionen betreiben,
aber trotzdem ernsthaft an Muskelzuwachs interessiert sind, dürfte der
Anteil der Anabolikabenutzer den Erfahrungen des Verfassers nach bei
etwa 20-30% liegen.

Anwendung im Bodybuilding

Anabole Steroide sind die am weitesten verbreiteten Dopingsubstanzen
im Bodybuilding. Zur Förderung des Muskelaufbaus werden sie von
zahllosen Athleten eingesetzt. Während frühere Untersuchungen aufgrund
von Mängeln im Studiendesign oft keine Leistungsverbesserungen
bei Anabolikaverabreichung nachweisen konnten, so zeigen neuere
Ergebnisse, von denen hier nur als eindrucksvolles Beispiel die von Bhasin
et al. [82] zitiert seien, die Effizienz der Präparate. Dies deckt sich mit
den Erfahrungen der Sportler, die fast durchgängig deutliche Leistungsverbesserungen
erzielen.

Injizierbare Anabolika werden dabei von den Athleten zumeist selbst
appliziert, in manchen Fällen nimmt dies ein Trainingskollege oder die
eigene Frau bzw. Freundin vor [persönliche Mitteilungen]. Dabei wird nicht nur in den Gesäßmuskel injiziert, sondern auch in den Oberschenkel,
die Schulter oder die Arme [persönliche Mitteilungen]. Dabei gibt
die Untergrundliteratur teilweise konkrete Hinweise, wie man gefahrlos
selbst injiziert [226].
Üblicherweise werden Anabolika in »Kuren« oder »Zyklen« eingenommen.
Dabei nimmt der Sportler die Präparate über einen Zeitraum
von 6-12 Wochen ein, um sie danach für einige Zeit (meist 4-8 Wochen)
wieder abzusetzen. Durch dieses Einnahmeschema soll einem möglichen
Wirkungsverlust der Medikamente vorgebeugt werden, da sich gezeigt
hat, daß die anabolen Effekte nach 6-8 Wochen nachlassen. Dies
könnte mit der down-Regulation (Verringerung) der primär beanspruchten
Androgenrezeptoren zusammenhängen. Diese These ist jedoch nicht
eindeutig wissenschaftlich belegt. Weiterhin wäre denkbar, daß die
durch die Anabolika blockierten Glucocorticoidrezeptoren hochgeregelt
werden, so daß auch durch diesen Mechanismus die muskelaufbauenden
Effekte mit der Zeit nachlassen (falls diese Blockade der Cortisonrezeptoren
so existiert).

Letzlich bleibt es unklar, warum die Wirkung der Steroide mit der
Zeit nachläßt. Denkbar ist eine Verringerung der Muskelzuwachsrate
einfach aufgrund eines Rückkoppelungsmechanismus, bei dem mit stetig
zunehmender Muskelmasse die Zuwächse immer geringer werden,
bis sich ein Plateau einstellt, das die maximal mögliche Muskelausprägung
darstellt, die eine Person auch mit Doping innerhalb ihrer genetisch
festgelegten Grenzen erreichen kann. Dies würde auch erklären,
warum Athleten nach einer Einnahmepause wieder besser auf Anabolika
ansprechen, wenn auch nicht so gut wie bei der ersten Verabreichung
(weil die Muskelmasse immer noch höher ist als vor der ersten Kur).
Eine Einnahmepause soll außerdem das Risiko einer möglichen gesundheitlichen
Beeinträchtigung des Athleten reduzieren. Den belasteten
Organsystemen wird so zwischen den Zyklen eine Möglichkeit zur
Regeneration gegeben.

Bei einer Kur werden üblicherweise zwei oder drei anabole Steroide
zusammen eingenommen, wobei meist orale und injizierbare Präparate
kombiniert werden (ein sogenannter »stack« (engl.) [208]). Durch diese
Mehrfacheinnahme erhoffen sich die Athleten einen synergistischen Effekt
der Medikamente (die Gesamtwirkung ist größer als die Summe der
Wirkungen der Einzelpräparate). So hat sich gezeigt, daß bei Verwendung
von oralen Präparaten evtl. die Synthese von einigen Wachstums faktoren (IGF-1, FGF, EGF etc.) in der Leber angeregt wird, was bei Injektion
solcher Substanzen nicht der Fall ist, so daß in der Untergrundliteratur
eine Kombination beider Anwendungsformen empfohlen wird
[254].

