Fenfluramin und Phentermin

Fenfluramin ist unter verschiedenen Markennamen als Appetitzügler in den USA erhältlich. Es reduziert den Appetit (und damit die aufgenommene Nahrungsmenge) um bis zu 25%; diese Wirkung verschwindet aber mit zunehmender Gewöhnung nach einigen Wochen. Die Appetitverminderung wird durch eine erhöhte Ausschüttung des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn ausgelöst; Fenfluramin bewirkt aber auch erhöhte Konzentrationen von Serotonin in anderen Körpergeweben, da es nicht nur eine vermehrte Ausschüttung desselben anregt, sondern auch seine Wiederaufnahme verhindert. Auch wenn die Appetitverminderung nur kurze Zeit anhält, so dauert die Erhöhung des Serotoningehalts in den Körpergeweben an.

Nachhaltiger wirkt eine durch Fenfluramin ausgelöste Beschleunigung des Stoffwechsels, die vor allem auf eine gesteigerte Thermogenese zurückzuführen ist. Der Kalorienmehrverbrauch kann bis zu 10% betragen; davon profitieren Über- und Normalgewichtige gleichermaßen. Überdies verlangsamt Fenfluramin die Magenentleerung, was sich ebenfalls in einem verminderten Appetit äußern kann. Fenfluramin konnte den Gewichtsverlust in einer Studie beinahe verdreifachen: Die Gruppe, die 60mg DL-Fenfluramin pro Tag (aufgeteilt auf 3x 20mg) erhielt, kombiniert mit einer kalorienreduzierten Diät, verlor in drei Monaten 6,5 Kilo Gewicht; die Kontrollgruppe allein mit der Diät dagegen nur 2,5 Kilo. Mit längerer Einnahme schwächt sich die Wirkung von Fenfluramin allerdings ab; eine andere Studie erzielte nach einem Jahr einen Gewichtsverlust von gut 10 Kilo. Fenfluramin ist keineswegs frei von Nebenwirkungen, darunter Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Durchfall und Benommenheit, selten treten Herzrasen oder Bluthochdruck auf. Ebenso wie andere amphetaminverwandte Substanzen hat Fenfluramin vielfältige Wechselwirkungen mit blutdrucksenkenden Medikamenten, MAO-Hemmern und trizyklischen Antidepressiva. In letzter Zeit sind noch andere ernste Nebenwirkungen bekannt geworden, die den Einsatz von Fenfluramin zur Gewichtsreduzierung sehr fraglich erscheinen lassen; dazu später mehr. Phentermin, ebenfalls als Appetitzügler angeboten, wirkt durch einen erhöhten Noradrenalinausstoß. Im Gegensatz zu Fenfluramin wirkt Phentermin daher stimulierend, löst also einen »Speed- Effekt« aus. Phentermin wird üblicherweise nur einmal am Tag eingenommen, eine morgendliche Dosis von 15mg bis 30mg hat sich als ausreichend erwiesen.

In einer Studie mit Probanden, die im Durchschnitt 25 Kilo Übergewicht aufwiesen, zeigten sich 30mg Phentermin als effektives Mittel für einen beschleunigten Fettabbau: In Verbindung mit einer 1000-Kalorien Diät verloren die Gruppe mit Phentermin in vier Monaten im Durchschnitt gute 7 Kilo an Gewicht, die mit Diät allein dagegen nur knapp zwei Kilo.

Phentermin weist weniger Nebenwirkungen auf als Fenfluramin, für Menschen mit Diabetes, Herzproblemen, Bluthochdruck oder Glaukom (erhöhter Augeninnendruck) verbietet sich aber eine Anwendung, ebenso, wenn gleichzeitig MAO-Hemmer, Insulin, oder Furazolidon (ein antibakteriell wirkendes Medikament) eingenommen wird, oder wenn Alkohol konsumiert wird. Sehr seltene Fälle von psychotischen Störungen und Schlaganfall sind ebenfalls bekannt geworden. Gegen die einzelne Anwendung von Fenfluramin oder Phentermin spricht eine sehr niedrige Toxizitätsgrenze; schon ein Mehrfaches der Tagesdosis kann Vergiftungserscheinungen auslösen.

