Anabolika im Leistungssport

Mittelklassesportler gelangen durch Anabolika nicht ins Spitzenfeld. Innerhalb des Spitzenfeldes jedoch entscheiden sie über Sieg und Niederlage, wenn nur einer der Athleten den unerlaubten Vorteil für sich allein genießt. Nutzen jedoch alle Sportler einer Meisterschaft den Vorteil der Anabolika, wird der eigentliche Sieger die Meisterschaft gewinnen, und zwar aufgrund seiner günstigeren genetischen Veranlagung, seines überlegteren Trainings und seiner kontrollierten Ernährung. Um allerdings seinen Vorsprung zu wahren, ist auch er genötigt, Anabolika zu nehmen. Es stellt sich die Frage, ob überhaupt noch eine Meisterschaft ohne Steroide zu gewinnen ist.

Einer, der es wissen muß, meint ja. Professor Donike, Beauftragter für Dopinganalytik des Bundesinstitutes für Sportwissenschaft, Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC und Mitglied der Medizinischen Kommission der IAAF, legte „Ergebnisse von Steroidprofilmessungen im Vergleich zur Wettkampfleistung von 19 Gewichthebern [vor], die an den Weltmeisterschaften 1989 in Athen und 1990 in Budapest teilgenommen haben. Aus der Tabelle ist ersichtlich, daß die Leistungen der 19 Teilnehmer von 1989 nach 1990 sich nur wenig, statistisch gesehen nicht signifikant, verändert haben. Jedoch signifikant verbessert haben sich die Steroidprofile, wenn die Konzentrationen der bedeutendsten Steroidmetaboliten Androsteron und Etiocholanolon betrachtet werden. Diese in der Tabelle zusammengefaßten Ergebnisse der relativen Wettkampfleistung und der Steroidprofile beweisen, daß eine gute Leistung nicht von einem durch Anabolika reduzierten Steroidspektrum begleitet sein müssen”.

Und auch im Bodybuilding sind Siege bei Meisterschaften ohne Anabolika erreichbar, da die Ausscheidung in Gewichtsklassen stattfindet — die Leichtgewichtsklasse bis 70 kg, das Mittelgewicht bis 80 kg, das Mittelschwergewicht bis 90 kg und die Schwergewichtsklasse über 90 kg. Erreicht nämlich ein Sportler aufgrund seiner genetischen Veranlagung und optimalen Trainings ohne den Einsatz von Anabolika eine der Gewichtsgrenzen, können ihm die Anabolika nicht mehr helfen. Zwar bewirken sie einen zusätzlichen Massegewinn, jedoch ist ein Mehr an Substanz auch immer mit einem Gewichtsanstieg verbunden. Hat also ein Sportler in Meisterschaftsform ein „natürliches” Gewicht von beispielsweise 69,5 kg und er verwendet nun noch Anabolika, wird er zwar muskulöser sein, aber auch schwerer. Damit ist er für seine Klasse jedoch zu schwer, für die nächsthöhere wiederum zu leicht.

Er müßte, da er kein Fett mehr abzugeben hat, dem Muskel Flüssigkeit entziehen (Gewicht machen) und würde damit den Effekt der Anabolika verschenken. So gesehen gibt es Sportler, die Weltmeister geworden sind, ohne die Effekte der Anabolika genutzt zu haben, selbst wenn sie Anabolika genommen haben sollten. Das kann in derKlasse über 90 kg allerdings nicht mehr zutreffen. Hier gewinnt der, der auch die letzten 10 % durch Anabolika nutzt. Dopingkontrollen sind deshalb unumgänglich.

Dopingkontrollen

Trotz ständiger Verschärfung der Dopingkontrollen, wurden immer weniger Athleten überführt. Das ist nicht unbedingt ein Zeichen für ein baldiges Ende des leidigen Dopingthemas, sondern für die Sinnlosigkeit von Dopingkontrollen am Wettkampftag. Die Absetzfristen sind allgemein bekannt, und die Wirksamkeit anabol wirksamer Präparate überschreitet die Dauer der Nachweisbarkeit, die beispielsweise für Testosteronproprio-nat nur mit vier bis fünf Tagen angegeben wird [17]. Seit Ende 1989 führt der Bundesausschuß Leistungssport deshalb Dopingkontrollen außerhalb des Wettkampfs durch [63].

Die zu diesem Zweck im Jahre 1991 ins Leben gerufene Ständige Kommission zur Überwachung der Dopingkontrollen außerhalb des Wettkampfs (DKK) hat dabei für das Jahr 1992 bereits 4000 Kontrollen veranschlagt. Einbezogen werden alle potentiellen Teilnehmer an nationalen oder internationalen Wettkämpfen. Es soll für die Ath leten „keine kalkulierbare Chance [geben], unkontrolliert zu bleiben” [63]. Die Auswahl der Athleten kann gezielt oder zufällig erfolgen. Während die zufällige Auswahl der Chancengleichheit dient, sollen durch die gezielte Auswahl Sportler mit auffälligen Steroidprofilen, die allein noch keine Beweiskraft haben, durch Nachkontrollen des Dopings überführt werden. Allein durch in dieser Form wirksame Dopingkontrollen werden anabolikafreie Siege errungen. Aber wichtiger noch: Die Athleten entziehen sich der latent vorhandenen Unterstellung, sie erbrächten Spitzenleistungen, weil sie Anabolika nähmen. Vielleicht wird sich dann das Augenmerk und die Bewunderung der Öffentlichkeit wieder auf das besondere und bewundernswerte Naturphänomen des Spitzensportlers lenken, so daß die Pharmaka den Stellenwert am Rande erhalten, der ihnen zukommt. Denn letztendlich muß „in einer Diskussion über Anabolika E…1 deutlich gesagt werden, wenn sie etwas bringen, dann ist es vielleicht ein Zehntel Prozent der Leistung. Die Leistung als solche wird bedingt durch genetische Veranlagung und Training”

This entry was posted in Anabolika. Bookmark the permalink.