Dabei wird entweder zunächst mit einer niedrigen Dosierung begonnen
und diese im Verlauf einiger Wochen gesteigert oder mit einer hohen
Dosis begonnen und diese im Verlauf der nächsten Wochen verringert.
Nach einiger Zeit läßt die Wirkung der anabolen Steroide nach (sogenanntes
»plateauing« [208]), so daß der Bodybuilder die Dosis über einen
Zeitraum von 2-4 Wochen wieder reduziert (sogenanntes »tapering«
[208]) und dann die Präparate ganz absetzt. Das obenstehende Beispiel
aus der Praxis [persönliche Mitteilung] soll ein solches Einnahmeschema
noch einmal veranschaulichen.

Ambitionierte Bodybuilder wenden anabole Steroide oft das ganze
Jahr über an. Bei ihnen ist ein Wechsel der Medikamente alle 4-8 Wochen
üblich (sogenanntes »staggering« [208]), wodurch ein Muskelwachstumsstillstand
verhindert werden soll. Wie die Praxis zeigt, lassen sich auch
dadurch langsame aber doch konstante Fortschritte im Muskelaufbau erzielen.
Solche Athleten setzen meist nur nach einer wichtigen Meisterschaft
die Anabolika für einige Wochen ab. Auf der nächsten Seite folgt
auch hierfür ein Beispiel [persönliche Mitteilung].
Welche anabolen Steroide werden nun von wem eingesetzt? Zunächst
gibt es die stark androgenen Steroide wie beispielsweise Oxymetholon, Metandienon oder Testosteron. Diese haben neben der ausgeprägten
androgenen Komponente auch eine intensive anabole Wirkung,
weshalb sie gern von Wettkampfathleten in der »Off-season«, also der
Zeit zwischen zwei für den Athleten wichtigen Meisterschaften, eingesetzt
werden. Hier ist es wichtig, möglichst viel Muskelmasse aufzubauen,
wozu sich die genannten Anabolika gut eignen. Daß es durch die
Aromatisierung der anabolen Steroide zu einer merklichen Wasserspeicherung
im Körper kommen kann, wird dabei in Kauf genommen.

Während der Diät in den Wochen vor einer Meisterschaft werden
meist Steroide bevorzugt, die im Körper nicht in Östrogen umgewandelt
werden können. Dabei achten die Athleten jedoch darauf, daß zumindest
eines der verwendeten Anabolika eine starke androgene Wirkungskomponente
besitzt, wodurch einem möglichen Übertrainingssyndrom
vorgebeugt werden soll [persönliche Mitteilungen, 201]. Beliebte Steroide für die Wettkampfvorbereitung sind zum Beispiel Trenbolon, Drostanolon,
Stanozolol, Fluoxymesteron, Metenolon und Testosteronpropionat
[persönliche Mitteilungen]. Manche Bodybuilder nehmen auch in
der Diät die oben bereits genannten, stark aromatisierbaren Anabolika –
wegen ihrer intensiven anabolen Wirkung, die den Eiweißabbau in der
Diät minimiert. Dabei bekämpfen sie das subkutan gespeicherte Wasser
mit Antiöstrogenen und in den letzten Tagen vor dem Wettkampf mit der
hochdosierten Einnahme von Diuretika. So können viele auf der Bühne
trotzdem eine gute Definition präsentieren.