Zur Vermeidung von Nebenwirkungen bei ungeschmälerter Effizienz wurde daher oft eine Kombination aus beiden Medikamenten eingesetzt; in den USA als »Fen-Phen« bekannt. Da beide Substanzen auf unterschiedlichen Wegen wirksam werden, konnte in der Kombination die Dosis beider Mittel reduziert werden. Die Wirksamkeit der Fen-Phen Kombination für den Fettabau bei relativ geringen Nebenwirkungen galt als gesichert, seit 1992 die ermutigenden Ergebnisse einer Vier-Jahres-Studie publiziert wurden, die bis dahin längste Untersuchung ihrer Art. Das muß auch viele Skeptiker überzeugt haben; daraufhin wurden sowohl beide Substanzen einzeln, als auch in Kombination vermehrt zur Diätunterstützung verschrieben. Die Nebenwirkungen schienen angesichts der ernsten Spätfolgen von Übergewicht vertretbar. 1997 rief aber eine Untersuchung der bekannten Mayo-Klinik in den USA zur Vorsicht: Bei 24 Frauen waren nach Einnahme von Fen-Phen ernste Herzprobleme aufgetreten, in einzelnen Fällen sogar bereits einen Monat nach Beginn der Medikamentenzufuhr. Nur kurze Zeit später wurden 28 weitere Fälle bekannt, alle zurückzuführen auf Fenfluramin, Dex-Fenfluramin, oder die Fen- Phen Kombination und ihre Zahl stieg schnell weiter an. In allen Fällen war es zu einer gefährlichen Verdickung der Herzkammern gekommen. Zudem war eine junge Frau an Lungenhochdruck gestorben (einer bereits bekannten, seltenen Nebenwirkung von Fenfluramin), nachdem Sie Fen-Phen nur 23 Tage eingenommen hatte.

Die Gefahr eines Lungenhochdrucks steigt bei Gabe von Fenfluramin um das sechsfache; nach dreimonatiger Einnahme des Medikaments erhöht sie sich sogar auf das 20-fache. Ernster ist das häufigere Problem der Verdickung der Herzkammern zu werten; es führt dazu, daß das Herz zu einer verstärkten Pumpleistung gezwungen wird. Diese Veränderung des Herzmuskels wurde auf den Einfluß des Fenfluramins auf den Serotoninhaushalt zurückgeführt; bislang ist nicht bekannt, ob sie reversibel ist. Das Krankheitsbild gleicht jenem, wie es bei einer seltenen Krebsart auftritt, deren Tumoren vermehrt Serotonin ins Blut ausschütten.

So wurde der stark erhöhte Serotoningehalt in den Körpergeweben durch Zufuhr von Fenfluramin für die Veränderung am Herzmuskel verantwortlich gemacht, obwohl die Entstehung des Problems noch nicht geklärt ist. Weitere Untersuchungen ergaben, daß Dexfenfluramin und Fenfluramin offensichtlich zu einer Schädigung der serotonin-produzierenden Zellen im Körper führen können. Versuche an Affen ergaben, daß die Serotoninspiegel im Gehirn auch ein Jahr nach Absetzen der Medikamente das normale Niveau noch nicht wieder erreicht hatten. Obwohl die Schädigungen durch Fenfluramin von einigen Seiten (vor allem von den Herstellern der Diät-Medikamente, die den Wirkstoff enthalten) angezweifelt wurden, gilt bis heute die Empfehlung, Fenfluramin oder Fen-Phen nur in Ausnahmefällen, und dann auch nur unter strikter ärztlicher Beobachtung einzusetzen.

Da sich vergleichbare fettabbauende Wirkungen auch mit anderen Substanzen erzielen lassen, die zudem erheblich geringere, oder gar keine Nebenwirkungen aufweisen, sollten Sie auf Fenfluramin oder Fen-Phen verzichten. Auch auf Phentermin kann verzichtet werden; andere Substanzen oder Kombinationen, die in diesem Buch vorgestellt werden, sind mindestens ebenso effektiv, aber weitaus sicherer. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle keine Einnahme-Empfehlung für Fenfluramin, Phentermin oder die Fen- Phen Kombination gegeben.

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