Von den weniger ambitionierten Athleten werden oft schwächere und
nicht so stark androgen wirkende Anabolika verwendet, wie beispielsweise
Nandrolon, Metenolon, Stanozolol und Oxandrolone [persönliche
Mitteilungen]. Durch die geringere Androgenität dieser Steroide ist das
Nebenwirkungspotential ebenfalls kleiner. Sie werden oft von den eher
auf ihre Gesundheit bedachten Freizeitbodybuildern verwendet. Diese
benutzen außerdem oft nur ein Anabolikum, statt zwei oder drei gleichzeitig.
Auch bei den Dosierungen unterscheiden sich die Bodybuilder je
nach Zielsetzung. Vorsichtige Benutzer ohne Wettkampfambitionen verwenden
meist das zwei- bis fünffache der therapeutischen Dosis. Dies
entspricht etwa 100-500mg an injizierbaren Anabolika pro Woche oder
10-30mg an oralen Präparaten pro Tag bei den gängigen Substanzen [persönliche
Mitteilungen]. Wettkampfbodybuilder handeln dagegen oft
nach dem Motto »viel hilft viel«: Hier sind Dosierungen zwischen dem
fünf- und fünfzehnfachen der therapeutischen Dosis üblich. Bei den zumeist
verwendeten Medikamenten entspricht dies etwa 350-1500mg pro
Woche an injizierbaren und 25-150mg an oralen Anabolika pro Tag. In
Extremfällen werden jedoch Dosierungen bis zum hundertfachen der
therapeutischen Dosis verwendet. So sind dem Autor Einnahmen oraler
Präparate von 500mg pro Tag und von 10.000mg injizierbarer Anabolika
pro Woche bekannt [persönliche Mitteilungen].

Mögliche Gefahren und Nebenwirkungen

In den Medien wird immer wieder über die Nebenwirkungen von anabolen
Steroiden berichtet. Dabei wird in diesen Berichten oft überzogen
und stark dramatisiert. So werden häufig Einzelfälle verallgemeinert
oder es wird unsauber recherchiert. Erleidet ein Bodybuilder eine schwere
Krankheit, so wird dies oft auf die Einnahme von anabolen Steroiden zurückgeführt, auch wenn vielleicht ganz andere Ursachen dahinter
stecken. Der Sensationsaspekt scheint in der Berichterstattung in den
Medien oft Vorrang vor sachlicher Information zu haben. Dabei bekommt
der mit der Materie nicht vertraute Leser leicht den Eindruck,
daß anabole Steroide lebensgefährliche Medikamente seien. Jedoch lassen
sich nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch Ärzte mehr und
mehr von dieser Art der Berichterstattung beeinflussen und stehen dem
Gebrauch solcher Medikamente sehr voreingenommen gegenüber.
Nach Haupt und Rovere [105] erleiden mehr als 30% der Anabolikabenutzer
zumindest kurzfristig Nebenwirkungen. Einer Umfrage von
Phillips [204] zufolge kam es bei 68% der Steroidkonsumenten zu weniger
schweren Nebenwirkungen wie Akne, Gynäkomastie, Kopfschmerzen,
Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen und Haarausfall.
Bei 6% ergaben sich massive Hypertonie (Bluthochdruck), Prostatavergrößerung,
Impotenz, Sterilität (Unfruchtbarkeit), extreme Aggressivität
und chronische Akne als schwere Nebenwirkungen. Bei 91% dieser Bodybuilder
verschwanden die Symptome innerhalb von zwei Monaten
nach dem Absetzen der Medikamente. 26% erlitten Phillips zufolge keine
Nebenwirkungen.

Dies deckt sich mit den Berichten, die dem Verfasser vorliegen: Kurzfristige
und weniger schwere Nebenwirkungen wie Abweichungen bei
Leberfunktionstests, Gynäkomastie oder Hodenatrophie treten recht
häufig auf, bilden sich jedoch nach dem Absetzen der Anabolika meist
von selbst wieder zurück [persönliche Mitteilungen]. Dem Autor ist kein
Athlet persönlich bekannt, bei dem es zu lebensgefährlichen Erkrankungen
oder Nebenwirkungen kam, die eindeutig auf die Einnahme solcher
Substanzen zurückzuführen wäre. Durch Dritte wurde ihm allerdings
von zwei Athleten berichtet, die schwer erkrankten: Einer erlitt einen lebensbedrohlichen Magendurchbruch, ein anderer einen Schlaganfall.
Ob und welchen Anteil Anabolika an der Auslösung dieser Krankheitsgeschehen
hatten, ist jedoch auch hier nicht zweifelsfrei nachzuweisen.
Es ist nicht auszuschließen, daß hier noch andere Umstände, wie zum
Beispiel genetische Risikofaktoren oder bereits bestehende Vorerkrankungen
hinzukamen.

Beim Tod des österreichischen Bodybuildingprofis Andreas Münzer
im März 1996 wurde »multiples Organversagen« als Todesursache festgestellt.
Der im Spiegel veröffentlichte Einnahmeplan seiner Medikamente
zeigte, daß Münzer neben Anabolika auch Insulin, Wachstumshormon, IGF-1, Schilddrüsenhormone, Stimulanzien (darunter Captagon®, ein
unter das Betäubungsmittelgesetz fallendes Aufputschmittel), Aspirin in
hoher Dosierung, sowie Valium° einnahm [303]. Durch zwei Bekannte
aus dem Umfeld von Münzer weiß der Autor, daß dieser Medikamentenplan
der Realität sehr nahe kam [persönliche Mitteilungen]. Welchen
Anteil Anabolika an seinem Tod hatten, ist aufgrund dieses »Cocktails«
von Präparaten nur sehr schwer festzustellen.
Es soll hier allerdings ausdrücklich darauf hingewiesen werden, daß
mögliche Langzeitschäden bei Einnahme von anabolen Steroiden kaum
abzuschätzen sind. Durch die massive Ausbreitung des Anabolikakonsums
gerade in den letzten zehn Jahren könnten in naher Zukunft die
Folgen der Steroideinnahme bei den Athleten aus dieser Zeit absehbar
werden. Gerade in Bezug auf das Herz-/Kreislaufsystem sind Langzeitfolgen
denkbar, wie später dargelegt wird.
Nebenwirkungen der anabolen Steroide werden in toxische und hormonell
bedingte unterteilt. Toxische Nebenwirkungen betreffen in erster
Linie die Leber und treten relativ häufig bei der Einnahme von anabolen
Steroiden auf. Diese reichen von erhöhten Leberenzymwerten, einer
Cholestase (Gallestau), über Peliosis hepatis (blutgefüllte Zysten in der
Leber) bis hin zum Leberzellcarcinom (Leberkrebs). Es hat sich gezeigt,
daß fast ausschließlich 17a-alkylierte orale Anabolika für diese Nebenwirkungen
verantwortlich sind.

In der medizinischen Literatur wird von zahlreichen Fällen berichtet,
bei denen Patienten mit Fanconi-Anämie oder Formen von aplastischer
Anämie (Blutarmut) nach jahrelanger Therapie mit 17a-alkylierten oralen
anabolen Steroiden ein Leberzellcarcinom, einen gutartigen Leberzelltumor
oder eine Peliosis hepatis entwickelten [87, 88, 89, 90]. Da diese Erkrankungen
jedoch ohnehin Funktionsstörungen und Krebserkrankungen
der Leber begünstigen, ist es sehr schwer festzustellen, welchen Anteil
Anabolika daran hatten. Es sind weltweit drei Fälle von zuvor gesunden
Bodybuildern dokumentiert, die nach der Einnahme von Anabolika
ein Leberzellcarcinom bzw. ein hepatozelluläres Adenom jeweils mit Todesfolge
entwickelten [84, 85, 86]. Ein weiterer Fall wird von einem Bodybuilder
berichtet, der nach achtjähriger Einnahme verschiedener Anabolika
(darunter auch 17a-alkylierte Steroide) eine Peliosis hepatis mit
nachfolgender Blutung in den Bauchraum entwickelte [95].

Bei den meisten Sportlern treten bei der Einnahme von anabolen Steroiden
aber keine schwerwiegenden Leberschädigungen auf. Oft bleiben sogar die Leberenzymwerte unverändert [91, 93, persönliche Mitteilungen].
Bei der Einnahme von 17a-alkylierten Anabolika kann es in einigen
Fällen zu einer Erhöhung dieser Werte kommen, die sich jedoch nach
dem Absetzen wieder zurückbilden [92, 94, persönliche Mitteilungen].
Die Untergrundliteratur hält mögliche Leberschädigungen bei der Anabolikaeinnahme
für unwahrscheinlich und schreibt ebenfalls lediglich
den 17a-alkylierten anabolen Steroiden einen möglichen lebertoxischen
Effekt zu [201, 204, 208, 255]. Dies entspricht auch den Erfahrungen des
Verfassers. Bei vielen ihm bekannten Athleten traten Erhöhungen der Leberenzymwerte
auf, die sich oft trotz weiterer Einnahme wieder normalisierten
oder nach dem Absetzen der Präparate im Verlauf einiger Wochen
wieder in den Normbereich fielen. Fälle von den bereits genannten
schweren Lebererkrankungen sind ihm nicht bekannt.
Insgesamt betrachtet scheint das Risiko, daß es bei der Einnahme von
Anabolika zu schweren Lebererkrankungen kommt, nicht besonders
hoch zu sein. Dennoch ist es in Einzelfällen möglich, daß es bei jahrelanger
hochdosierter Einnahme von 17a-alkylierten anabolen Steroiden zu
einer Peliosis hepatis oder gar einem Lebertumor kommt.Spermiogramms können bis zu zwei Jahre vergehen [B. Hook auf dem
Dermatologiekongreß 1990, Hannover (aus [104])].
Während Kley [76] diese Einschränkung der körpereigenen Testosteronproduktion
für voll reversibel hält, wenn die Präparate abgesetzt werden,
äußert DiPasquale [234] Bedenken. Seiner Meinung nach kann esSpermiogramms können bis zu zwei Jahre vergehen [B. Hook auf dem
Dermatologiekongreß 1990, Hannover (aus [104])].
Während Kley [76] diese Einschränkung der körpereigenen Testosteronproduktion
für voll reversibel hält, wenn die Präparate abgesetzt werden,
äußert DiPasquale [234] Bedenken. Seiner Meinung nach kann es
bei langdauernder hoher Zufuhr anaboler Steroide zu einer langfristigen
Unterfunktion der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse kommen.
Auch Price [250] schreibt von ihm bekannten Athleten mit einer permanenten
Hodenunterfunktion. Dem Autor sind Athleten bekannt, bei
denen nach langer, ununterbrochener Einnahme von Anabolika bis zu
zwölf Monate vergingen, bis sich das körpereigene Hormonsystem subjektiv
wieder regeneriert hatte [persönliche Mitteilungen].
Die häufig zu hörende Behauptung, daß Anabolika impotent machen,
trifft den Informationen des Autors nach nur in seltenen Fällen zu.
In der medizinischen Literatur findet sich lediglich ein Fallbericht dazu
[151]. Da der Sexualtrieb bei Männern wesentlich von der Höhe des Testosteronspiegels
bestimmt wird, kommt es bei Einnahme von Anabolika,
insbesondere bei den stark androgenen Steroiden, eher zu einer gesteigerten
Libido, die oft im Verlauf eines Steroidzyklusses wieder zum
»Normalmaß« zurückkehrt [persönliche Mitteilungen, 166, 201, 255].
Häufig ist jedoch eine sexuelle Lustlosigkeit nach dem Absetzen der Präparate
festzustellen, da dann der körpereigene Testosteronspiegel nur
langsam wieder auf den Normalwert ansteigt [persönliche Mitteilungen].
Paradoxerweise können anabole Steroide bei Männern feminisierende
Effekte auslösen. Durch die bereits erwähnte Aromatisierung von
Testosteron und anderen Anabolika kann der Östrogenspiegel bei Verabreichung
dieser Präparate stark ansteigen. Das Ausmaß, in welchem dieser
Umwandlungsprozeß stattfindet, hängt ganz wesentlich vom verwendeten
Anabolikum ab. Diese aromatisieren unterschiedlich stark:
Die stark androgenen Steroide können im Körper sehr leicht in Östrogene
umgewandelt werden, während die anabolen Steroide mit schwach
androgener Wirkung in den meisten Fällen kaum oder gar nicht aromatisieren.
Dieser Prozeß wird beeinflußt durch die Veranlagung des einzelnen
Athleten sowie die Dosierung des Medikaments.
Durch den Östrogenanstieg kann es zu einer erhöhten Unterhautfettspeicherung
und Wassereinlagerung kommen, sowie zu einer Gynäkomastie
(Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann). Während er
bei langdauernder hoher Zufuhr anaboler Steroide zu einer langfristigen
Unterfunktion der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse kommen.
Auch Price [250] schreibt von ihm bekannten Athleten mit einer permanenten
Hodenunterfunktion. Dem Autor sind Athleten bekannt, bei
denen nach langer, ununterbrochener Einnahme von Anabolika bis zu
zwölf Monate vergingen, bis sich das körpereigene Hormonsystem subjektiv
wieder regeneriert hatte [persönliche Mitteilungen].
Die häufig zu hörende Behauptung, daß Anabolika impotent machen,
trifft den Informationen des Autors nach nur in seltenen Fällen zu.
In der medizinischen Literatur findet sich lediglich ein Fallbericht dazu
[151]. Da der Sexualtrieb bei Männern wesentlich von der Höhe des Testosteronspiegels
bestimmt wird, kommt es bei Einnahme von Anabolika,
insbesondere bei den stark androgenen Steroiden, eher zu einer gesteigerten
Libido, die oft im Verlauf eines Steroidzyklusses wieder zum
»Normalmaß« zurückkehrt [persönliche Mitteilungen, 166, 201, 255].
Häufig ist jedoch eine sexuelle Lustlosigkeit nach dem Absetzen der Präparate
festzustellen, da dann der körpereigene Testosteronspiegel nur
langsam wieder auf den Normalwert ansteigt [persönliche Mitteilungen].
Paradoxerweise können anabole Steroide bei Männern feminisierende
Effekte auslösen. Durch die bereits erwähnte Aromatisierung von
Testosteron und anderen Anabolika kann der Östrogenspiegel bei Verabreichung
dieser Präparate stark ansteigen. Das Ausmaß, in welchem dieser
Umwandlungsprozeß stattfindet, hängt ganz wesentlich vom verwendeten
Anabolikum ab. Diese aromatisieren unterschiedlich stark:
Die stark androgenen Steroide können im Körper sehr leicht in Östrogene
umgewandelt werden, während die anabolen Steroide mit schwach
androgener Wirkung in den meisten Fällen kaum oder gar nicht aromatisieren.
Dieser Prozeß wird beeinflußt durch die Veranlagung des einzelnen
Athleten sowie die Dosierung des Medikaments.
Durch den Östrogenanstieg kann es zu einer erhöhten Unterhautfettspeicherung
und Wassereinlagerung kommen, sowie zu einer Gynäkomastie
(Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann). Während er

 

Weitere mögliche Nebenwirkungen bei der Verabreichung von Anabolika
sind hormonell bedingt. Dazu gehört die Unterdrückung der körpereigenen
Hormonproduktion. Durch die Einnahme anaboler Steroide
kommt es zu einer unterschiedlich starken Verminderung der Eigenhormonproduktion.
Die Testosteronsynthese in den Leydigschen Zwischenzellen
des Hodens nimmt ab, die Sekretion von LH und FSH aus der Hypophyse
geht zurück [96, 99, 100, 101, 102], die Reaktion der Gonadotropine
LH und FSH auf GnRH aus dem Hypothalamus wird geringer, und
die pulsatile (wiederholte) Ausschüttung von GnRH wird vermindert.
Durch die Umwandlung vieler Anabolika in Östrogene wird ebenfalls eine
Suppression (Unterdrückung) der Gonadotropinsekretion bewirkt,
da die Hypophyse neben Testosteron auch auf Östrogene mit einer Verminderung
der Ausschüttung von LH und FSH reagiert [97, 98]. Dadurch
kommt es zur Hodenatrophie (Hodenschrumpfung) [60, 76] und
zu einer Hemmung der Spermatogenese (Spermienbildung) [76, 102,
103]. Wie stark die Auswirkungen auf die Eigenhormonproduktion sind,
hängt von der Art des verwendeten Anabolikums, von der Dosierung
und von der Dauer der Einnahme ab. Nach dem Absetzen der anabolen
Steroide erholen sich die genannten Parameter wieder, was jedoch unterschiedlich
lange dauern kann. Bis zur Wiederherstellung eines normalen Spermiogramms können bis zu zwei Jahre vergehen [B. Hook auf dem
Dermatologiekongreß 1990, Hannover (aus [104])].
Während Kley [76] diese Einschränkung der körpereigenen Testosteronproduktion
für voll reversibel hält, wenn die Präparate abgesetzt werden,
äußert DiPasquale [234] Bedenken. Seiner Meinung nach kann es
bei langdauernder hoher Zufuhr anaboler Steroide zu einer langfristigen
Unterfunktion der Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse kommen.
Auch Price [250] schreibt von ihm bekannten Athleten mit einer permanenten
Hodenunterfunktion. Dem Autor sind Athleten bekannt, bei
denen nach langer, ununterbrochener Einnahme von Anabolika bis zu
zwölf Monate vergingen, bis sich das körpereigene Hormonsystem subjektiv
wieder regeneriert hatte [persönliche Mitteilungen].
Die häufig zu hörende Behauptung, daß Anabolika impotent machen,
trifft den Informationen des Autors nach nur in seltenen Fällen zu.
In der medizinischen Literatur findet sich lediglich ein Fallbericht dazu
[151]. Da der Sexualtrieb bei Männern wesentlich von der Höhe des Testosteronspiegels
bestimmt wird, kommt es bei Einnahme von Anabolika,
insbesondere bei den stark androgenen Steroiden, eher zu einer gesteigerten
Libido, die oft im Verlauf eines Steroidzyklusses wieder zum
»Normalmaß« zurückkehrt [persönliche Mitteilungen, 166, 201, 255].
Häufig ist jedoch eine sexuelle Lustlosigkeit nach dem Absetzen der Präparate
festzustellen, da dann der körpereigene Testosteronspiegel nur
langsam wieder auf den Normalwert ansteigt [persönliche Mitteilungen].
Paradoxerweise können anabole Steroide bei Männern feminisierende
Effekte auslösen. Durch die bereits erwähnte Aromatisierung von
Testosteron und anderen Anabolika kann der Östrogenspiegel bei Verabreichung
dieser Präparate stark ansteigen. Das Ausmaß, in welchem dieser
Umwandlungsprozeß stattfindet, hängt ganz wesentlich vom verwendeten
Anabolikum ab. Diese aromatisieren unterschiedlich stark:
Die stark androgenen Steroide können im Körper sehr leicht in Östrogene
umgewandelt werden, während die anabolen Steroide mit schwach
androgener Wirkung in den meisten Fällen kaum oder gar nicht aromatisieren.
Dieser Prozeß wird beeinflußt durch die Veranlagung des einzelnen
Athleten sowie die Dosierung des Medikaments.

Durch den Östrogenanstieg kann es zu einer erhöhten Unterhautfettspeicherung
und Wassereinlagerung kommen, sowie zu einer Gynäkomastie
(Ausbildung einer weiblichen Brust beim Mann). Während ersteres für die meisten Athleten kein besonders großes Problem darstellt
(außer in der Wettkampfvorbereitung), so ist dies bei einer Verweiblichung
der männlichen Brust nicht der Fall. Typischerweise kommt es dabei
zunächst zu einer schmerzhaften Berührungsempfindlichkeit der
Brustwarzen, dann zu einer Knotenbildung in der Brust und schließlich
zu einer Fett- und Wassereinlagerung unter den Brustwarzen. Beim Absetzen
der Medikamente bilden sich diese Prozesse meist vollständig
oder zumindest teilweise zurück. Trotzdem stellt eine Gynäkomastie für
den Bodybuilder ein schweres kosmetisches Problem dar. Für den
Außenstehenden ist er leicht als Anabolikabenutzer identifizierbar und
muß außerdem im Wettkampf mit einem Punktabzug rechnen. Daher
nehmen viele Athleten, die anabole Steroide mit hohem Aromatisierungspotential
verwenden, zusätzlich Antiöstrogene ein, auf die unter
Punkt 2.5 dieses Kapitels noch genauer eingegangen wird.
Ist die Gynäkomastie jedoch weiter fortgeschritten, so helfen dem
Athleten auch die Östrogenblocker nicht mehr. Trotz Absetzen der Präparate
bleibt dann meist ein deutlicher Knoten in der Brust zurück. In so
einem Fall ist ein chirurgischer Eingriff die einzige Lösung. Durch eine
subkutane Mastektomie (Entfernung des Knotens) in Voll- oder Teilnarkose
wird das überschüssige Brustdrüsengewebe zusammen mit dem
Drüsenkörper entfernt, so daß eine erneute Ausbildung einer Gynäkomastie
danach kaum mehr vorkommt. Unter ambitionierten Wettkampfathleten
haben den Erfahrungen des Verfassers nach etwa 60% der Bodybuilder
diesen Eingriff vornehmen lassen. Ähnlich dürfte es den Angaben
von Philipps [204] nach im Profibodybuilding aussehen. Bei Freizeitathleten
ist eine solche Operation eher die Ausnahme.

Beuker [106]konnte beim von ihm untersuchten Kollektiv von Leistungsbodybuildern
unter Anabolikaeinnahme bei 71% der Athleten eine Gynäkomastie feststellen.

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